Investieren wie die Wall Street-Profis

Warren Buffett besitzt ein Vermögen von rund 50 Milliarden US-Dollar. Der Inder Mohnish Pabrai kopierte seine Anlagestrategie und ist bereits 50 Millionen Dollar schwer. FORMAT zeigt, wie auch Sie von ihren Regeln profitieren.

Investieren wie die Wall Street-Profis

Nein, Warren Buffett sitzt nicht den ganzen Tag vor dem Computer. Er braucht auch keine Excel-Tabellen, um die richtigen Aktien auszuwählen. Und wer in seinem Büro nach blinkenden Schirmen mit Aktiencharts Ausschau hält, wird enttäuscht werden. In seinem Office gibt es weder einen Computer noch einen Kalender, der voller Termine ist. Alles, was er zum Anlegen braucht, findet er in den Geschäftsberichten, die er seit seinem 18. Lebensjahr akribisch durchforstet. So kannte er etwa die IBM-Bilanzen der vergangenen Jahre, bevor er sich die Papiere des Technologieriesen letztes Jahr ins Depot legte.

Das Gute daran ist, dass einige Buffett-Regeln nicht nur erlernbar, sondern auch leicht bei der eigenen Aktienauswahl umzusetzen sind. FORMAT zeigt, wie Sie die wichtigsten 13 Regeln für Ihren Aktienkauf nutzen können.

Copy and Paste

Das beste Beispiel dafür, dass "Copy and Paste“ nicht nur am Computer funktioniert, ist Investor Mohnish Pabrai. Seit dem Jahr 1999 studierte der clevere Inder die Buffett-Investments. Er analysierte Tops und Flops und entwickelte daraus eine Checkliste , an die er sich beim Aktienkauf stets hält (siehe Kasten rechts). Dann legte er den Pabrai-Fund auf, der fast exakt der Buffett Partnership Investmentgroup entsprach.

Seine Strategie ging auf. Heute zählt Pabrai mit einem Vermögen von rund 50 Millionen Dollar zu den wohlhabenden Amerikanern. Bis zum Jahr 2007 konnten sich Investoren, die Pabrai ihr Geld anvertrauten, über eine jährliche Rendite von 30 Prozent freuen. Robert Karas, Leiter der Vermögensverwaltung bei der Schoellerbank, hat den Inder kürzlich bei der Jahreshauptversammlung des Pabrai-Fonds in Chicago getroffen: "Checklisten sind für Pabrai wichtig, weil er damit Fehler vermeidet. Er kam auf die Idee, weil im Flugbetrieb solche Kontrollmechanismen schon seit zig Jahren die Sicherheit enorm erhöhen. “

Der Vorteil ist, dass Anleger so nicht nur das Unternehmen besser kennenlernen, sondern auch Stärken und Schwächen auf einen Blick sehen. So lassen die Profis Investments außen vor, wenn etwa Wachstum nur über Übernahmen möglich ist oder wenn sich die Vorstände nicht am Konzern beteiligen. Denn nur wenn das Management Aktien des eigenen Unternehmens hält, können Investoren mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass ihre Interessen vertreten werden.

Nur acht Aktien pro Jahr

Weil die meisten Papiere der Checkliste nicht standhalten, kauft Pabrai pro Jahr nur drei bis acht Aktien. Sowohl Buffett als auch Pabrai investieren also nach dem Motto: Nicht kleckern, sondern klotzen. Warren Buffett rät Anlegern: "Konzentrieren Sie Ihre Investments, denn wenn Sie über einen Harem mit 40 Frauen verfügen, lernen Sie auch keine richtig kennen.“ Für Buffetts Investment-Companion Charlie Munger etwa bieten sogar drei Aktien eine genügend große Diversifikation.

Tatsache ist jedoch: Wer nur auf ein oder zwei Titel setzt, fährt ein hohes Risiko. Irren ist menschlich, und wer bei diesen ein oder zwei Positionen falsch liegt, kann eine böse Überraschung erleben. Besser ist es für Privatinvestoren, zusätzlich den Arche-Noah-Ansatz von Warren Buffett zu beherzigen. Das Depot sollte aus Aktien verschiedener Branchen, Rohstoffen und Anleihen bestehen, die sich ergänzen, aber eben unterschiedlich auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren. Nur so kann das Risiko so gut wie möglich minimiert werden. Neben den "nackten Fakten“ hilft es auch, sich auf den eigenen Hausverstand zu verlassen, also nur in Konzerne zu investieren, deren Geschäftsmodell man versteht.

Zudem kaufen die Profis niemals, wenn der Kurs von Aktien bei einem Höchststand notiert. Buffett etwa verkaufte kürzlich Aktien von Kraft Foods und Johnson & Johnsen. Anstelle der bereits gut gelaufenen Titel halten die Profis Ausschau nach ausgebombten Sektoren. Pabrai hat derzeit rund 160 Millionen Dollar, also ein Viertel seines Fondsvermögens, in Bankaktien, darunter Bank of America und Citigroup, investiert. Buffett setzt ebenfalls auf ein amerikanisches Kreditinstitut. Regelmäßig schlägt er bei der Bank Wells Fargo zu.

50 Prozent Rabatt

Wenn Pabrai einsteigt, sucht er Aktien, deren Kurs 50 Prozent unter dem inneren Wert notiert. Fündig wurde er etwa neben seinen Banktiteln beim Autohersteller General Motors. Neben Kriterien der Checkliste spricht für den Kauf, dass amerikanische Autos im Schnitt elf Jahre alt sind und deswegen demnächst in großem Stil Neuwagen gekauft werden müssten. Auch die Kfz-Verkaufszahlen haben sich noch nicht von der Finanzkrise 2008 erholt. Für Pabrai war schließlich der Aktienkurs von General Motors so offensichtlich billig, dass es für ihn klar war, hier zu investieren.

Übrigens: Der richtige Ausstiegszeitpunkt ist für Pabrai dann erreicht, wenn sich der Kurs der Aktie wieder 90 Prozent an den inneren Wert angenähert hat. Wer Pabrais Investmentstrategie im Detail nachlesen will, wird in seinem Buch "Der Dhandho Investor - So funktioniert Value-Investing auf Indisch“ fündig. Auch Schoellerbank-Aktienchef Karas hat sich Pabrai als Vorbild genommen. Die Checkliste liegt bereit, künftig will er nur noch Investments tätigen, die ihr standhalten.