Nach acht Jahren an der Spitze hinterlässt Präsident Lula ein boomendes Brasilien

Brasilien gilt als Vorzeigeland Südamerikas. Daran werden auch die Präsidentenwahlen am 3. Oktober nichts ändern. FORMAT zeigt, wie Anleger von den Börsen Lateinamerikas profitieren können.

In vielen Ländern können es die Wähler gar nicht erwarten, ihre Regierung in die Wüste zu schicken. Brasilien ist anders. Dort bekäme der amtierende Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva, von allen nur „Lula“ genannt, bei den Neuwahlen am 3. Oktober eine sichere Mehrheit. Dabei würden sogar viele Banker und andere Mitglieder der Oberschicht für den ehemaligen Gewerkschaftsführer stimmen. Der einstmals als ungehobelter Prolet, Kommunist und Trinker beschimpfte Sohn von Analphabeten wird seit dem kometenhaften Wirtschaftsaufstieg seines Landes als Volksheld gefeiert und hat international großen politischen Einfluss.

In zweimal vier Jahren Regierungszeit hat Lula Brasilien aus der Zahlungsunfähigkeit herausmanövriert und es zu einer weltweit führenden Wirtschaftsmacht aufgebaut. Selbst die Börse liebt Lula. Der Bovespa-Index der Börse in São Paulo, der 80 Prozent der Marktkapitalisierung Brasiliens abbildet, legte seit 2005 aus Sicht eines Euro-Investors um 206 Prozent zu – und das trotz der globalen Finanzkrise, in der auch die Samba-Börse in Katerstimmung verfiel.

Doch nach zwei Amtsperioden ist jetzt Schluss, die Verfassung verlangt nach einem neuen Staatsoberhaupt. Lulas Vermächtnis, so die allgemeine Meinung, ist aber nicht gefährdet. Die zwei neuen Präsidentschaftskandidaten vertreten ähnliche wirtschaftspolitische Ansichten. Dabei genießt Dilma Rousseff den Vorteil, dass sie von Lula unterstützt wird, während der Gouverneur des Bundesstaates São Paulo, José Serra, bereits 2006 an Lula scheiterte. Will Landers, renommierter Lateinamerika-Fondsmanager der USGesellschaft BlackRock: „Es wird nach der Wahl keine großen Veränderungen in der Wirtschaftspolitik geben. Auch Lula hat die Reformen seines Vorgängers Cardoso fortgesetzt. Diese funktionieren beispiellos für Brasilien und die Schwellenländer im Allgemeinen. Diese Stärke sollte für Investoren ein großer Anreiz sein, in Brasilien zu investieren.“

Jobs statt Armut

In Brasilien ist derzeit wirklich der Teufel los. Allein in den vergangenen zwölf Monaten wurden laut Arbeitsministerium 2,5 Millionen Jobs geschaffen und damit viele Menschen vom Los der Armut befreit. Die Konsumnachfrage der aufstrebenden Mittelklasse kennt keine Grenzen: Autos, Fernseher und neue Wohnungen stehen ganz oben auf der Wunschliste. Das kurbelt wiederum das Geschäft der Banken an, die Kreditnachfrage wächst jährlich um 25 Prozent. Auch die Währung zeigt sich extrem hart. So konnte der brasilianische Real gegenüber dem Euro ordentlich zulegen. Sorgenpunkte sind wie global überall die steigende Verschuldung und die zu geringen inländischen Ersparnisse. Markus Jäger von Deutsche Bank Research: „Falls es gelingt, eine Haushaltssanierung durchzusetzen, steht einem weiteren Aufstieg des lateinamerikanischen Schwellenlands nichts im Wege. Dann ist auch ein BIP-Wachstum von sechs Prozent möglich.“ Die US-Investmentbank Goldman Sachs ist noch euphorischer und glaubt, dass Brasilien heuer sogar um 7,8 Prozent wachsen wird.

Vor allem der Rohstoffreichtum und die gestiegenen Ölexporte könnten dem Land zusätzlichen Schub nach oben geben. Dass Brasilien viel vorhat, zeigen auch die Pläne des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras, der mit 64 Milliarden Dollar die größte Kapitalerhöhung aller Zeiten anstrebt. Der Ölmulti braucht das Kapital, um in den kommenden fünf Jahren den geplanten Ausbau der Tiefseebohrungen in einem Gesamtvolumen von 174 Milliarden Dollar umzusetzen.

Eldorado für Aktionäre

Neben Brasilien sind auch noch eine Reihe anderer lateinamerikanischer Staaten im Fokus der Investoren. Besonders Peru besticht durch ein günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis und zählt wegen hoher Infrastrukturinvestitionen zu den attraktivsten Staaten Lateinamerikas. Mit einem Plus von 66 Prozent seit Jahresanfang rangiert die Börse Kolumbiens an erster Stelle, gefolgt von Chile mit plus 44 Prozent und Peru mit einem Plus von 36 Prozent. Brasilien legt nach einem atemberaubenden Höhenflug im Vorjahr heuer ein deutlich ruhigeres Tempo vor. So stieg der Aktienfonds Parvest Equity Brazil im Jahr 2009 um 115,4 Prozent. In den ersten Monaten dieses Jahres steht „nur“ ein Plus von 8,6 Prozent zu Buche.

Noch rasanter ist BlackRock-Manager Landers unterwegs, der die gesamte Region von Brasilien bis Mexico abdeckt. Mit seinem klassischen Latin-America-Fonds, der auf große Titel wie Itaú Banca und den Rohstoffkonzern Vale setzt, erwirtschaftete er heuer ein Jahresplus von 13,7 Prozent. Doch das wahre Schmuckstück ist der Nebenwertefonds BlackRock Latin American Opportunities. Im Vorjahr war der Fonds mit einem Plus von 220 Prozent der weltweit beste Fonds sämtlicher Anlageklassen. Heuer stieg er um 28,3 Prozent. BlackRock-Fondsmanager Landers, der gern brasilianische Manschettenknöpfe trägt: „In den nächsten Jahren werden vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Geschäfte großteils inländisch abwickeln, vom immer stärker werdenden Wirtschaftswachstum profitieren. Besonders Unternehmen in Brasilien werden dar aus einen Nutzen ziehen.“ Eine seiner Lieblingsaktien ist übrigens der Autovermieter Localiza Rent a Car. Allerdings schwankt der Nebenwertefonds noch kräftiger als die ohnehin schon volatilen Konkurrenten.

Zwischen USA und China

Ganz generell gelten Lateinamerikas Börsen als krisenanfällig. Vor allem Mexico ist als traditionelles Zulieferland stark von der Entwicklung in den USA abhängig. In Brasilien, das zusammen mit Russland, Indien und China zum Quartett der BRIC-Staaten gehört, ist der US-Einfluss deutlich geringer. Dafür käme Brasilien unter Druck, falls China irgendwann einmal in eine Wirtschaftskrise abrutschte. Doch vorläufig ist in Brasilien weit und breit nichts von einer Krise zu spüren. Stattdessen wird schon eifrig an den Vorbereitungen für zwei Großereignisse gearbeitet, die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016. Landers: „Bis dahin wird massiv in die Infrastruktur investiert.“

– Ingrid Krawarik, Martin Kwauka

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Service

Die Suche nach dem besten Konto

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik

Geld & Service

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik