"In diesem Sommer ist es soweit"

Griechenland wird die Eurozone mit aller Wahrscheinlichkeit verlassen, und das möglicherweise bereits im kommenden Monat. Zu dieser Einschätzung ist John Taylor, Gründer und Chef der Hedgefondsfirma FX Concepts, in einem Interview mit Bloomberg News gekommen.

Seiner Meinung nach dürfte der Regierung in Athen schon bald das Geld ausgehen, während Europa dem finanziell schwer angeschlagenen Land zur selben Zeit den Geldhahn zudrehe. “In diesem Sommer ist es soweit”, sagte Taylor. “Die Europäer werden ihnen das Geld nicht geben, der Internationale Währungsfonds (IWF) wird ihnen kein Okay geben. Das Geld wird im Juni alle sein.”

Die Troika aus EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds (IWF) sagt ihre für Mitte Mai geplante Mission in Athen bereits ab, vermeldete die "Süddeutschen Zeitung" am Mittwoch unter Berufung auf informierte Kreise. Man müsse die demokratische Entwicklung in Griechenland abwarten, hieß es zur Begründung. Gleichzeitig zog EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy ein für Ende Mai geplantes Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs auf den 23. Mai vor, hieß es weiter. In Griechenland werde eine zweite Parlamentswahl immer wahrscheinlicher. Schon jetzt ist als neuer Wahltermin der 17. Juni im Gespräch.

“Ich glaube, viele Leute sehen im Austritt der Griechen nicht so schlimme Konsequenzen”, sagte Taylor. Sollten sie die Eurozone wirklich verlassen, dann werde sich “Europa umdrehen” und die Frage stellen: “wie können wir Portugal und Spanien helfen?”. Auch diese beiden Länder in der Peripherie Europas haben finanzielle Schwierigkeiten.

Von den 266 Mrd. Euro an griechischen Schulden treten bei etwa 73 Prozent oder 194 Mrd. Euro die Europäische Zentralbank, Regierungen der Eurozone oder der Internationale Währungsfonds als Gläubiger auf, zeigen Daten der griechischen Schuldenagentur in Athen. Im Jahr 2010, also vor den ersten Finanzhilfen, hatten die Griechen etwa 310 Mrd. Euro an Schulden - und die Gläubiger kamen damals ganz aus dem Privatsektor.

Stimmen für Euro-Austritt mehren sich

Auch andere Beobachter halten einen Austritt der Griechen aus der Eurozone durchaus für ein realistisches Szenario. Jedoch sind sie nicht so felsenfest davon überzeugt, wie es Hedgefonds- Gründer Taylor ist. So schrieb Malcolm Barr, Chefvolkswirt für Großbritannien bei JPMorgan, in einer Notiz am Dienstag, dass die Wahrscheinlichkeit eines Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr als 50 Prozent betrage. Bevor eine solche Entwicklung eintrete, rechnet Barr mit folgenden Schritten: Zunächst die Bildung einer Regierung in Athen, die “maximale Nachverhandlungen” beim Rettungspaket für das Land fordere. Im Zuge dieser Verhandlungen könne ein Punkt erreicht werden, an dem die Regierung ein Ausscheiden aus dem Euroraum als beste Option ansehe.

“Merkel befindet sich in einer Position, in der sie die Griechen nicht mehr zu sehr dazu drängen kann, zu bleiben. Gleichzeitig ist sie nicht in der Lage, ihnen einfach mehr Geld zu geben”, sagte Taylor. “Ich glaube letztlich auch daran, dass der Euro effektiv vor einem Auseinanderbrechen steht.”

Bloomberg/hahn

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