Mit Airbag durch die Krise: Total-Return-
Fonds milderten die schlimmsten Verluste

Die Börsenbilanz der vergangenen zehn Monate ist verheerend, einzelne Indizes verloren bis zu 77 Prozent. FORMAT zieht eine Bilanz der wohl desaströsesten zehn Monate, die die ­Finanzwelt je ge­sehen hat, und geht der Frage nach, wie sich die als krisenresistent gepriesenen ­Total-Return-Fonds ­gehalten haben.

Die schlimmste Nachricht gleich vorweg: Österreichische Aktien hat es so heftig erwischt wie außer Irland keine andere westliche Börse. Die Flaggschiffe der ­österreichischen Wirtschaft verloren in den vergangenen zehn Monaten insgesamt 62,7 Prozent. Immofinanz und Mitbewerber erwischte es noch härter: Weltweit ist unter den wichtigen Börsen nur Russland derart stark eingebrochen wie der öster­reichische Immoaktienindex IATX. Dieser Index ist eine Ansammlung von Katastrophenpapieren, die einst gehypte Stars wie Meinl European Land, Immofinanz oder Immoeast enthält und deren Anlagewert sich seit Jahresbeginn um 74,9 Prozent geschmälert hat.

Infizierter Finanzwelt-Körper
Wer dagegen bewusst voll auf Risiko gesetzt hat und sich in Schwellenländer-Titel wagte, hat mit minus 56,3 Prozent sogar um eine Spur weniger abbekommen. Fast nichts, was die Investmentwelt zu bieten hat, wurde heuer verschont. „Alles, was mit Risiko behaftet ist, wurde ­bestraft“, so Pioneer-Austria-Dachfondschef Frank Gans. Und als riskant wird ­inzwischen praktisch alles eingestuft. „Der Körper der Finanzwelt ist infiziert“, diagnostiziert Franz Wilhelm, C-Quadrat-Dachfondschef, den Wertverfall, der wie ein Virus von einer auf die nächste An­lageklasse überspringt.

Die Ritter im Sturm
Angesichts dieser vielen Tiefschläge stellt sich die Frage, wie sich Total-Return-Fonds, die ihren Anlegern zugesagt haben, jedem Börsen­wetter zu trotzen und keine Verluste zu erleiden, gehalten haben. Die Erträge, so das Versprechen, sollen sogar höher ausfallen als auf dem Sparbuch. Tatsächlich haben in diesem Tsunami-ähnlichen Umfeld zumindest eine Hand voll von rund 90 Fonds dieses fast unmögliche Ziel erreicht. Die Voraussetzungen waren denkbar schlecht: Wirklich gut entwickelt haben sich heuer unter den unterschiedlichen Veranlagungsklassen nur Staatsanleihen allerhöchster on wilden Kurssprüngen geprägte Gold.

Gewinner wettet auf EuroStoxx
Der mit Abstand beste Total-Return-Fonds kommt mit dem C-Quadrat Euro Long Short aus Österreich – eine Strategie, die Anlegern heuer ein Plus von stattlichen 9,8 Prozent eingebracht hat. C-Quadrat-Manager Wilhelm Schäfer wettet auf die künftige Entwicklung des europäischen Blue-Chip-Index EuroStoxx. Glaubt er, dass der Markt fällt, setzt er auf tiefere Kurse und umgekehrt. Anleihen und Geldmarktpositionen werden beigemischt. Mit dem Ringturm-Absolute-Return-Fonds ist ein weiterer Österreicher unter den Top-Fünf dieser Kategorie. Der erste Rentenfonds mit Sicherheitsnetz hat die Feuerprobe mit einem Wertzuwachs von 4,8 Prozent bravourös bestanden. Der Trick: Der Fonds nimmt, sobald er fünf Prozent Ertrag erzielt hat, die Gewinne mit und ­sichert sie ab. Dahinter steht zusätzlich ein Trendfolgemodell, das automatisch zwischen Anleihen- und Geldmarktpapieren hin und her wechselt.

Hilflos in rauer See
Trotz dieser Oasen der Geldvermehrung ändert das nichts ­daran, dass mehr als zwei Drittel der Total-­Return-Fonds das Kapital nicht vor Wertverlusten schützen konnten. Im schlimmsten Fall haben diese sogar 28 Prozent verloren. Das Gros blieb aber zumindest unter einem Verlust von zehn Prozent. Von den rund 20 Fonds österreichischer Provenienz haben nur wenige Fonds wie der 3 Banken Absolute Return Mix und der Constantia Absolute nennenswerte Einbußen verbucht. Der 3-Banken-Fonds hat neben Aktien- und Anleihen schwerpunktmäßig auf Gold­minen, Hedgefonds, Immobilien und Rohstoffe gesetzt – keine optimale Ausgangsposition für diese Krise. Der Constantia Absolute, der einstige Dachfonds-Award-Sieger, wurde für seinen hohen Aktien-, Immo und Hedgefonds­anteil gnadenlos abgestraft.

Klassische Theorie fällt um
Der Fonds ist auch ein gutes Beispiel dafür, warum die Sicherungskonzepte derzeit nicht aufgehen. „Die klassische Theorie, dass die breite Streuung in solide Anlage­bausteine vor Kursverlusten schützt, hat ­diesmal nicht funktioniert“, erläutert C-Quadrat-Fondsprofi Wilhelm. Auch Gans sieht wenig Spielraum für Fonds, die mit Diversifizierung und Absicherungsinstrumenten auf stetige Kurszuwächse hoffen. Gans: „Und wer nur auf die besonders gut gelaufenen Anleihen mit langer Laufzeit setzt, lebt ebenfalls gefährlich.“ Außerdem sind diese Papiere längst nicht mehr billig. Aber immerhin brachten stark anleihen­lastige Fonds wie der Absolute Return Mix der Bawag PSK eine Rendite von 5,2 Prozent. Der Gutmann Euro Absolute Return warf 2,1 Prozent ab.

Undurchsichtige Strategien
Generell raten Fachleute angesichts der häufigen Intransparenz der Total-Return-Produkte zur Vorsicht. „Investoren sollten verstehen, was die einzelnen Fonds machen“, betont Kate Hollis, Fondsanalystin von Standard & Poor’s. Viele herkömmliche Verfahren, die vom Börsenklima unabhängige Renditen erzielen wollen, haben zuletzt nicht mehr funktioniert. Jetzt probieren manche Manager, so die Beobachtung der S&P-Analystin, völlig neue Investmentmechanismen aus. „Die Gefahr von Fehlkäufen durch Fondsmanager wird zunehmen“, so Hollis.

Von Anneliese Proissl

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