Heimische Banken verlangen trotz niedrigem Zinsniveau kräftige Zuschläge auf Neukredite

Obwohl die Zinsen in den letzten Monaten einen historischen Tiefststand erreichten, sind viele Neukredite letztlich teurer denn je. FORMAT zeigt, wo versteckte Fallen bei Kreditverträgen drohen.

Die Zinssenkungen der vergangenen Monate sollten für Kreditnehmer eigentlich ein Grund zum Jubeln sein. Schließlich notiert der 3-Monats-Euribor, jener Satz, der oft als Indikator für Kreditzinsen herangezogen wird, mit 1,56 Prozent auf einem Fünfjahrestiefststand. Während Altkredite tatsächlich von den überaus günstigen Konditionen profitieren, schauen Neu-Kreditnehmer durch die Finger. Der Zinssatz für Konsum- und Hypothekarkredite sank seit Oktober 2008 deutlich langsamer als das allgemeine Zinsniveau (siehe Grafiken zu Indikatoren und Kreditzinsen ).

Transparenz im Abnehmen
Viele Banken versuchen offensichtlich, die Zinsspanne bei neuen Kreditverträgen zu erhöhen. