Im Notfall vorgesorgt: Tipps für den Abschluss einer privaten Unfallvorsorge

Mehr als zwei Drittel der Unfälle passieren in der Freizeit und sind daher nicht von der ­gesetzlichen Versicherung abgedeckt. FORMAT zeigt, worauf Versicherungsnehmer bei der privaten Unfallvorsorge achten müssen.

Die Sonne spiegelt sich in den Fenstern der Wohnungen und rückt die Schmierstreifen des schon länger zurückliegenden Putztages unschön in den Vordergrund. Zeit also für den Frühjahrsputz. Der Sturz aus dem zweiten Stock war nicht mit eingeplant, die Invalidität und das anschließende Leben im Rollstuhl schon gar nicht. Dann noch der zusätzliche Schock für das Opfer des Sturzes: Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt nur bei Arbeitsunfällen, nicht aber, wenn etwas zuhause oder in der Freizeit passiert. Dabei ereignen sich zwei Drittel der Unfälle außerhalb der Arbeitszeit. In solchen Fällen hilft nur eine private Unfallvorsorge. Franz Starritz, Versicherungsmakler bei Nanke & Partner: „Ein Unfall ist schnell passiert. Wenn Schäden bleiben, kostet das enorm viel Geld. Wichtig ist deshalb eine ausreichend hohe Zahlung bei Invalidität.“ FORMAT hat die Angebote einiger Versicherungen für 100.000 Euro Versicherungssumme unter die Lupe genommen, bei denen bei Vollinvalidität sogar 400.000 Euro ausgezahlt werden.

Enorme Prämienunterschiede
Bei der Höhe der jährlichen Prämie gibt es enorme Unterschiede. Die Allianz ist bei Frauen mit 156 Euro unschlagbar – sie liegt um 119 Euro günstiger als das Angebot der Zürich. Für Männer offerieren die Merkur mit 184 Euro und die Wiener Städtische mit 194 Euro wirklich ansprechende Tarife – und liegen damit deutlich niedriger als so mancher Konkurrent (siehe Tabelle ). Für Familien bieten die Assekuranzen verbilligte Pakete mit voller Mitversicherung des Partners und der Kinder an. Auch da lohnt sich ein Vergleich. Bei der Wiener Städtischen gibt es eine Familienpolizze für Eltern und Kinder schon um 374 Euro im Jahr, bei der Donau sind es 441 Euro, bei der Merkur 481 Euro. Uniqa gewährt ab zwei Personen einen Rabatt von 15 Prozent. Versicherungsmakler Starritz: „Die Prämien sind natürlich ein Richtwert, exakt vergleichen kann man die Produkte aber nicht, weil die Versicherungen viele verschiedene Spielarten anbieten.“

Auf die Progression kommt es an
Ein entscheidender Aspekt ist die Progressionsstaffel. Progression bedeutet, dass die Invaliditätsleistung umso mehr ansteigt, je schwerer der Grad der Invalidität ist. Basis des Versicherungsvergleiches sind 400 Prozent Progression, die Versicherungssumme von 100.000 Euro wird also bei Vollinvalidität vervierfacht. Die Generali setzt die Leistung bei Vollinvalidität mit 600 Prozent Progression besonders hoch an. Peter Wilk, Leiter der Generali-Unfallversicherung: „Ich rate zu einer hohen Abdeckung von mindestens 600.000 Euro bei Vollinvalidität – die ist gerade für tragische Fälle unabdingbar. Allein der Umbau einer Wohnung für einen Rollstuhlfahrer kostet ungeheuer viel Geld.“

Unterschiede um Faktor zwei
Wichtig ist nicht nur der Vergleich der maximalen Progression, sondern auch die Staffelung der Zahlung bei niedrigeren Invaliditätsstufen. Bei einer Invalidität von 75 Prozent unterscheiden sich die Auszahlungen im Extremfall um den Faktor zwei. So zahlt zum Beispiel die Generali den Bestwert von 300.000 Euro. Die Zürich ist bei gleicher Invalidität mit 280.000 Euro ebenfalls sehr spendabel. Die 225.000 Euro der Merkur liegen im Mittelfeld. Die Allianz berappt bei 75 Prozent Invalidität 162.500 Euro, Uniqa sogar nur 150.000 Euro. Allerdings zahlen dafür sowohl Uniqa als auch Wiener Städtische schon ab 91 beziehungsweise 90 Prozent Invalidität die Maximalsumme von 400.000 Euro. Achtung: Viele Versicherungen haben mehrere Tarife mit unterschiedlicher Leistungsstruktur.

Auf Kinkerlitzchen verzichten
Einzelne Versicherungen bieten zudem für bestimmte Berufsgruppen besondere Zusätze und verbesserte Gliedertaxen an. Verliert etwa ein Uhrmacher den Daumen seiner Arbeitshand, zahlt Uniqa 100 Prozent der Versicherungssumme anstatt 20 Prozent laut Gliedertaxe. Bei der Invaliditätsrente ist Uniqa spendabler als die Konkurrenz, denn sie zahlt bereits ab 35 Prozent Invalidität die halbe Leistung. Ab 50 Prozent zahlen alle aufgeführten Assekuranzen die volle Monatsrente. Dem Abschluss einer privaten Unfallvorsorge sollte ein intensives Beratungsgespräch vorausgehen. Für Zehnjahresverträge gibt es in der Regel einen Dauerrabatt. Experte Starritz: „Lieber auf Kinkerlitzchen wie Tages- und Spitalgeld sowie eine Pauschale bei Knochenbruch verzichten und so Prämie sparen.“

Von Ingrid Krawarik

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