Kantersieg für Deutschland beim
Steuermatch gegen Österreich

FORMAT vergleicht die neue Vermögenszuwachssteuer für Wertpapiere mit der 2009 in Deutschland eingeführten Abgeltungssteuer.

Bei der österreichischen Wertpapierbesteuerung werden die Karten völlig neu gemischt. Das Sparpaket der Regierung sieht vor, dass ab 2011 mit Einführung der Vermögenszuwachssteuer bisher steuerfreie Gewinne, die Wertpapiere abwerfen, mit 25 Prozent KESt belastet werden.

Bereits Anfang 2009 kam es in Deutschland mit dem Start der sogenannten Abgeltungssteuer für private Kapitalerträge zu einer ähnlichen Neuregelung. PwC-Steuerexperte Thomas Strobach: „Viele Deutsche blickten Anfang 2009 neidvoll nach Österreich. Da war die Welt der heimischen Kapitalertragssteuer noch heil. Nun gibt es viele Punkte, weshalb die deutsche Abgeltungssteuer für dortige Anleger im Detail deutlich günstiger ist als die österreichische Vermögenszuwachssteuer.“

FORMAT vergleicht wesentliche Punkte der heimischen und der deutschen Regelung und zeigt, dass das Match Österreich gegen Deutschland bei der Besteuerung von Kapitalerträgen eindeutig zu Ungunsten heimischer Anleger ausgeht.

1. Verluste verfallen

PwC-Experte Strobach: „Während der österreichische Staat an den Gewinnen immer mitschneiden wird, schränkt er dies bei Verlusten ohne Hemmungen ein.“ Wer in einem Jahr 5.000 Euro Verlust realisiert, bleibt darauf sitzen. Werden im nächsten Jahr 5.000 Euro Gewinn erzielt, werden 25 Prozent Wertpapier-KESt fällig. In Deutschland können dagegen Verluste, die nicht bereits im gleichen Jahr mit positiven Einkünften aus Kapitalvermögen gegenverrechnet werden können, zeitlich unbeschränkt in Folgejahre vorgetragen werden und wirken dann steuermindernd. 1:0 für Deutschland.

2. Verluste aus Aktien und Derivaten

Eine weitere Gemeinheit ist die Zwei-Töpfe-Regel: In Österreich dürfen Verluste aus Aktien nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden beziehungsweise Verluste aus Anleihen nur mit Gewinnen aus Zinspapieren. Ein Verlustausgleich zwischen den beiden Töpfen ist nicht möglich. Bleiben in Deutschland bei Aktien unterm Strich Gewinne übrig, können diese mit Verlusten aus den anderen Kapitaleinkünften gegengerechnet werden. 2:0 für Deutschland.

3. Verlustgutschrift

In Österreich zieht die Bank die neue KESt auf Kursgewinne sofort ein. Gutschriften für Verluste kann man erst verzögert in der Steuererklärung geltend machen. In Deutschland werden Verluste gleich über die Bank angerechnet. 3:0 für Deutschland.

4. Zeitdruck

In Deutschland wurde den Banken und Fondsgesellschaften bei Einführung der Abgeltungssteuer bis zu zwei Jahre Zeit zur Umsetzung gegeben, um die EDV entsprechend zu programmieren. Österreich geht forscher zur Sache, die Vermögenszuwachssteuer startet schon in sechs Wochen, ab Juli wird die erste KESt schon fällig. 4:0 für Deutschland.

5. Freibeträge

In Österreich wird man ab dem ersten Euro Kursgewinn zur Kasse gebeten. Etwaige Kosten oder Spesen dürfen nicht abgezogen werden. Das kann sogar Kinder treffen, die ein kleines Fondsdepot besitzen. In Deutschland entlastet dagegen ein pauschaler Abzugsbetrag von 801 Euro im Jahr insbesondere die kleinen Anleger und Sparer. 5:0 für Deutschland.

6. Fondsbesteuerung

Die geplanten Neuerungen sehen vor, dass in Österreich auf zwei Ebenen zugegriffen wird: Erstens werden Kursgewinne, die innerhalb eines Fonds durch Verkäufe erzielt werden, jährlich besteuert. Zweitens wird zusätzlich für diejenigen Kursgewinne, die noch nicht innerhalb des Fonds aufgedeckt wurden, beim Verkauf der Fondsanteile KESt kassiert.
Das bedeutet ein außerordentlich komplexes Doppelverfahren, das für Fondsgesellschaften sehr hohe Kosten verursacht.

In Deutschland werden dagegen nur die ordentlichen Erträge, im Wesentlichen also die Nettozinsen und -dividenden, laufend jährlich besteuert. Kursgewinne werden nur zu dem Zeitpunkt besteuert, wenn der Anleger Kasse macht. In der Praxis ist das nicht nur einfacher zu rechnen, sondern kann auch eine jahrelange Stundung der Steuern bewirken. PwC-Experte Strobach: „Das Verfahren bringt Fonds in Österreich gegenüber anderen Kapitalanlagen einen klaren Wettbewerbsnachteil. Anleger werden tendenziell in Anlageformen ausweichen, die nicht der Vermögenszuwachssteuer unterliegen. Dazu zählen etwa Edelmetalle oder Immobilien.“ 6:0 für Deutschland.

Fazit

Die deutschen Anleger zahlen auch, aber das Verfahren ist viel kundenfreundlicher. Für PwC-Steuerberater Thomas Strobach sind die geplanten Neuerungen nur aus einer ironischen Sichtweise ein großer Wurf: „Der Wurf geht aber leider in die falsche Richtung. Der ohnehin bereits geschwächte österreichische Kapitalmarkt wird in Zukunft noch weiter belastet.“

– Robert Winter

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