In der Pensionsfalle

In der Pensionsfalle

Am besten hat’s ein fix Angestellter mit Pensionsversicherung“ lautete ein Lied des populären Komponisten Hermann Leopoldi nach der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre.

Bei den staatlichen Pensionen hat sich daran bis heute nicht viel geändert. Ehemals angestellte Frauen und Männer bekommen mehr Rente als Arbeiter, Selbständige oder Bauern. Auch wenn in Zukunft das Gefälle zwischen den einzelnen Gruppen aufrecht bleibt, ist so gut wie sicher, dass alle künftig den Gürtel enger schnallen müssen. Ulrich Schuh, Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria: "Die staatliche Pension wird ab 2030 um 25 Prozent sinken. Über kurz oder lang schafft nur ein beitragsorientiertes System, bei dem der Staat die für den Pensionsaufbau getätigten Sparguthaben verwaltet, Abhilfe gegen eine vielfach drohende Altersarmut.“

Das Schreckensszenario von bedürftigen Rentnern ist in Deutschland gerade ein heißes Thema, seit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen vorrechnete, dass ein Durchschnittsverdiener, der 35 Jahre lang im Monat 2.500 Euro brutto kassierte, im Jahr 2030 nur noch 668 Euro Pension bekäme. Zwar gibt es in Deutschland großzügige Steuerförderungen für private Zusatzpensionen, nur werden diese gerade von Wenigverdienern kaum genutzt.

Stichwort Pensionssparen: Seit 2003 haben rund 1,6 Millionen Österreicher einen Vertrag zur staatlich geförderten Zukunftsvorsorge unterschrieben. Just bei dieser Variante zum Aufbau einer privaten Zusatzpension gibt sich Finanzministerin Maria Fekter knausrig. Sie hat heuer den Rotstift angesetzt und die Prämie auf 4,25 Prozent halbiert. Noch schwerer wiegt, dass sich die Politik bisher nicht dazu durchringen kann, die an akuter Ertragsschwäche laborierende Zukunftsvorsorge zu sanieren.

Stiefkind Zukunftsvorsorge

So wurde ein gemeinsamer Vorschlag von Versicherungen und Fondsanbietern, die Vorsorge zu reparieren, Mitte September vom Finanzministerium abgeschmettert. Kern des Vorschlags war einerseits auf Wunsch der Versicherungen ein Entfall der Mindestaktienquote. Damit soll künftig verhindert werden, dass die Kunden mit extrem hohen Garantiekosten belastet werden, die einen Großteil der Erträge aufzehren. Andererseits sollte Kunden eine neue Variante ohne garantierte Mindestauszahlung zur Wahl angeboten werden, was vor allem die Fondsbranche für sinnvoll hält. Ihr Argument: In einem jahrzehntelangen Ansparprozess sei eine Garantie unnötig.

Versicherungen und Fondsbranche sind verärgert über die erste pauschale Ablehnung des Reparaturvorschlags durch das Finanzministerium. Dietmar Rupar, Generalsekretär des Fondsverbandes VÖIG: "Angesichts der enormen Höhe der momentanen Garantiekosten ist es unverständlich, dass vonseiten der Politik keine rasche Lösung angestrebt wird.“ Nachsatz: "Und ausgerechnet die Bürgerlichen, die sich an sich für die private Vorsorge starkmachen, treten auf die Bremse.“

Auf FORMAT-Anfrage signalisiert die Koalition doch Verhandlungsbereitschaft. Finanzstaatssekretär Andreas Schieder: "Die Zukunftsvorsorge sollte durch Strukturreformen effizienter werden. Der Vorschlag der Versicherungswirtschaft, die Mindestaktienquote zu verringern, ist durchaus eine Überlegung wert. Bei einer Reform wäre es aber auch sinnvoll, über eine zwingende Verrentung und eine Deckelung der Förderhöchstgrenzen nachzudenken.“ So könnte zum Beispiel die Prämie bei neuen Verträgen nur noch auf Beträge bis zu 1.000 Euro im Jahr gezahlt werden.

Gregor Schütze, Sprecher von Finanzministerin Maria Fekter, spricht ebenfalls von neuer Gesprächsbereitschaft, lässt aber durchblicken, dass vor allem die garantielose Variante wenig Anklang findet.

Lebens-Verunsicherung

Nicht nur die Zukunftsvorsorge wirft weniger ab als ursprünglich erwartet, auch die klassischen Lebensversicherungen sind unter Druck. Zwar haben laut Nationalbank Privathaushalte per Ende des ersten Quartals Lebensversicherungsansprüche in Höhe von rund 69 Milliarden erworben. Problem dabei: Die allgemeine Anspannung an den Märkten für sichere Staatsanleihen und das deutlich gesunkene Renditeniveau schlagen sich bereits seit längerer Zeit in der Verzinsung der Lebensversicherungspolizzen nieder.

