Matt Siddle: "Es gibt immer noch Banken mit guten Bilanzen"

Matt Siddle, seit 1. Juli neuer Fondsmanager des Fidelity European Growth, über seine Pläne, das Flaggschiff wieder auf gewinnträchtigen Kurs zu bringen.

FORMAT: 2006 war der Fidelity European Growth mit einem Volumen von rund 23 Milliarden Euro einer der größten Fonds überhaupt. Aktuell liegen dort nur noch 6,5 Milliarden Euro, offensichtlich deshalb, weil der Fonds zuletzt nur noch durchschnittlich lief. Litt die Fonds-Entwicklung unter dem riesigen Volumen?

Matt Siddle: 2006 fungierte noch Graham Clapp als Fondsmanager. Obwohl der Fonds damals sehr groß war, hat er recht gute Erträge erzielt. Ich glaube nicht, dass das Volumen zu groß war.

FORMAT: Sie haben den bisherigen Fondsmanager Alexander Scurlock offiziell am vergangenen Montag als Chefinvestor des Fidelity European Growth Fund abgelöst. Wie lange dauert es, bis der Fonds nach Ihren Vorstellungen bestückt ist?

Siddle: Ich bin bereits seit mehreren Monaten beim Management des Fonds involviert, bis zum Jahresende wird die Umstellung abgeschlossen sein.

FORMAT: Der von Ihnen seit Oktober 2010 gelenkte, aber nur 189 Millionen Euro große Fidelity European Larger Companies stieg inzwischen um insgesamt 16,7 Prozent, während der Fidelity European Growth im gleichen Zeitraum nur 1,5 Prozent zulegte. Lässt sich dieser Mehrertrag auch mit viel größeren Volumen erzielen?

Siddle: Mein Anlageprinzip ist auch mit einem zweistelligen Milliarden-Volumen umsetzbar.

FORMAT: Werden Ihre beiden Fonds künftig gleich gemanagt oder sogar ganz zusammengelegt?

Siddle: Es wird eine Konvergenz erfolgen, also eine schrittweise Annäherung an den Larger Companies. Beide Produkte bleiben aber weiter bestehen.

FORMAT: Was werden Sie anders machen als der bisherige Fondsmanager Alexander Scurlock?

Siddle: Mein Vorgänger legte besonderen Wert darauf, makrostrategische Schwerpunkte zu setzen. So wurden zum Beispiel Aktien bevorzugt, die besonders von Geschäften in den Schwellenländern oder der Stärke der deutschen Wirtschaft profitierten. Bei mir steht dagegen primär die Auswahl der einzelnen Unternehmen im Fokus.

FORMAT: Was heißt das konkret?

Siddle: Ich kaufe Aktien von Qualitätsunternehmen mit speziellen Merkmalen wie starken Marken oder einem technologischen Vorsprung zu attraktiven Preisen. Ich verbinde Qualität mit einem Geschäftsmodell, das nachhaltig hohe Cashflows erzeugt und den Unternehmen erlaubt, organisch zu wachsen und sich langfristig Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Auch Dividendenzahlungen, Aktienrückkäufe und sinnvolle Akquisitionen können durchaus nützlich sein. Bei Unternehmen, die sehr große und teure Akquisitionen machen, bin ich skeptisch. Größer ist nicht immer besser.

FORMAT: Wie wichtig ist eine günstige Bewertung einer Aktie, etwa ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), für Sie?

Siddle: Ein kurzfristig tiefes KGV einer Aktie hat für mich nicht oberste Priorität. Eine Idealsituation liegt vor, wenn ein Qualitätsunternehmen attraktiv bewertet und auch der mittel- bis langfristige Ausblick positiv ist.

FORMAT: Was heißt das konkret?

Siddle: Die Aktie der britischen Bekleidungskette Next weist ein 12-Monats-KGV von 11,8 auf. Im direkten Vergleich ist das Papier des spanischen Bekleidungskonzerns Inditex, zu dem bekannte Marken wie Zara zählen, mit einem geschätzten KGV von 23,8 teuer. Aber Next erzielt geringe Margen, leidet unter Wachstumsschwäche und der großen Konkurrenz von Internet-Anbietern. Dagegen ist Inditex global tätig, hat seine Absatzmärkte bis nach Russland und China erweitert, erzielt hohe Margen und ein organisches Wachstum im zweistelligen Prozentbereich. Letztlich ist das Risiko-Ertrags-Verhältnis der Inditex-Aktie eindeutig besser.

FORMAT: Banken sind derzeit ein heißes Eisen und werden von vielen Investoren gemieden. Wie reagieren Sie?

Siddle: Es gibt noch immer Aktien von Banken mit guten Bilanzen, guter Eigenkapitalausstattung und hoher Liquidität. Die britische HSBC wird diesen Bedingungen gerecht. Auch die Schweizer UBS hat die Bilanzstruktur in den vergangenen vier Jahren deutlich verbessert. Die Dividendenzahlungen sind gut, die Größe des Handelsbuchs der Bank wurde nennenswert verringert, und die Kapitalausstattung ist dramatisch besser geworden.

FORMAT: Welche Aktien sind im European Larger Companies Fund prominent vertreten und könnten damit auch in den European Growth Fund gelangen?

Siddle: Im Moment sind Aktien von Royal Dutch Shell, Sanofi, WPP, Danone, HSBC, der BG Group, Vodafone, Roche und UBS hoch gewichtet.

FORMAT: Wie attraktiv sind europäische Aktien momentan?

Siddle: Europäische Aktien sind sehr günstig bewertet. Das durchschnittliche 12-Monats-KGV ist so tief wie seit etwa 25 Jahren nicht mehr. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist nahe an einem 30-Jahres-Tief. Die mittlere Dividendenrendite ist deutlich größer als die Rendite von Staatsanleihen der Eurozone.

FORMAT: Was passiert, wenn die Konjunktur in Europa einbricht?

Siddle: Ich sehe gute Chancen bei global aufgestellten Unternehmen, die auch außerhalb von Europa erfolgreich sind. Roche oder SAP erzielen rund die Hälfte des Gewinns in den USA, BMW ist in China erfolgreich. Rund die Hälfte der Profite europäischer Konzerne resultiert bereits aus Geschäften außerhalb Europas.

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