Herbstoffensive der Banken

Die Geldinstitute kämpfen derzeit besonders intensiv um jeden Sparer, weil die Geschäfte zwischen den Banken stocken. Im besten Fall sind 1,88 Prozent auf täglich fällige Einlagen zu holen.

Der Wettbewerb zwischen den Kreditinstituten hat sich deutlich verschärft. WSK-Bank-Chefin Ilse Vigl: „Banken sind im kurzfristigen Bereich bereit, sehr hohe Sparzinsen zu zahlen. Das lässt darauf schließen, dass die Refinanzierung nicht mehr so leicht über fremde Kreditinstitute zu bekommen ist. Jetzt versuchen die Banken, diese Lücke mittels Spareinlagen aufzufüllen.“ Zusätzlich wird der Kampf um die Kunden durch die livebank.at, die neu aufgestellte Direktbank der Volksbanken, angeheizt. FORMAT hat die Angebote verglichen und zeigt, wo das Ersparte derzeit am besten aufgehoben ist.

Fix oder variabel verzinst

Die Manager der Sparinstitute sind sich einig: Sparer sind besser dran, wenn sie statt auf täglich fällige Zinsen auf Fixzinsen mit Bindung setzen. Ein attraktives Angebot hat zum Beispiel die livebank.at im Talon. Sie zahlt für eine Sechsmonatsbindung 2,55 Prozent Zinsen. Mit 2,75 Prozent für Spareinlagen mit Zwölfmonatsbindung lockt die türkischstämmige DenizBank bis zum 16. Oktober.

Trotz dieser relativ hohen Rendite liegt die aktuelle Verzinsung von Sparbüchern noch unter der aktuellen Inflation von gut drei Prozent. Wichtig für alle Sparer, die naturgemäß die Bonität einer Bank nur schwer selbst beurteilen können: In Österreich sind Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro pro Person und Bank durch die Einlagensicherung geschützt (bei der ING-DiBa via Deutschland). Die Einlagensicherung gilt für Sparbücher und Girokonten. Infos unter www.einlagensicherung.at .

Livebank.at geht für die Volksbank ins Rennen

Seit Oktober ist die ehemalige Volksbank-Kufstein-Tochter livebank.at offiziell eine Abteilung der Österreichischen Volksbanken AG. Mario Perner (Bild), Abteilungsleiter der livebank.at: „Grund dafür war, dass wir viel schneller kostendeckend arbeiten konnten als erwartet. Wir starteten 2007 und wollten innerhalb von drei Jahren rentabel sein. Doch das Konzept ist von den Sparern so gut angenommen worden, dass das bereits nach einem Jahr gelungen ist.“ Von dieser Erfolgsgeschichte will nun der gesamte Volksbanksektor profitieren.

Zinsbonus

Die livebank.at geht mit einem täglich fälligen Zinssatz von 1,88 Prozent an den Start und liegt damit im Spitzenfeld. Dieser setzt sich aus 1,15 Prozent Basisverzinsung und 0,73 Prozent Zinsbonus zusammen, der bis Ende des Jahres garantiert ist. Obwohl am häufigsten zum täglich fälligen Zinssatz gegriffen wird, rät Perner dazu, sich jetzt Fixzinsen zu sichern. Aktuell im Angebot: 2,55 Prozent für eine Bindung von sechs Monaten. Bislang konnte die livebank rund 35.000 Kunden gewinnen. Perner: „Im Schnitt liegen auf den Konten unserer Sparer rund 15.000 Euro, die dann meistens zwei Jahre lang nicht abgehoben werden.“ Das Online-Sparkonto kann allerdings nicht in den Volksbank-Filialen, sondern nur über das Internet eröffnet werden. Das ist laut Perner aber kein Hindernis für Anleger. Perner: „Das Durchschnittsalter unserer Kunden liegt bei 42 Jahren. Grundsätzlich kann ein Sparkonto aber ab dem 18. Lebensjahr eröffnet werden.“ Noch heuer will die livebank ihr Sortiment um einen Bausparvertrag ergänzen.

Die ING-DiBa hat den Zinssatz auf 1,8 Prozent erhöht

Mit rund 440.000 Sparern ist die ING-DiBa Platzhirsch unter den heimischen Direktbanken. Das will sie auch bleiben. Neukunden lockt sie deshalb mit 2,5 Prozent Bonuszinsen für täglich fälliges Geld, die für die ersten sechs Monate nach Eröffnung des Kontos garantiert werden. Danach werden Sparguthaben wieder mit dem täglich fälligen Zinssatz von 1,8 Prozent verzinst, der auch für alle bereits bestehenden Kunden gilt. ING-DiBa-Österreich-Chef Roel Huisman plant derzeit keine weitere Zinsanpassung: „Wir haben heuer schon zweimal die Zinsen angehoben.“

Deutsche Einlagensicherung

Bei der ING-DiBa werden die Sparzinsen unter anderem auf Basis der Leitzinsen der Europäischen Zentralbank EZB und der operativen Kosten kalkuliert. Huisman: „Vor einigen Wochen waren die Erwartungen noch sehr hoch, dass die EZB den Leitzins erhöht. Die Lage hat sich aber wider die Erwartungen entwickelt. Damit wird es für Banken schwieriger, sehr gute Zinsangebote zu machen.“ Weil die ING-DiBa in Österreich rechtlich eine Niederlassung der deutschen ING-DiBa ist, gilt für die Einlagen das deutsche Sicherungssystem, das Spareinlagen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro absichert, also gleich hoch wie in Österreich. Dazu ist die ING-DiBa noch Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken. Rechnerisch wären dort Einlagen bis zur Höhe von 1,23 Milliarden Euro pro Kunde abgedeckt.