Lag die Gesamtverzinsung in den 90er-Jahren noch durchwegs über sechs Prozent, erfolgte bis heuer im Extremfall ein Rückgang auf drei Prozent. Auch die Garantieverzinsung ging von vier Prozent auf bald nur noch 1,75 Prozent zurück. Wie stark sich der Rückgang der Verzinsung bei der Auszahlung niederschlägt, hat der deutsche Bund der Versicherten errechnet, wobei diese Zahlen auch auf Österreich übertragbar sind. So wurde zum Beispiel einem einst 30-jährigen Mann, der ab 1992 in eine Lebensversicherung mit 35 Jahren Laufzeit und monatlichen Raten von 150 Euro ansparte, eine Auszahlung von 87.500 Euro garantiert. Bei einem heuer abgeschlossenen Vertrag liegt die garantierte Auszahlung beim gleichen Musterfall nur noch bei 69.100 Euro.

Noch stärker fällt der Rückgang bei den Prognoserechnungen aus, die auf der angenommenen Entwicklung der Finanzmärkte basieren. Im oben genannten Ansparmodell wurde vor 20 Jahren noch eine Ablaufleistung von knapp 199.000 Euro in Aussicht gestellt, wobei sich die tatsächliche Auszahlung im Laufe der Jahre immer weiter reduzierte. Leistungskürzungen um 25 Prozent sind keine Seltenheit. Bei einem heute abgeschlossenen Vertrag sind es von vornherein nur noch 106.000 Euro.

Zusätzlich ist es naiv zu glauben, dass eine Firmenpension, die zweite Säule der österreichischen Altersvorsorge, die einst angepriesene hohe Zusatzrente bringen wird. Hat doch die Veranlagung der Pensionskassen, bei denen sich die Ansprüche laut OeNB Ende März auf 17,3 Milliarden Euro beliefen, besonders im Krisenjahr 2008 stark gelitten. Damals mussten die Pensionskassen im Schnitt ein negatives Veranlagungsergebnis von 12,9 Prozent hinnehmen. Obwohl in den beiden Jahren danach ein Aufschwung folgte, war schon 2011 mit einem durchschnittlichen Verlust von knapp drei Prozent wieder Schluss mit lustig. Nur schleppend entwickelt sich darüber hinaus die Veranlagung der Abfertigung Neu. Wie bei Pensionskassen und klassischen Lebensversicherungen drückt auch hier das tiefe Zinsniveau auf die Erträge der Mitarbeitervorsorgekassen. Immerhin lagen die Renditen der Kassen, die per Gesetz besonders sicherheitsbetont anlegen müssen, im Startquartal des laufenden Jahres je nach Anbieter zwischen 1,1 und 2,2 Prozent.

Über die Jahre hinweg erzielte nur die Vorsorgekasse VBV eine durchschnittliche Jahresrendite von knapp mehr als drei Prozent. Selbst das ist aber nur knapp mehr als die Hälfte der jährlich sechs Prozent, die beim Start der Abfertigung Neu im Jahr 2003 prognostiziert wurden.

Sicher oder lukrativ?

Wer seine Pensionslücke längerfristig schließen will, wird nicht umhinkommen, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Betont Sicherheitsbewusste, die über Jahre hinweg ihre Sparguthaben aufstocken, machen nach Abzug von KESt und Inflation im derzeitigen Zinstief ein sicheres Verlustgeschäft. Aber zumindest ist das angesparte Geld durch die staatliche Einlagensicherung, die in Österreich je Kunde bis zu 100.000 Euro beträgt, geschützt.

Langfristig besser fahren jene, die vor dem Risiko der Finanzmärkte nicht gänzlich zurückschrecken. So hat sich bei gut laufenden defensiven Euro-Mischfonds der Einstieg in den vergangenen Jahren trotz diverser Finanzkrisen gelohnt. Zu den Produkten, die durchwegs besser abschnitten als vergleichbare Fonds, zählt der von Fondsmanager Luca Pesarini gelenkte Ethna Aktiv, bei dem sich der Einsatz seit Herbst 2002 mehr als verdoppelte. Auch der britische Fondsmanager Richard Woolnough, der extrem breit gestreut in 800 Anleihen und 16 Aktien investiert, hat seit dem Start des M&G Optimal Income Ende April 2007 in Summe 54 Prozent Ertrag erwirtschaftet. Über die Jahre bewährt hat sich darüber hinaus der Kapital Plus von Allianz Global Investors.

Fazit: Altersarmut muss kein Schicksal sein. Besser wäre es aber, wenn auch der Staat rechtzeitig Schritte setzt, um die drohenden Pensionslücken zu schließen.

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