Künftig soll der Franken nicht mehr über das neue Limit von 1,20 steigen

Das hatten selbst langjährige Devisenexperten noch nicht erlebt. Als die Schweizer Nationalbank am Dienstag ankündigte, die eigene überbewertete Währung zu schwächen und künftig einen Kurs von mindestens 1,20 Franken pro Euro um jeden Preis zu verteidigen, war an den Währungsmärkten Feuer am Dach. Binnen weniger Minuten schoss der leidgeprüfte Euro von einem Kurs von 1,11 auf über 1,20 Franken in die Höhe.

Jeder Währungshändler weiß nämlich genau, dass die eidgenössischen Zentralbanker sehr volle Taschen haben, um ihr selbst gesetztes Kursziel durchzusetzen. Auch wenn weiter zig Milliarden an Krisenwährungen ins Land strömen, garantiert die Schweiz den festgesetzten Umtauschkurs. Schließlich druckt sie dann im Gegenzug einfach Schweizer Franken in beliebiger Menge – zumindest theoretisch.

In der Praxis gleicht die Taktik einem All-in beim Pokern und könnte langfristig durchaus scheitern. Es besteht zum Beispiel die Gefahr einer Inflationsanfachung – wovon die Schweizer Wirtschaft derzeit jedoch meilenweit entfernt ist. Im Augenblick droht eher eine Deflation, also ein Preisrückgang samt Konjunktureinbruch denn eine spürbare Teuerung.

Aufatmen in Österreich

Für alle, die ihre eigenen vier Wände mittels Franken-Kredits finanzieren, kommt die staatlich verordnete Frankenschwäche gerade recht. Wer Schulden im Ausgangsbetrag von 100.000 Euro ausständig hat, erzielte diese Woche einen Kursgewinn von fast 9.000 Euro. Der Haken: Eigentlich ist es kein echter Gewinn, sondern nur eine Reduktion der in den vergangenen Monaten erlittenen Verluste.

Solange die Kursgarantie der Schweizer hält, können sich alle Kreditnehmer entspannt zurücklehnen. Der Franken kann im besten Fall sogar weiter in Richtung der tatsächlichen Kaufkraft fallen, also auf Niveaus von 1,40 oder sogar 1,50 Franken pro Euro. Auch wenn der Kurs nur an der Garantieschwelle verharrt, wäre das noch kein Malheur. Die Schweizer Zinsen sind so tief, dass sich die Immobilie angesichts der hohen Inflation fast von selbst finanziert. Auch Yen-Schuldner könnten jetzt überlegen, in den Franken zu wechseln.

Trotzdem sollte man das unverhoffte Geschenk nicht einfach einkassieren. Es ist anzuraten, wenigstens die Zinsersparnis zu nutzen und entweder den Kredit schneller zurückzuzahlen oder den Tilgungsträger aufzustocken.

Finanzierungsfachmann Gerhard Massenbauer traut aber der Kursgarantie nicht: „Es kommt die Zeit, in der man mit Verstand aus dem Franken aussteigen kann und in einen Euro-Kredit mit Zins-Cap umsteigt.“ Erste-Bank-Experte Reinhard Aumann drängt sogar zu raschem Handeln. Er lockt wechselwillige Kunden mit 10-jährig fixierten Euro-Zinsen von 3,75 Prozent und einem Verzicht auf die Konvertierungsspesen.

– Martin Kwauka

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