Mehr Cash trotz Crash

Was ist, wenn die Staatsschuldenkrise ausufert, die Inflation weiter ansteigt und sogar der Euro in Gefahr gerät? FORMAT zeigt, wo die größten Gefahren lauern und wo Sie noch sichere Häfen für Ihr Erspartes finden.

Der Pleitegeier ist eigentlich gar kein Vogel. Vielmehr werden Schuldner, die Gefahr laufen, bankrott zu gehen, im Jiddischen als „Pleite-Geher“ bezeichnet. Daraus wurde im Sprachgebrauch über die Jahre hinweg der Unheil verheißende Geier. Egal ob Unglücks-Vogel oder Pleite-Geher, die Angst vor einem Staatsbankrott der europäischen Peripherieländer grassiert weiter.

Derzeit wird auf europäischer und internationaler Ebene händeringend um eine tragbare Lösung für den Schuldnerstaat Nummer eins, Griechenland, gesucht. Die angespannte Lage in Portugal, Spanien, Irland und Italien macht die Entscheidungsfindung für die Entschärfung des Dilemmas auch nicht leichter. Jenseits des großen Teichs tobt außerdem der Streit um eine weitere Erhöhung der Obergrenze der US-Staatsschulden. Nun droht sogar eine 70-jährige Ära zu Ende zu gehen. Seit 1941 ist die Kreditwürdigkeit des amerikanischen Staates von der Ratingagentur Standard & Poor’s mit der Bestnote AAA versehen. Jetzt wackelt die Top-Note, dachten doch Mitte Juli die Experten von Standard & Poor’s ebenso wie die Kollegen der Ratingagentur Fitch erstmals laut über eine Herabstufung der USA nach, sollte die Schuldenlatte nicht bis spätestens 2. August erhöht werden.

Antworten auf 30 Kernfragen

Anleger müssen derzeit einen Mehrfrontenkrieg führen. Sie haben abzuwägen, wo das Ersparte überhaupt noch sicher ist und welche Spielarten bei der Geldanlage noch sinnvoll sind, speziell wenn die Inflation noch stärker ansteigen sollte als erwartet. Zusätzlich stellen sich die Fragen, ob der Kauf von Gold ausreichend Sicherheit bietet, ob Sparbücher und Aktien die bessere Wahl sind oder ob doch ein Investment in Immobilien günstiger ist. FORMAT gibt Antworten auf die 30 zentralen Fragen der Geldanlage und analysiert, welche Szenarien Investoren berücksichtigen müssen, damit der Pleitegeier am Ende nicht auch noch über den eigenen Ersparnissen kreist.

Szenario 1 – Schulden steigen gebremst

Laut einer aktuellen Analyse der Deutschen Bank werden tiefe Einschnitte nötig sein, um ein weiteres Ausufern der Verschuldung der weltweiten Industrieländer bis 2020 zu verhindern. Im Basisszenario geht das Institut davon aus, dass es über fiskalpolitische Maßnahmen gelingen kann, dass die Schuldenlast der etablierten Länder bis Ende des Jahrzehnts auf durchschnittlich 126 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigt. Das wäre zwar deutlich mehr als Ende 2010, als die Relation von Bruttoinlandsprodukt BIP zu Staatsschulden noch bei 104 Prozent lag. Das ist aber immerhin deutlich weniger als im zweiten Szenario, das die Bank skizziert. Selbst das günstigere Szenario bedeutet eine lange Periode der Unsicherheit und anhaltende Turbulenzen an den Kapitalmärkten.

Szenario 2 – die Konsolidierung scheitert

Wenn die Bemühungen um die Reparatur der Staatsfinanzen misslingen, weisen die Berechnungen darauf hin, dass die Schulden der Industriestaaten im Fall des Scheiterns der Konsolidierungspläne auf über 150 Prozent anschwellen könnten. Welche Auswirkungen gar ein Zerfall der Eurozone hätte, ist derzeit noch schwer abschätzbar. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen und scheitert am Ende sogar der Euro als Gemeinschaftswährung, müssen sich Anleger rechtzeitig vorher mit dem Gedanken anfreunden, in andere Währungen wie etwa die norwegische Krone zu gehen und rechtzeitig in Gold oder Immobilien zu investieren. Auch wenn man nicht an den großen Crash glaubt, sollte man zumindest Teile des Vermögens auf Nummer sicher anlegen.

Szenario 3 – die Inflation beschleunigt sich

Die Teuerungsrate erreichte in Österreich wegen der hohen Benzin-, Energie- und Nahrungsmittelpreise im Juni 3,3 Prozent, nach Euro-Messmethode sogar 3,7 Prozent. Zumindest für 2012 gibt die US-Bank Goldman Sachs Entwarnung und sieht einen Rückgang der Teuerungsrate in der Eurozone auf 1,9 Prozent. Dennoch geht weiter das Inflationsgespenst um. Sollte die Teuerung letztlich doch höher ausfallen, sind Staatsanleihen nicht nur wegen der Schuldenproblematik eine schlechte Wahl. Falls die Zinsen steigen, ist mit entsprechenden Kursverlusten zu rechnen (siehe Frage 13 ).

Bei Aktien richtet eine moderate Inflation kaum Schaden an. Viele Unternehmen können in diesem Umfeld sogar Preise und damit Gewinne erhöhen. Erst wenn sich die Preisspirale schneller zu drehen beginnt wie etwa in den 1970er-Jahren, sind Rückschläge wahrscheinlich. Wie sich in der Geschichte mehrmals zeigte, ist Gold keine sichere Bank gegen galoppierende Inflation (ab Frage 6 ).

Szenario 4 – externe Schocks

Die Entwicklung der Weltwirtschaft hängt am Gängelband von China. Das Reich der Mitte gilt als der Motor der Weltkonjunktur. Allerdings kann sich das rasch ändern, falls dort eine Immobilienblase platzt, die Inflation ausufert oder gar die politische Lage außer Kontrolle gerät. Aus heutiger Sicht ist nicht auszuschließen, dass sich ein möglicher Crash der Festland-Börse in Hongkong wie ein Lauffeuer rund um den Globus ausbreitet. Welches dieser Szenarien letztlich zur Realität wird, kann derzeit niemand sagen. Anleger sind gut beraten, ihre jetzige Veranlagung auf alle denkbaren Möglichkeiten zu überprüfen und so breit zu streuen, dass das Geld auch im größten Schock weitgehend erhalten bleibt – und sich im besten Fall sogar kräftig vermehrt.

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– Robert Winter, Martin Kwauka

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