Indien-Anleger brauchen langen Atem:
Sensex hat Dreijahrestiefststand erreicht

Die Terroranschläge in der Finanzmetropole Mumbai bringen Indien zurück ins Rampenlicht. Anleger brauchen im 1,1-Milliarden-­Menschen-Staat vor allem Gelassenheit und Zeit.

Dichtes Gedränge am Markt von Mumbai, Menschenmassen schieben sich voran. Ein alltägliches Bild in der ehemals Bombay genannten indischen Finanzmetropole – wäre da nicht die Unsicherheit in den Blicken der Menschen. Doch die Terrorattacke der vorletzten Woche mit 180 Toten hat, so scheint es, keinen Einfluss auf die hyperaktive 18-Millionen-Stadt. Geschäfte und Schulen werden wieder besucht, auch die Börse Mumbai hatte bereits zwei Tage nach Ausbruch des Terrors aufgesperrt.

Gelassenheit statt Panik
Wer mit verheerenden ­Kursausschlägen rechnete, wurde eines Besseren belehrt. Die Gelassenheit, mit der die Börse auf die Anschläge reagierte, ist typisch für ­Indien. Anleger, die hier investieren, ­brauchen nämlich einen langen Atem. Vor allem jetzt, da der asiatischen Wachstumslokomotive wieder einmal Sand ins Getriebe gestreut wurde. Und das zu einem Zeitpunkt, wo sich die indische Konjunktur ohnehin abschwächte und die hohe ­Inflation von 8,8 Prozent den Konsum drückt.

IT-Branche unter Druck
Die Auswirkungen der Terroranschläge werden der aufstrebenden Wirtschaftsmacht allerdings wenig anhaben können, ausländische Investoren könnten aber temporär vergrault werden. Die Börse verlor seit dem Höchststand im Jänner 2008, als der Sensex – der Index der größten 30 indischen Unternehmen – 20.873 Punkte erreichte, 58 Prozent (siehe Grafik ). Auf Eurobasis erreicht der Verlust sogar 62 Prozent, in Dollar gerechnet sind es sogar 67 Prozent. Constanze Fay, Fondsmanagerin des Espa Stock Brick (Isin AT0000506324): „Besonders IT-Unternehmen haben unter der 25-prozentigen Abwertung der Rupie zum Dollar gelitten. Viele dieser Unternehmen generieren erhebliche Umsätze in Dollar.“

BRIC-Aufstieg eingebremst  
Noch vor einem Jahr galten die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China als neue Hoffnungsträger, die rasanten Wachstumszahlen der Schwellenländer begeis­tern Investoren. Dann kam die US-Hypothekenkrise und dämpfte die Euphorie. Schließlich wird in Krisenzeiten auf­grund des höheren Risikos als Erstes Geld aus Schwellenländern abgezogen. Die Wirtschaft des 1,1-Milliarden-Menschen-­­Staa­tes blieb allerdings, mit Ausnahme von IT- und Textilbranche kaum export­getrieben, relativ verschont. Die mangelhaften Rohstoffvorkommen machen den Sub­kontinent aber stark von Importen ab­hängig. Edward Pulling, Fondsmanager des JF India (Isin LU0058908533): „Der ­Ölpreis zehrte heuer an den Kräften der jungen Wirtschaft. Allerdings hat Indien eigene Gas- und Ölfelder entdeckt, die man kommerziell fördern will. Die starke Abhängigkeit von Importen wird so ­re­duziert.“

Reservepolster
Das Land besitzt zudem mit 283 Milliarden Dollar ein großes Polster an Fremdwährungsreserven. Auch das ­geschätzte Wirtschaftswachstum von 6,3 Prozent für 2009 ist im Vergleich zur ­erwarteten Rezession in Europa und den USA immer noch hoch. Constanze Fay hat Indien in ihrem Brick-Fonds mit etwa zehn Prozent untergewichtet. Fay: „Indien stellt sich oft selbst ein Bein. Für ausländische Inves­toren ist es etwa durch die restriktive Gesetzgebung immer noch schwierig, dort Geschäfte zu machen. Im Mai 2009 sind zudem Wahlen. Die unsichere Zeit davor bringt mehr Volatilität an die Börse.“

Konsum und Pharma  
Historisch gesehen waren durch Wahlen bedingte Ausverkäufe bis jetzt immer ein guter Kaufzeitpunkt. Fay: „Der Sensex hat einen Dreijahrestiefststand erreicht. Für langfristige Investoren, die im Fünfjahreszeitraum denken, könnte es bereits jetzt interessant werden.“ Der Fondsmanagerin gefallen Titel aus der Konsum- und Pharmabranche wie Nestlé und Unilever, die lokale Töchter in Indien haben, die separat an der Börse gelistet sind. Bei den Pharmawerten sieht sie Generikahersteller wie Ranbaxy in Front. ­Dass sich langfristige Investments in Indien auszahlen, zeigt der AB India Growth Fonds (LU0252216485) von AllianceBernstein, der in fünf Jahren 84 ­Prozent erwirtschaftete, während der JF India von JPMorgan im gleichen Zeitraum 45 Prozent generierte. Auch der Sensex hat mit einem Plus von 211 Prozent auf Rupiebasis auf zehn Jahre noch genug ­Puste für einen erneuten Anstieg.

Von Ingrid Krawarik

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