Mehr Netto für 2008 und 2009: So holen Sie sich Steuern zurück und kassieren Prämien

2008: Wie Sie heuer noch mit ­Werbungskosten und Sonderausgaben Steuern sparen und sich alle ­staatlichen Prämien sichern. 2009: Was die geplante Steuerreform bringt und wie Sie schon heuer reagieren können, um sich möglichst viele ­Abgaben zu ersparen.

Der Finanzminister hat ein Herz für alle, die Silvester etwas zu intensiv feiern: Wer sich am Neujahrsmorgen zur Apotheke schleppt, um den Kater zu bekämpfen, bekommt allfällige Gegenmittel etwas günstiger als im Altjahr. 2009 wird nämlich die Umsatzsteuer auf Medikamente auf zehn Prozent halbiert. Wesentlich stärker dürfte für die meisten aber die Senkung des Lohn- und Einkommenssteuertarifs wirken (siehe auch die Grafik zu den steuerlichen Änderungen 2009).

Durchschnittlich 50 Euro mehr
So schlägt der Fiskus künftig erst bei einem Jahreseinkommen von 11.000 Euro statt bisher ab 10.000 Euro zu. Es bleiben also für jeden Steuerzahler 1.000 Euro zusätzlich steuerfrei. Zwischen 11.000 und 25.000 Euro Jahreseinkommen werden statt 38,3 Prozent „nur“ noch 36,5 Prozent abgezogen. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass auch der reduzierte Wert immer noch Weltrekord für den Eingangssteuersatz darstellt. Insgesamt können Durchschnittsverdiener aber mit rund 50 Euro mehr netto im Monat rechnen, Bezieher von Top-Einkommen mit maximal 112,50 Euro (siehe Fallbeispiele ).

Doppelte Steuerstrategie  
Während die Tarifreform erst im kommenden Jahr wirksam wird, ist es jetzt höchste Zeit, die Steuer­belastung für 2008 zu drücken. Nur wer heuer noch handelt, kann alle Absetzposten voll ausschöpfen und die möglichen Prämien kassieren. Clevere Steuerzahler jonglieren dabei geschickt Einnahmen und Ausgaben zwischen 2008 und 2009 hin und her, bis die Abgabenlast in beiden ­Jahren optimiert ist. Grundsätzlich gilt: Ausgaben bringen heuer mehr. So bekommt ein Normalverdiener pro 100 Euro beruflicher Werbungskosten, die 2008 getätigt werden, 38,30 Euro zurück. Im kommenden Jahr sind es, eine Kehrseite der tieferen Steuersätze, 36,50 Euro. Selbständige können zusätzlich noch versuchen, Einnahmen auf Anfang 2009 zu verlagern. Der Effekt ist besonders stark im Bereich zwischen einem Jahreseinkommen von 51.000 Euro und 60.000 Euro spürbar. In dieser Zone sind nämlich statt bisher 50 Prozent nur noch 43,2 Prozent abzuführen (siehe Grafik ).

136 Euro gespart
Wer bei einem Jahreseinkommen von 55.000 Euro jetzt noch schnell 1.000 Euro Ausgaben auf 2008 vorzieht und 1.000 Euro Einnahmen auf das nächste Jahr verschiebt, erspart sich immerhin 136 Euro. Bei Investitionen ab 400 Euro sollte man allerdings abwägen, ob nicht ein Kauf beziehungsweise genauer gesagt: ein Liefertermin 2009 der bessere Zeitpunkt ist. Im Koalitionsabkommen ist nämlich im Konjunkturpaket eine degressive ­Abschreibung von 25 Prozent für bewegliche Güter geplant. Das würde vor allem die ­Anschaffung von Maschinen oder Büromöbeln begünstigen, für die bisher im Regelfall nur eine AfA von zehn Prozent angewendet ­werden konnte. BDO-Steuerberater Karl ­Bruckner: „Bei Computern ist die beschleunigte ­Abschreibung kein Thema, da diese schon jetzt 25 Prozent pro Jahr betragen kann.“ Mit anderen Worten: Ein Arbeitnehmer, bei dem sich die teureren Investitionen auf PC oder Laptop beschränken, wird vom Konjunkturpaket nicht direkt pro­fitieren.

Zehn Prozent Investprämie kassieren
Fix ist jedenfalls, dass man heuer als selbständiger Einnahmen-Ausgaben-Rech­ner wieder zehn Prozent Investprämie kassieren kann. Das betrifft auch Arbeitnehmer mit selbständigem Nebenjob und auch viele junge Beruftstätige, die auf Honorarnote oder als freie Dienstnehmer beschäftigt sind. Allerdings müssen dafür unbedingt heuer noch entsprechende Anschaffungen getätigt werden. Ab 2010 ist übrigens eine Verbesserung in Sicht: Laut Koalitionsabkommen ist eine Erhöhung der Investprämie auf 13 Prozent geplant. Für Kleinunternehmer mit bis zu 30.000 Euro Jahresgewinn soll dann obendrein die Investitionspflicht entfallen, sie bekommen dann de facto eine Art Sonderzahlungsäquivalent ohne Vorbedingung.

Countdown zum Jahresende
Wie in jedem Jahr ist es heuer wieder wichtig, eine Reihe von Maßnahmen rechtzeitig vor dem Silvesterfeuerwerk abzuschließen. Besonders sinnvoll sind heuer noch berufliche Ausgaben bei allen Arbeitnehmern mit einem kleinen Nebenjob. Bis zu 730 Euro im Jahr (gerechnet nach Abzug aller Werbungskosten) können nämlich steuerfrei dazuverdient werden. Wenn die Honorare aber knapp darüber liegen, ­besteht akuter Handlungsbedarf. Jeder ­zusätzlich verdiente Euro im Bereich ­zwischen 730 und 1.460 Euro wird wegen einer Einschleifregelung zu 100 Prozent weggesteuert. Jede Quittung macht sich also in dieser fiskalischen Todeszone ­doppelt bezahlt.

Alles ausschöpfen
Wer noch Spielraum bei Topfsonderausgaben hat, kann diesen am einfachsten durch den Kauf von Wohnbauanleihen füllen. Angenehmer Zusatzeffekt: Die Papiere sind auch von der KESt befreit. Bei vielen außergewöhnlichen Belastungen ist es sinnvoll, wegen der hohen Selbstbehalte (ungefähr ein Monatsgehalt) Ausgaben in einem Jahr zusammenkommen zu lassen. Deshalb kann es zum Beispiel bei höheren Arzt- oder Zahnarztkosten sinnvoll sein, diese entweder noch heuer zu kumulieren oder möglichst viel auf 2009 zu verschieben.

Hochsaison für Spenden und Bausparprämien
Leider sind nur wenige Spenden abzugsfähig. Eine begünstigte Variante ist zum Beispiel die St. Anna Kinderkrebsforschung. Erlagscheine sind unter anderem bei der Bank Austria erhältlich, zusätzlich gibt es dort für Spender auch noch einen Stoff-Panda als Geschenk. Auch im Jahresendstress sollte man nicht auf die Einzahlungen in den Bausparvertrag und die staatlich geförderte Zukunftsvorsorge vergessen. Bei der Zukunftsvorsorge könnte sich heuer eine Ausschöpfung der geförderten Einzahlung von 2.164 Euro langfristig besonders lohnen: Erstens gibt es (wie auch 2009) 9,5 Prozent Prämie, zweitens investiert man derzeit wegen der tiefen Kurse an der Wiener Börse sehr günstig.

Von Martin Kwauka

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