Mit geschlossenen Fonds werden Anleger zu Flugzeug-Besitzern und Schiffseigentümern

Geschlossene Fonds machen Anleger schon ab 10.000 Euro zu echten Unternehmern. Die Palette der Investitionen reicht vom Flugzeug über Immobilien bis zu Solaranlagen.

Der Kaufpreis einer Boeing 777-300 ist selbst für reiche Scheichs durchaus beein­druckend: Für den Langstreckenflieger müssen 163 Millionen US-Dollar auf den Tisch gelegt werden. Deshalb macht es die Luftlinie Emirates nicht viel anders als viele Autokäufer und finanziert den neuen Flieger über Leasing. Die eigentlichen Eigen­tümer sind Hunderte private Anleger aus Österreich und Deutschland. Ab einer Pro-Kopf-Einlage von 50.000 Euro in den geschlossenen Flugzeugfonds 133 des deutschen Emissionshauses Dr. Peters profitieren die Investoren 16 Jahre lang von den Leasingraten und dem Verkaufserlös am Ende.

Geschäft im Stocken
Seit dem Jahr 1999, als geschlossene Fonds in Österreich erstmals angeboten wurden, sind inzwischen schon rund 1,4 Milliarden Euro investiert worden. Der Löwenanteil davon entfällt mit 550 Millionen Euro auf Immobilien, gefolgt von Schiffsfonds mit 323 Millionen. Flugzeuge sind ein recht neues Segment, die bisherigen Investments belaufen sich auf bescheidene 15 Millionen Euro. Seit dem Rekordjahr 2007, als die Emissionshäuser in Österreich Beteiligungsanteile in Höhe von 358 Millionen Euro absetzen konnten, ist es aber deutlich ruhiger geworden. Peter Maierhofer, Chef der WM AG, die als österreichische Drehscheibe für die überwiegend deutschen Emittenten tätig ist: „Heuer wurden im ersten Halbjahr erst 50 Millionen Euro gezeichnet.“ Durch die Wirtschaftskrise wurde es deutlich mühsamer, von Kunden neues Risikokapital zu gewinnen, zumal einige Schifffahrtssegmente massiv unter der Flaute leiden. Außerdem bleibt es immer noch schwierig, von Banken frisches Fremdkapital für die Konstruktion neuer Fonds zu bekommen.

Breite Investitionspalette
Nicht zuletzt waren auch Sparbuchzinsen von fünf Prozent und mehr, die im vergangenen Herbst angeboten wurden, eine übermächtige Konkurrenz. WM-Chef Maier­hofer: „Seit Mitte 2007 wurden in Österreich 21,8 Milliarden Euro in Bankeinlagen investiert. Das entsprach 70 Prozent der gesamten Geldvermögensbildung.“ Jetzt hofft die Branche, dass Mittel von abreifenden Spareinlagen auch in geschlossene Fonds investiert werden, die in der Regel mit potenziellen Renditen von sieben Prozent und mehr konstruiert werden. Lichtblick der Branche: Der vom Emissionshaus MPC aufgelegte Holland-Immobilienfonds 70 war innerhalb von acht Tagen ausplatziert. FORMAT zeigt, welche Produkte jetzt am Markt angeboten werden, und gibt ­einen Überblick über Chancen und Risiken. Die Palette der Investmentmöglichkeiten reicht von Flugzeugen über Schiffe und Immobilien bis hin zu exotischen Themen wie einem brasilianischen Kraftwerk, das Strom aus der Verbrennung von Reisabfällen gewinnt und so dazu beiträgt, die CO2-Bilanz zu verbessern.

Nachhaltige Energie im Trend
Ganz generell ist das Thema nachhal­tige Energiegewinnung derzeit besonders en vogue. Manche Fonds profitieren von fixen staatlichen Förderungen und sind dadurch relativ sicher. Bei der Chorus CleanTech Solar 2 KG investieren Anleger zum Beispiel in mehrere süddeutsche Solarstrom­­anlagen. Chorus-Chef Peter Heidecker: „Die Hersteller von Solarzellen kämpfen zwar derzeit mit Überkapazitäten, das hat aber für die Anlagenbetreiber den Vorteil, dass man Solarmodule deutlich günstiger einkaufen kann. Aufgrund der gesetzlichen Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland bekommen die Anleger momentan trotzdem noch 20 Jahre lang einen hohen Fixpreis von 31,8 Cent pro Kilowattstunde.“ Das Investment ist ab 10.000 Euro möglich und auf 20 Jahre angelegt. Die geplante jährliche Ausschüttung steigt von sechs auf bis zu 35,8 Prozent. Im Schnitt soll eine innere Verzinsung von 8,1 Prozent erreicht werden. Ein etwaiger Verkaufserlös am Ende der Laufzeit der Solaranlage käme noch dazu (Infos unter www.chorus-Gruppe.de ).

