Lebensversicherung: FORMAT verrät, wie viel Ihre Assekuranz Ihnen ausbezahlen wird

Die Gewinnbeteiligung sinkt bei den meisten Lebensversicherungen unter vier Prozent. FORMAT zeigt, welche Assekuranzen am kräftigsten kürzen und was das für die künftigen Auszahlungen bedeutet.

Er- und Ablebensversicherungen haben einen unbestreitbaren Vorteil: Das Guthaben kann niemals fallen, sondern nur steigen. Das heißt aber nicht, dass die Finanzkrise spurlos an diesem Vorsorge-Klassiker vorübergeht. Mit dem Jahreswechsel hat der Großteil der Assekuranzen die Gewinnbeteiligung kräftig reduziert. Erstmals sinkt die Verzinsung auf breiter Front unter vier Prozent. Laufende Polizzen entfernen sich dadurch noch stärker als bisher von den ursprünglich vor Jahren abgegebenen Prognosen zur Vermögensentwicklung. Wer eine neue Polizze abschließen will, ist ebenfalls ­betroffen, weil ab sofort deutlich tiefere Auszahlungssummen in Aussicht gestellt werden. FORMAT erhob, wie sich die Zinssätze der einzelnen Versicherungen entwickelt haben und mit welchen Auszahlungssummen künftig zu rechnen ist.

Verzinsungstendenz: fallend
Schon seit einigen Jahren zeigt der Trend bei der Gewinnbeteiligung nach unten. Seit dem Höhepunkt in den frühen Achtzigerjahren, als die ­Assekuranzen acht Prozent pro Jahr gutschrieben, ist die Verzinsung mit kurzen Erholungspausen auf Abwärtskurs. Ab 2003 sanken die Sätze infolge der dramaligen Börsenkrise erstmals unter fünf Prozent, 2010 sind selbst vier Prozent nur noch bei wenigen Instituten zu lukrieren.
Die Hauptursache für die langjährige Entwicklung sind die sinkenden Zinsen für Staatsanleihen. Seit dem Maximum im Jahr 1981, als die Durchschnittsrendite von Bundesanleihen kurzfristig 10,6 Prozent erreichte, ging es unter heftigen Schwankungen steil bergab. Die Assekuranzen glätteten zwar diese Entwicklung, können sich ihr aber nicht erziehen. Heuer kommen ähnlich wie im Jahr 2003 die Spätfolgen der Börsen­turbulenzen dazu.

Bandbreite von 3,25 bis 4,375 Prozent
Auffällig ist, dass die Sätze für die Gewinnbeteiligung nach den jüngsten, meist Ende Dezember getroffenen Beschlüssen weit auseinanderklaffen. So zahlt die Grazer Wechselseitige heuer noch 4,375 Prozent und hat kürzlich beschlossen, diesen Satz auch 2011 konstant zu lassen. Generali, Österreichische Beamtenversicherung (ÖBV) und Zürich schreiben immerhin noch einen glatten Vierer gut. Generali-Vorstand Peter Thirring: „Wir können uns das leisten, weil wir im Jahr 2009 eine sehr gute Anlagepolitik verfolgt haben.“ Die Allianz geht von 4,25 auf 3,50 Prozent zurück, die Wiener Städtische hat Ende 2009 die Gewinnbeteiligung noch kräfti­ger von bisher 4,5 Prozent auf 3,25 ­Prozent gesenkt (siehe Tabelle ) .

­Bonus­renten müssen Federn lassen
Bei Raiffeisen, Uniqa und Wüstenrot werden die Beschlüsse erst im Frühjahr 2010 getroffen. Im Uniqa-Konzern, wo bisher noch ein Vierer vor dem Komma steht, gehen geht man intern von einer ­bevorstehenden Senkung aus. Besonders hart bekommen diese Entwicklung die Bezieher sogenannter ­Bonus­renten zu spüren. Bei dieser Spezialform einer Privatrente ist die Anfangspension besonders hoch, weil die Tarife ursprünglich mit bis zu fünf Prozent Gewinnbe­teiligung kalkuliert waren. Das Problem: Da sich die Verzinsung immer weiter vom Normsatz entfernt, werden die Auszahlungen spürbar gekürzt. Versicherungsmathematiker Helmut Holzer: „Bei einem Rückgang der Gewinnbeteiligung um ein halbes Prozent ist mit einer Kürzung der Auszahlungen um fünf bis sieben Prozent zu rechnen.“ Je nach Gesellschaft wird der Abschlag schon jetzt im Jänner wirksam oder erst im Laufe des Jahres zum jeweili­gen Abschlusstag des Vertrages.

Reduzierte Ablaufprognosen
Die Senkung der Gewinnbeteiligung wirkt sich auch auf die prognostizierten Ablauf­leistungen von Er- und Ablebensversicherungen aus, die heuer erst abgeschlossen werden. Ein 30-jähriger Mann, der 20 ­Jahre lang 100 Euro im Monat einzahlt, bekommt am Ende laut den Prognosen zwischen 28.037 Euro (Wiener Städtische) und 32.782 Euro (Grazer Wechselseitige) ausgezahlt. Die Werte für gleichaltrige Frauen unterscheiden sich nur unwesentlich. Allerdings handelt es sich bei diesen Werten nur um unverbindliche Prognosen, die sich im Laufe der Jahre noch ziemlich ändern können. Steigt die Gewinnbeteiligung der Städtischen im Schnitt um ein Prozent, werden 31.339 Euro fällig, geht sie um ein Prozent zurück, sinkt die Auszahlung auf 25.079 Euro.

Fix ist nur die Mindestauszahlung
Wirklich fix ist nur die garantierte Mindestauszahlung, die auch der Höhe des Versicherungsschutzes im Ablebensfall entspricht. Da alle Institute mit 2,25 Prozent Garantiezins kalkulieren, sind die Unterschiede gering und spiegeln vor allem unterschiedliche Kosten wider. Auffällig: Im Beispiel entspricht die Gesamtsumme der eingezahlten Prämien von 24.000 Euro ziemlich genau der garantierten Mindestauszahlung. Für Allianz-Vorstand Manfred Baumgartl bleibt die klassische Er- und Ab­lebensversicherung trotzdem attraktiv: „Es gibt keine Vorsorge mit einer derart harten Garantie, dass einmal erreichte Höchststände nicht wieder verloren gehen können. Außerdem schlägt man im Allgemeinen langfristig die Inflation und kassiert noch einen kleinen Zusatzertrag.“

Wann kommt die Trendwende?
Allianz-Vorstand Baumgartl rechnet damit, dass die Renditen künftig weiter steigen: „Wir füllen jetzt wieder unsere Reserven auf. Wenn das passiert ist, sehe ich keinen Grund, warum die Gewinnbeteiligung nicht wieder steigen sollte.“ Nachsatz: „Falls es die Kapitalmärkte zulassen.“ Ähnlich argumentiert Josef Adelmann, Chef der Bank Austria Versicherung: „Wenn nichts Besonderes passiert, gehe ich in den nächsten drei Jahren bei uns von Werten zwischen 3,625 und 4 Prozent aus.“

Martin Kwauka

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