Investment: Der Rohstoff-Rodeo
Öl ist auf Talfahrt, Gold reagiert stabiler

Während Öl einen Preisverfall hinnehmen muss, konnte Gold zuletzt wieder als Krisenwährung punkten. FORMAT analysiert, welche Chancen Rohstoffinvestments haben.

Ausverkaufte Goldene Philharmoniker bei nachgebenden Goldnotierungen, extremer Preisverfall bei Öl und anderen Rohstoffen. Seit die Finanzkrise voll durchschlägt, haben sich die lange vielversprechenden Rohstoffe als extrem risikoreiche Anlageklasse erwiesen. Haben die niedrigen Rohstoffpreise bereits einen Boden gefunden? FORMAT hat bei Experten nachgefragt, welche Chancen sie dem Schwarzen Gold und dem gelben Edelmetall einräumen.

Krisenfestes Edelmetall
Auch wenn das Gold derzeit weit vom Rekordhoch im März 2008 von über 1.000 Dollar pro Unze entfernt ist, bedeutet der aktuelle Preis von 862 Dollar immer noch einen Anstieg von 36 Prozent seit Anfang 2006 ( Grafik ). Trotzdem hat sich der Kurs im historischen Vergleich nicht dramatisch erhöht. Pioneer-Austria-Goldexperte Alfred Grusch: „Wenn man sich die Goldpreise inflationsbereinigt anschaut, liegen wir weit unter den Ständen der 80er-Jahre.“ Die aktuelle Kreditklemme könnte den Goldpreis wieder anheizen. Viele kleine und mittlere Minenunternehmen müssen Projekte stoppen oder verzögern, weil es keine Finanzierung für sie gibt. Das hat zur Folge, dass viel weniger neue Goldminen in Betrieb gehen werden als ursprünglich geplant. Und die Ergiebigkeit alter Minen sinkt. Das könnte mittelfristig den Preis zu neuen Rekorden treiben. Außerdem spricht die Stabilität für Gold. RBS-Rohstoffexperte Pedram Payami: „Gold war 2008 weniger volatil als andere Rohstoffe und konnte seinen Wert für Anleger relativ konstant halten.“

Philharmoniker oder Fonds
Wer sich für ein Goldinvestment entscheidet, kann zwischen physischem Gold, Zertifikaten und Minenaktienfonds wählen. Grusch: „Goldene Philharmoniker sind ab etwa 630 Euro zu haben. Ich empfehle außerdem kleine, handelbare Goldmengen in 100- bis 200-Gramm-Barren.“ Auch mit Zertifikaten wie dem Gold Open End der RBS (ISIN DE0008593419) kann man direkt von steigenden Goldnotierungen profitieren. Bei den Goldminenfonds ist der BlackRock World Gold (ISIN LU0055631609) ein bewährtes Produkt, allerdings reagieren Fonds wesentlich stärker auf Preisschwankungen als Goldmünzen. Der Fonds verlor 2008 aus Euro-Sicht 31 Prozent, konnte aber im Dezember wieder 14 Prozent zulegen. Über zehn Jahre bleibt die Wertentwicklung mit insgesamt plus 421 Prozent spektakulär.

Gestoppte Förderprojekte
Auch bei der Ölförderung führt die Finanzkrise zu einem Stopp vieler geplanter Projekte. Durch die niedrigen Ölpreise (siehe Grafik ) sind einige Vorhaben bereits an der Rentabilitätskippe. US-Ölexperte Stephen Schork: „Damit die Produktionsländer kostendeckend Öl fördern können, benötigen sie einen OPEC-Preis von mindestens 40 Dollar pro Barrel. In Saudi-Arabien wird der Breakeven-Point bei einem Ölpreis zwischen 38 und 40 US-Dollar erreicht. In Venezuella sind es zwischen 60 und 70 Dollar, und der Iran braucht sogar einen Ölpreis von 90 Dollar, um rentabel zu fördern.“ (siehe auch Interview )

OPEC kämpft gegen Preistief
In der Ölbranche will man dem tiefen Ölpreis mit Kürzungen der Fördermenge entgegenwirken. Bei der letzten OPEC-Sitzung wurde eine Senkung der Ölförderung von drei Millionen Barrel pro Tag beschlossen – diese ist aber nicht zwingend vorgeschrieben, sondern basiert auf freiwilliger Basis. Bislang zeigt die OPEC-Maßnahme jedenfalls noch keine Wirkung. Viele Staaten sind auf die Einnahmen so dringend angewiesen, dass sie nicht kürzen wollen. Schork: „Saudi-Arabien ist das einzige Land, das über genügend freie Öl-Kapazitäten verfügt, um die OPEC-Forderung umzusetzen. Ich würde in den nächsten zwölf Monaten nicht auf steigende Ölnotierungen setzen.“

Von Carolina Burger

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