Invesco-Österreich-Chef Thomas Kraus im FORMAT-Interview

Invesco-Österreich-Chef Thomas Kraus glaubt, dass speziell die europäischen und asiatischen Börsen Erholungspotenzial bergen.

FORMAT: Seit Jahresanfang hat der Wind an den Börsen gedreht. Aus Sicht eines Euro-Anlegern waren bereits zweistellige Gewinne möglich. Handelt es sich dabei nur um ein Strohfeuer?

Kraus: : Die Börsen geben ein starkes Lebenszeichen von sich, weil Großanleger aus Renditegründen nach sinnvollen Alternativen suchen und deshalb wieder in Aktien investieren. Die Erträge sicherer Staatsanleihen sind einfach zu gering, um die Ziele institutioneller Anleger zu erfüllen. Auch bei Unternehmensanleihen ist die Luft für gute Erträge schon dünn geworden. Dagegen liegt bei vielen Aktien die Dividendenrendite deutlich über dem Ertrag von Staatsanleihen. Für Aktien spricht auch, dass die weltweiten Börsen nach den teils hohen Kursverlusten vom Vorjahr sehr günstig bewertet sind. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis europäischer Aktien – ausgenommen Papiere der Börse London – bewegt sich auf einem tiefen Niveau wie in den 1970er-Jahren.

FORMAT: Der jüngste starke Börsenaufschwung datiert aus dem Frühjahr 2009, obwohl auch damals die Unsicherheit groß war. Glauben Sie, dass sich die Geschichte nun wiederholt? Ist der Startschuss zu einer Börsenrallye gefallen?

Kraus: : Bis Ende des Vorjahres war die Verunsicherung von Aktieninvestoren sehr groß. Der Pessimismus gegenüber den Börsen ist in den ersten paar Wochen 2012 zwar gesunken, dennoch glaube ich nicht, dass bereits morgen eine fulminante Aktienrallye beginnen wird. Aber klar ist: Speziell europäische Aktien sind reif für eine deutliche Erholung.

FORMAT: Warum just Aktien der europäischen Börsen, wenn gerade der Alte Kontinent angesichts der Schuldenkrise nicht aus den Schlagzeilen kommt?

Kraus: : In den Depots von internationalen Großanlegern ist die Gewichtung europäischer Aktien sehr gering und liegt nahe dem Allzeit-Tief von Anfang 2009. Im direkten Vergleich mit der Bewertung amerikanischer Aktien sind europäische Titel so billig wie seit 1979 nicht mehr. Das spiegelt sich auch in der Marktkapitalisierung wider. So sind die Aktien des Ölmultis Exxon sowie der Computerkonzerne Apple und Microsoft gemeinsam mehr wert als die deutsche, die Schweizer oder die französische Börse. Alleine Apple-Aktien haben einen größeren Marktwert als die gesamte italienische Börse.

FORMAT: Welche Börsen bergen abgesehen von Europa Chancen auf steigende Kurse?

Kraus: : Obwohl Europa-Aktien die Favoriten unseres Analystenteams für das Gesamtjahr 2012 sind, weisen die Prognosen auch auf gute Chancen mit Papieren aus den USA und aus Asien hin.

FORMAT: Welche Anlagetipps haben Sie für die Teilnehmer des Anlegerspiels Börseprofi 2012?

Kraus: : Dividendenstarke Aktien sollten ebenso zum Zug kommen wie internationale Blue Chips. Bei mittelgroßen oder gering kapitalisierten Aktien lohnt sich der Einstieg wegen das höheren Risikos derzeit nicht. Anleger, die defensiv in das Anleger spiel starten wollen, sollten vermögensverwaltende Fonds wie den Invesco Risk Allocation Fund beimischen, der das Geld flexibel in Aktien, Anleihen und Rohstoffe investiert. Wer vor höherem Risiko nicht zurückscheut, kann zu Aktienfonds greifen, die in asiatische Aktien investieren.

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