Die Zinsen der WSK-Bank wachsen automatisch

Bei der WSK-Bank, einer Wiener Volksbank, sind vor allem jene Kunden gut aufgehoben, die ihr Geld nicht für einen bestimmten Zeitraum binden. Mit dem Flexisparbuch erhöhen sich die Zinsen nämlich automatisch, je länger man die Einlagen liegen hat. Wer 12 Monate wartet, erhöht sein Guthaben um 2,25 Prozent Zinsen. Nach zwei Jahren sind es bereits 2,50 Prozent, die dann auch für das erste Jahr rückwirkend gutgeschrieben werden. Ab dem fünften Jahr wären es bereits 3,5 Prozent per annum. Ilse Vigl, Chefin der WSK-Bank: „Mit dem Flexisparbuch haben Kunden die Möglichkeit, sehr schnell auf kurzfristige Veränderungen am Zinsmarkt zu reagieren.“

Noch bessere Zinsen

Im November will Vigl sogar noch höhere Sparbuchzinsen offerieren. Vigl: „Anlässlich unseres 140-jährigen Jubiläums werden wir die Zinssätze für Sparguthaben anheben. Details will ich aber noch nicht verraten.“ Derzeit verwaltet die WSK-Bank die Spareinlagen von rund 6.000 Kunden. Vigl: „Der Großteil setzt dabei auf fixe Sparzinsen mit Bindung. Im Schnitt dauert es ein bis zwei Jahre, bevor die Kunden ihre Sparguthaben wieder anlegen.“ Einziger Nachteil der Bank: Die Sparkonten können nur in den insgesamt vier Wiener Filialen eröffnet werden. An einer Online-Lösung wird aber bereits gearbeitet.

easybank lässt 1,85 Prozent für liquides Geld springen

Die easybank hat den Zinssatz für das täglich fällige Sparkonto easy zinsmax per 1. Oktober von 1,65 auf 1,85 Prozent pro Jahr angehoben. Die Verzinsung gilt ab dem ersten Euro und wird wohl vorerst so bleiben. easybank-Chefin Sonja Sarközi plant derzeit nämlich keine weiteren Änderungen. Allerdings ortet die Managerin ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis der Kunden: „Sparer sind wegen der aktuellen Ereignisse, vor allem der Staatsschuldenkrise und Börsenentwicklung, hellhöriger geworden. Für uns ist es daher wichtig, in unserer Produktpolitik auf einfache, gut durchschaubare und mit größtmöglicher Sicherheit ausgestattete Produkte zu setzen.“ Sparer, die ihr Geld über zwölf Monate am easy-geldmarkt-Konto liegen lassen, bekommen ab 7.000 Euro Einlage 2,1 Prozent. Bei höheren Beträgen steigt der Zinssatz (siehe www.easybank.at).

Die Direktbanktochter der Bawag erzielte 2010 mit einer Bilanzsumme von 1,8 Millionen Euro das größte Geschäftsvolumen der 14-jährigen Firmengeschichte. Das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 20 Prozent. Sarközi will künftig auch im Ausland aktiv sein. Wo, verrät die Managerin allerdings noch nicht. Neben Sparkonten setzt die Online-Bank auch auf ein Gratis-Girokonto namens easy-gratis. Insgesamt hat die easybank bereits über 330.000 Kunden.

direktanlage.at - Wertpapierspezialist mit hohen Sparzinsen

Obwohl die direktanlage.at vor allem ein Onlinebroker ist, greifen von den insgesamt 62.000 Kunden rund 7.000 auch zu den Sparangeboten. Neukunden bekommen 2,8 Prozent für einen Zeitraum von sechs Monaten auf das täglich fällige Sparbuch gutgeschrieben. Anleger, die auch ein Depot im Wert von 5.000 Euro übertragen, können sechs Monate lang sogar 3,5 Prozent für das täglich fällige Sparbuch kassieren. Ernst Huber, Chef der direktanlage.at: „Nach sechs Monaten fällt der Zinssatz für täglich fällige Einlagen – je nachdem, wie sich das Zinsniveau entwickelt – auf 1 bis 1,25 Prozent.“ Tipp: Bei guten Kunden ist die direktanlage.at bei täglich fälligen Zinsen besonders großzügig. Wer am Schalter nachfragt, bekommt bis zu zwei Prozent für das täglich fällige Sparbuch. Der individuell vereinbarte Zinssatz wird immer für ein Jahr ausverhandelt.

- Carolina Burger

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