Konsum nach Plan: Das Fünfjahreskonzept der Regierung holt Börse aus der Flaute

China ist die Wachstumsregion Nummer eins der Welt. Die Börse litt aber heuer unter den Maßnahmen zur Konjunkturdämpfung. Der neue Fünfjahresplan holt die Börse wieder aus der Flaute.

So ändern sich die Zeiten: Einst war das südchinesische Dorf Huaxi noch von Reisfeldern geprägt und hatte bei den Banken 25.000 Euro Schulden. Mit dem Bau der ersten kleinen Fabrik im Jahr 1969 begann der spektakuläre Aufstieg. Heute ist das Dorf das reichste in China und besitzt über 60 Unternehmen im Wert von drei Milliarden Euro. Ein Drittel der Gewinne werden an die Bewohner ausgeschüttet, was in der Praxis gar nicht so einfach ist. Agnes Deng, Fondsmanagerin des Baring Hong Kong China, die im Sommer Huaxi besuchte: „Das Wohnen und die medizinische Versorgung sind schon seit längerem für alle kostenlos. Angesichts der übervollen Gemeindekasse hat man heuer kurzerhand beschlossen, jedem Dorfbewohner ein halbes Kilogramm Gold zu schenken.“

Steigender Massenwohlstand  

Auch wenn Huaxi ein extremer Ausnahmefall ist, steigt auch der Wohlstand eines durchschnittlichen Chinesen rasant. Derzeit verdienen Fachkräfte um zehn Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Und wenn es nach dem Willen der Regierung in Peking geht, könnten die Löhne bald noch rascher steigen. Im Entwurf für den neuen Fünfjahresplan, der Anfang 2011 beschlossen wird, soll der Inlandskonsum zum Haupttreiber des Wirtschaftswachstums werden und damit den Exportsektor ablösen. Damit will die mächtige Regierung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Erstens soll die wachsende Unzufriedenheit mit den extremen Unterschieden zwischen Reich und Arm gedämpft werden, die schon zu zahlreichen lokalen Streiks geführt haben. Diese wurden nicht zuletzt durch den Fall Foxconn angeheizt, einem der größten Elektronikhersteller der Welt mit taiwanischer Mutter, der in China Hunderttausende Menschen beschäftigt und unter anderem das iPhone von Apple und die Nintendo-Spielkonsolen produziert. Baring-Expertin Deng: „Nach einer Welle von Selbstmorden wurden die Gehälter der niedrigen Lohngruppen auf einen Schlag verdoppelt.“ Um nicht die Kontrolle über diese Lohnforderungen zu verlieren, plant die Regierung jetzt kräftige Zuwächse für alle Arbeitnehmer ein.

Zweitens soll auch das Tempo des Wirtschaftswachstums möglichst gleichmäßig verlaufen. Seit 2000 war es gelungen, das Wachstum mit relativ kleinen Schwankungen um die zehn Prozent im Jahr pendeln zu lassen. Doch in der Finanzkrise spürte China in vielen Exportindustrie-Branchen massive Absatzrückgänge. Nur ein schnelles Umschwenken auf eine Förderung des Inlandsabsatzes verhinderte ­einen echten Einbruch der Konjunktur. Durch den neuen Fünfjahresplan soll diese Entwicklung in geordnete Bahnen gelenkt werden.

Das schon im Herbst 2008 rasch beschlossene Krisenpaket hatte nämlich einige unerwünschte Nebenwirkungen: Unter anderem wurde die Kreditvergabe so stark gelockert, dass ein extremer Immobilienboom ausgelöst wurde. In Shanghai und Peking kosten Wohnungen inzwischen schon an die 2.000 Euro pro Quadratmeter und liegen damit auf dem Niveau vieler europäischer Städte. Kurzerhand trat die Regierung auf die Bremse, um die Spekulation zu dämpfen, und verschärfte die Regeln, wie viel Eigenkapital die Käufer vorweisen müssen. Für die erste Wohnung sind mindestens 30 Prozent erforderlich, der Kauf einer Drittwohnung darf nur noch vollständig bar bezahlt werden.

Die Börse erwacht wieder  

Für die An­leger sind das durchaus positive Nach­richten. Lange Zeit standen chinesische Ak­tien heuer unter Druck, weil viele Anleger Angst haben vor einem Platzen der Immobilienblase und einem neuerlichen Wirtschaftseinbruch in den USA, Chinas wichtigstem Exportpartner. Doch jetzt springt das Interesse an chinesischen ­Aktien, die heuer zu den weltweit schlechtesten gehörten, wieder an. Baring-Fondsmanagerin Deng: „Seit Einzelheiten über den neuen Fünfjahresplan bekannt sind, haben die Aktionäre endlich wieder Klarheit, wohin sich China entwickeln wird.“ In den vergangenen drei Monaten sind China-Aktien, die lange unter Wasser lagen, bereits um 7,3 Prozent gestiegen.

Das ist erst der Anfang einer abseh­baren Phase von noch höheren Kurssteigerungen. Der Immobilienmarkt, so Thomas Gerhardt, Schwellenland-Aktienchef der Fondsgesellschaft DWS, sei nämlich wesentlich gesünder als der Ruf bei europäischen Anlegern: „Wohnungen in Städten aus der ersten Reihe wie Shanghai sind sicher teuer, aber immer noch günstiger als zum Beispiel in Warschau oder Mexico City.

In vielen anderen Millionenstädten im Hinterland kosten Wohnungen noch 500 Euro pro Quadratmeter und sind damit auch für gehobene Durchschnittsverdiener leistbar.“ Auch die Experten von Goldman Sachs erwarten keinen Immobiliencrash und sehen jetzt für Aktionäre wieder Licht am Ende des Tunnels. Für heuer rechnet Goldman Sachs mit einem Wirtschaftswachstum von 10,1 Prozent, im kommenden Jahr mit 10,0 Prozent. Eine weitere gute Nachricht: Da die Unternehmen ihre Gewinne weiter steigern, sind China-Aktien inzwischen günstig zu haben. Baring-Fondsmanagerin Deng: „Die Aktien, die in Hongkong notieren und von westlichen Fondsgesellschaften einfach gekauft werden können, notieren auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,4 auf Basis der ­geschätzten Gewinne in den kommenden 12 Monaten. Im Herbst 2007 musste man ein KGV von 24,2 bezahlen.“

China solo oder im Kombipack. Wer in China-Fonds investiert, sollte zwischen Produkten nur für China-Aktien und Grea­ter-China-Fonds unterschieden, die auch Unternehmen aus Taiwan oder Hongkong halten. Die in der Volksrepublik geborene Deng setzt im Baring Hong Kong China zu 95 Prozent auf Aktien ihres Mutterlandes: „Dort gibt es langfristig ganz eindeutig die besten Wachstumschancen.“ Noch liegen allerdings heuer die Greater-China-Produkte vorn – vermutlich nicht mehr lange.

Martin Kwauka

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