Jetzt Schulden machen? Wenn, dann nur mit vorher festgelegten, fixen Zinssätzen

Falls die Inflation wieder explodieren sollte, könnten Schuldner profitieren. Aber nicht mit variablen Zinsen.

Mit Hunderten Milliarden wird weltweit versucht, die Banken zu retten und die Konjunktur vor dem völligen Absturz zu bewahren. Pessimisten glauben, dass die riesigen Geldsummen, die derzeit in das Finanzsystem ­gepumpt werden, früher oder später zu einem starken Anstieg der Inflation, ja sogar zu einer einschneidenden Geldentwertung führen müssen. Da stellt sich natürlich die Frage: Sollte man nicht jetzt kräftig Schulden machen und dann hoffen, dass sich der Kredit in einer ­Hyperinflation quasi von selbst tilgt? Schließlich waren auch beim Währungsschnitt im Jahr 1925 diejenigen auf der Gewinnerseite, die Immobilien oder ihr Unternehmen auf Pump mit ­einem damals üblichen Fixzinssatz von etwa sechs Prozent finanziert hatten – sie waren über Nacht die Schulden los.

Unwahrscheinliches Szenario
Es ist allerdings extrem unwahrscheinlich, dass uns wieder eine Hyperinflation bevorsteht. Dazu zwei Szenarien: Japan hat zur Bekämpfung der Immobilien- und Bankenkrise des Jahres 1990 die Staatsschulden auf atemberaubende 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verdreifacht. Trotzdem kann dort selbst 19 Jahre nach dem Crash keine Rede von einer Teuerungswelle sein. Im Gegenteil: Zinsen und Inflation dümpeln nach wie vor an der Nulllinie herum. Und viele Immobilien sind immer noch weit vom ehe­maligen Kaufpreis entfernt. Deutlich anders entwickelte sich die Situation nach der Ölkrise 1973. Es kam tatsächlich zu einem kräftigen Inflationsschub. Allerdings schnellten auch die Zinsen entsprechend in die Höhe. Der Satz, zu dem sich Banken damals Geld auf eine Drei-Monats-Frist ausborgten, erreichte 1981 im Höhepunkt 11,5 Prozent (siehe Grafik ). Inklusive Verdienstspanne der Banken mussten damals Schuldner bester Bonität 13,1 Prozent Zinsen pro Jahr zahlen. Das heißt: Der ­reale Wert der Schulden blieb gleich, nur die Zinslast stieg in oft existenzbedrohende Dimensionen.

Variabelverzinste Kredite
Das galt für alle variabel verzinsten Kredite, die damals wie heute dominierten. Gewinnen konnte nur, wer sich rechtzeitig Fixzinsen gesichert hatte. So blieb der Zinssatz für Bauspardarlehen auch in der Hochzinsphase bei konstant sechs Prozent. Allerdings musste man damals jahrelang warten, bis man so ein konkurrenzlos billiges Darlehen zugeteilt bekam. Das heißt: Nur mit langjährig fixierten Fixzinsen, etwa durch zehnjährig fixierte Bankdarlehen oder durch Bausparen, könnte man potenzieller Gewinner einer steigenden Inflation werden. Heute kann zwar der Bauspar-Darlehenszinssatz in einer Bandbreite schwanken, die Obergrenze liegt aber nach wie vor bei sechs Prozent. Die Kassen könnten theoretisch diese Vertragsbedingung ändern. In der Praxis ist das nahezu ausgeschlossen. Raiffeisen-Bauspar-Chef Erich Rain­bacher: „Wir werden da sicher nicht eingreifen, weil dann der Staat die Bausparprämie streichen würde.“

Von Martin Kwauka

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