Stromgewinnung aus Reishülsen
Beim MPC Bioenergie sind Anleger ebenfalls ab 10.000 Euro dabei. Ihr Investobjekt ist ein brasilianisches Biomassekraftwerk, bei dem Reishülsen zur Stromgewinnung verbrannt werden. Elektrizität ist im Boomland Brasilien Mangelware. MPC-Österreich-Chef Peter Halbschmidt: „Kürzlich hat die brasilianische Regierung sogar verboten, Fußballspiele unter Flutlicht abzuhalten.“ Bis zum geplanten Fondsende im Jahr 2026 winkt den Investoren eine Gesamtausschüttung von rund 250 Prozent des Einsatzes, also etwa 150 Prozent Gewinn. Ein Teil der Erträge soll aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten an Emittenten des Treibhausgases stammen. Das Projekt wird im brasilianischen Real abgewickelt. Halbschmidt: „Die Rendite ist ein Ausgleich für das Währungsrisiko.“ (Infos unter www.mpc-capital.at .)

Anleger als Boeing-Eigentümer
Mit schwankenden Devisenkursen muss ein Großteil der Investoren leben. Praktisch alle Schiffe und Flugzeuge werden im Dollar abgerechnet. Das gilt auch für den Flugzeugfonds 133 von Dr. Peters. Der Boeing-Deal ist auf Basis eines Euro-Dollar-Kurses von 1,55 kalkuliert, aus heutiger Sicht ist also ein Puffer eingebaut. Dafür ist das sonstige Geschäftsmodell relativ sicher. Dr.-Peters-Geschäftsführer Christian-Oscar Geyer: „Alle Kosten für Wartung und Ähnliches sind an den Leasingnehmer ausgelagert, außerdem ist Emirates ein erstklassiger Mieter, der sich für mindestens zwölf Jahre verpflichtet hat. Deswegen sind die Prognosen gut einhaltbar.“ Bisher hätten auch alle sieben früheren Flugzeugfonds plangemäß ausgeschüttet. Im Visier sind jährliche Auszahlungen von sieben Prozent. Das Mindestinvestment ist mit 50.000 Euro relativ hoch. Grund dafür ist, dass sich das Emissionshaus den sonst extra für Österreich zu erstellenden Verkaufsprospekt spart, der über 100.000 Euro kostet. Dadurch ist das Investment ein sogenanntes Private Placement. Der deutsche Prospekt ist aber ausreichend informativ (Infos unter www.dr-peters.de ).

1.000 Euro, breit gestreut
Schon ab lediglich 1.000 Euro ist man beim „Investment Portfolio III Austria“ des Emissionshauses König&Cie. an Bord. Es handelt sich dabei um einen Dachfonds, mit dem man das Kapital in mehrere Investments steckt, darunter etwa 50 Prozent Schiffsbeteiligungen, 25 Prozent Immobilien und 25 Prozent Infrastrukturprojekte. Die Laufzeit ist mit 16 Jahren prognostiziert. König-Österreich-Chef Alexander Knoll: „Durch die breite Streuung ist das Investment besonders sicher.“ Allerdings handelt es sich um einen sogenannten Blind Pool. Die tatsächlichen Investments stehen im Gegensatz zu den meisten anderen Fonds noch nicht von vornherein fest. Möglicher Vorteil: Das Emissionshaus kann günstige Gelegenheiten nutzen (Infos unter www.koenig-cie.at ).

Drum prüfe, wer sich lange bindet…
Anleger sollten vor einem Investment unbedingt zusätzliche Informationen einholen und auch Planungsrechnungen genau auf Plausibilität analysieren. Bei geschlossenen Fonds handelt es sich um echte unternehmerische Beteiligungen. Der Vorteil: Es ist meist transparent festgelegt, wohin das Geld investiert wird. Die Renditen erreichen in erfolgreichen Projekten mitunter zweistellige Niveaus. Außerdem können Anleger Steuervorteile durch grenzüberschreitende Investments lukrieren. Der Haken: Die in den Prospekten in Aussicht gestellten Ausschüttungen sind immer unverbindliche Prognosen. Naturgemäß besonders unsicher sind Annahmen über Verkaufserlöse am Ende der Laufzeit. Nicht einmal das Ablaufdatum der Fonds ist fix. In guten Phasen gelingt es den Emissionshäusern oft, vorzeitig Kasse zu machen, in schwierigen Marktphasen kann sich das Ende verzögern.

Geschäft mit Risken
Läuft das Geschäft schlechter, können die Ausschüttungen reduziert werden oder ganz ausfallen. Im Krisenfall sind sogar die Rückforderung von Ausschüttungen oder der Totalverlust der Einlage möglich. Wichtig ist deshalb, langjährig erfahrenen, renommierten Emissionshäusern zu vertrauen (zu denen die genannten Emittenten gehören). Auch solide konstruierte Fonds können heftigen Marktschwankungen unterliegen. Viele Schiffsfonds sind derzeit in raue See geraten. Durch die Weltwirtschaftskrise sind die Frachtraten unter Druck, selbst ­solide Reeder kämpfen um die Existenz. Dr.-Peters-Geschäftsführer Geyer: „Der Worst Case ist, wenn das Schiff jetzt auf Druck der Banken zur Unzeit verkauft werden muss.“ Dann droht sogar die In­solvenz eines Fonds. Bisher war dies eine seltene Ausnahme. Falls die Krise noch Jahre anhält, können laut Geyer auch solide Fonds gefährdet sein. Unerschrockene ­nutzen jetzt die Situation, besonders ­günstige Schiffe zu kaufen – etwa mit dem HCI Shipping Opportunity ( www.hci-austria.at ).

Von Martin Kwauka

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