In Österreich zählen Post-, Telekom- und OMV-Aktien zu den dividendenstärksten Titeln

Sparbücher bringen wenig Zinsen. Daher lohnt sich ein Blick auf Dividendenkaiser. Manche Unternehmen wollen sogar zweistellige Renditen zahlen.

Die Zinsen, die Anleger derzeit auf Sparbüchern bekommen, sind ein sicheres Verlustgeschäft. Die Inflation lag in den vergangenen zwölf Monaten bei 1,9 Prozent, die realen Zinsen rutschen deshalb deutlich ins Minus. Mit einem Wort: Das Geld wird täglich weniger wert. Eine Besserung scheint nicht in Sicht. Vor einem Wiedereinstieg in Aktien schrecken viele Investoren hingegen weiterhin zurück, zu heftig schwanken die Börsenkurse. Dabei übersehen Anleger, dass viele Aktien derzeit mehr Dividende zahlen als jedes Sparbuch. Die Österreichische Post plant, im nächsten Frühjahr sieben Prozent auszuschütten. Manche Unternehmen werden ihren Aktionären sogar zweistellige Renditen gönnen. Klaus Kaldemorgen, Chef der deutschen Fondsgesellschaft DWS: „Gemessen am Aktienkurs, lagen die Dividenden in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt höher als die Renditen von Staatsanleihen. Also kann ich nur raten, zuzugreifen.“

Kaldemorgen rechnet damit, dass sich die Aktienmärkte unter deutlichen Schwankungen letztlich eher seitwärts entwickeln werden. Deshalb wird die Dividende in den kommenden Jahren einen erheblichen Anteil von bis zu 60 Prozent zur Gesamtrendite einer Aktie beitragen. Ihre jährliche Ausschüttung ist so etwas wie eine Prämie fürs Warten, bis die Kurse wieder ansteigen. Gerade unsichere Zeiten sind das perfekte Umfeld für dividendenstarke Titel. So generierte der M&G-Aktienfonds Global Dividend (ISIN GB00B39R2S49), der sich auf Titel mit hohen Ausschüttungen spezialisiert hat, in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 20,2 Prozent Rendite.

Doch Vorsicht: Hohe Prozente sind nicht immer der Weisheit letzter Schluss. Einer, der es wissen sollte, ist Stuart Rhodes, der Fondsmanager des M&G Global Dividend. Rhodes rät, bei der Aktienauswahl eher auf das Dividendenwachstum eines Unternehmens zu schauen als auf die absolute Höhe: „Eine hohe Dividendenrendite ist oft ein Zeichen, dass der Konzern Probleme hat oder mit einem limitierten Wachstumspotenzial kämpft. Es ist extrem schwierig, da die richtigen Papiere herauszupicken.“

Es gibt aber auch Unternehmen, die vieles richtig machen und ihre Investoren mit nachhaltig hohen Dividenden beglücken. So zählt die spanische Telefónica neben der Banco do Brasil und Methanex, dem weltweit größten Methanol-Produzenten, zu den am stärksten gewichteten Titeln in M&G-Fonds. Rhodes: „Telefónica ist eines der führenden Telekommunikationsunternehmen in Spanien und wächst zudem in Lateinamerika sehr profitabel. Das Unternehmen will bis 2012 um 25 Prozent mehr Dividende ausschütten. Das ist schon sehr überzeugend.“ Ein Titel, der ebenfalls aufgrund starken Dividendenwachstums den Weg in Rhodes’ Portfolio gefunden hat, ist der brasilianische Versorger AES Tiete, der nächstes Jahr sogar mit einer Ausschüttung von 10,2 Prozent lockt.

Breit streuen

Telekom-Unternehmen und Versorger gelten traditionell als gute Dividendenzahler, sind aber oft von den Steuerregulierungen der Heimatländer abhängig. In Deutschland trifft die neue Atomsteuer Konzerne wie RWE und E.ON, die bisher zu guten Dividendenzahlern gehören, aber vielleicht in Zukunft weniger tief in die Tasche greifen werden. Zusätzliche Gewinne werden voraussichtlich zum Stopfen der Budgetlöcher herhalten müssen, Aktionäre könnten durch die Finger schauen.

Ein gewisses Gleichgewicht gibt dem Depot die nötige Sicherheit. Daniel Stössl, Fondsmanager des Bawag PSK Europa Dividende Plus (ISIN AT0000A0B265), warnt vor zu geringer Streuung: „Wer nur rein nach Dividendenrendite auswählt, wird sein Portfolio mit Telekom-Papieren und Versorger-Titeln zukleistern. Das ist aber nicht zielführend. Während Aktien 2010 insgesamt sieben Prozent zulegten, büßte die Versorgerbranche sechs Prozent ein. Es ist viel stabiler, sich beständige Dividendenkaiser innerhalb verschiedener Sektoren zu suchen.“

Besonders gut gefallen Stössl global aufgestellte Unternehmen wie die bis nach Afrika tätige France Télécom, die ihren Investoren 2011 eine Dividende in Höhe von 8,7 Prozent zahlen will. Auch Snam Rete Gas hat es Stössl angetan: „Der italienische Gasversorger hat sozusagen das Monopol, die Gasrohre zu modernisieren, und zahlt über sechs Prozent Rendite.“ Auch der Rückversicherer Munich Re mit einer Dividendenrendite von 5,7 Prozent und der deutsche Chemiekonzern BASF sind gern gesehene Gäste in Stössls Depot, der noch einen Tipp für private Anleger parat hat: „Wenn die jährliche Ausschüttung zu gut ist, um wahr zu sein, dann ist die Gefahr einer Kürzung meist sehr hoch. Finger weg von diesen Unternehmen.“

Generell sollte man neben der Höhe des Kupons auch auf Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis achten, dazu kann ein Blick auf das Anleihenrating eines Unternehmens bei der Kaufentscheidung helfen. Wer Einzeltitel scheut, kann auf Fonds zurückgreifen. Das ist bei Auslandspapieren schon aus steuerlichen Gründen besonders zu empfehlen. Für ausländische Titel fällt nämlich oft zusätzlich eine örtliche Quellensteuer an, die man aber zumindest teilweise auf die österreichische KESt anrechnen kann. Bei dem mitunter komplizierten Erstattungsverfahren tun sich Fonds leichter.

Post & OMV

Auch ein paar österreichische Unternehmen sind gute Dividendenzahler, wie etwa die Telekom Austria und die Österreichische Post. Bawag-Fondsmanager Stössl: „Von der Post bekommt man eine schöne Rendite. Langfristig beherbergt das Unternehmen aber eher ein schrumpfendes als wachsendes Geschäftsmodell.“ 3-Banken-Fondschef Alois Wögerbauer setzt auf die OMV: „Die OMV ist derzeit eine der günstigsten Ölaktien, da braucht man nicht lange suchen. Die Dividendenrendite ist mit 3,7 Prozent immer noch anständig.“

Wögerbauer hat derzeit mit dem 3 Banken Dividenden Strategie 2015/2 (ISIN AT0000A0KLD0) einen Fonds mit fixem Ablaufdatum zur Zeichnung aufliegen. Wögerbauer: „Wir setzen auf sehr breite Streuung, auch im Währungsbereich. Mit Papieren wie dem norwegischen Ölkonzern Statoil und dem Schweizer Pharmaunternehmen Novartis haben wir neben dem Euro auch die Norwegische Krone und den Schweizer Franken mit im Depot.“

– Ingrid Krawarik

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