Kampf der Giganten: Die schwersten Fonds der Welt

Kampf der Giganten: Die schwersten Fonds der Welt

Wie weit leidet die Rendite der größten Aktienfonds unter ihrem gewaltigen Volumen? FORMAT analysiert die mächtigen Flaggschiffe und interviewt den neuen Manager des Fidelity European Growth Matt Siddle.

Gute Sumoringer sind wirklich erstaunliche Sportler: Am Anfang des Kampfes stehen die japanischen Nationalhelden behäbig auf der Matte, um dann blitzschnell den Gegner zu attackieren und zu besiegen. Wer dafür zu schwerfällig ist, fällt rasch ins Mittelfeld zurück. So manchem Superschwergewicht unter den Aktienfonds scheint es ähnlich zu gehen. Einst wurden sie dank ihrer herausragenden Renditen förmlich mit Geld zugeschüttet, heute sind sie nur noch ein Schatten ihrer selbst.

So ist der Klassiker unter den Weltaktienfonds, der Templeton Global Growth, mit einem Gesamtvolumen von 14 Milliarden Euro derzeit nur noch Mittelmaß. Auch ein mehrmaliger Wechsel des Fondsmanagers brachte keinen durchgreifenden Erfolg. In den vergangenen 60 Monaten erzielte der Fonds auf Eurobasis ein Minus von insgesamt 17,4 Prozent. Zum Vergleich: Im Durchschnitt kamen globale Aktienfonds mit einem Verlust von acht Prozent über die Runden. Kommentar des aktuellen Fondsmanagers Norman Boersma: "Die vergangenen fünf Jahre waren schlecht für Anleger mit einem Value-Ansatz, wie ihn Templeton verfolgt. Aber wir sind optimistisch, dass sich der Wind zugunsten von Value-Aktien drehen kann und sich unsere derzeitige Depotzusammensetzung auf lange Sicht auszahlen wird.“

Fidelity will Flaggschiff flottmachen

Immer weniger Anleger sind indes bereit, geduldig auf Besserung zu warten, und ziehen ihr Geld von träge gewordenen Fonds-Dinosauriern ab. So lagen im Europaaktienfonds Fidelity European Growth vor sechs Jahren noch 23,5 Milliarden Euro, heute sind es nur noch 6,5 Milliarden. Fidelity hat jetzt auf die Ertragsschwäche reagiert und das Fondsmanagement am 1. Juli an den 34-jährigen Matt Siddle übergeben. Er will den European Growth künftig nach derselben Strategie führen, die schon bei seinem bisherigen Fonds Fidelity European Larger Companies erfolgreich war. Seit Siddle dort im Oktober 2010 das Zepter übernahm, legte der Fonds 16,7 Prozent zu, während der Fidelity Growth nur 1,5 Prozent gewann. Siddle ist sich sicher, das neu übernommene Flaggschiff selbst dann auf Kurs zu halten, wenn das Volumen wieder stark ansteigt: "Mein Anlageprinzip ist auch mit einem zweistelligen Milliardenvolumen umsetzbar (siehe Interview ).

Groß und erfolgreich zugleich

In der Tat zeigen zahlreiche andere Fonds-Schwergewichte, dass sie trotz ihres gigantischen Volumens weiter erfolgreich sind. Zwar haben sie wegen der Größe einer Kauforder Schwierigkeiten, kleinere viel versprechende Nebenwerte ins Depot zu legen. Dieser Nachteil wird aber oft durch ein großes Managementteam wieder wettgemacht, das auch Unternehmen in entlegenen Ländern vor Ort besuchen kann. Ein Beispiel stammt sogar aus dem Hause Templeton. Der Altmeister der Schwellenland-Börsen, Mark Mobius, hat mit dem 13,3 Milliarden Euro schweren Templeton Asian Growth in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 15,8 Prozent Gewinn erzielt, während vergleichbare Asienfonds im Schnitt knapp in die roten Zahlen gerieten.

Auch bei der Nummer eins der weltweit anlegenden Schwellenland-Aktienfonds, dem Aberdeen Global Emerging Markets, wahrt der Fonds dank der beständigen Qualität von Fondsmanager Devan Kaloo weiter einen Respektabstand vor der breiten Masse der Emerging-Markets-Konkurrenz. Die Beispiele zeigen, dass es oft weniger auf die Größe des Fonds ankommt als vielmehr auf den Manager. Stellt dieser die Weichen weiter richtig, ist auch ein steigendes Volumen kein ernstes Problem. So liefern die Aufsteiger unter den Weltaktienfonds, der Carmignac Investissement und der DWS Top Dividende, auch jenseits von sieben Milliarden Euro Volumen beständige Mehrerträge. Der DWS-Fonds zeigt, dass es nicht ganz stimmt, dass konservative Value-Strategien in den vergangenen Jahren benachteiligt waren. Der aggressiver geführte Carmignac-Fonds machte aus 10.000 Euro, die im Juni 2007 investiert wurden, bis heute 11.290 Euro. Der DWS Top Dividende liegt mit seiner defensiven Orientierung auf ausgereifte, defensive Aktien im gleichen Zeitraum mit 11.110 Euro nur knapp dahinter.

Leiden unter dem Zustrom

Der BlackRock World Mining, der Bannerträger der Rohstoffaktien-Fonds, scheint dagegen tatsächlich unter der schieren Größe zu leiden. Selbst die Konkurrenten erkennen neidlos an, dass das Londoner Rohstoff-team von BlackRock herausragend agiert. Allerdings führt das gewaltige Volumen, das zusammen mit ähnlichen Fondsmandaten schon eine Größenordnung von über 40 Milliarden erreicht, dazu, dass das Geld immer schwerer in einer einzigen Branche platziert werden kann. Vor allem das Geschäft mit kleinen Minen, die im Falle einer Übernahme durch Großkonzerne stark im Kurs steigen, bleibt den BlackRock-Rohstoffexperten zunehmend verwehrt. Fazit: Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an.

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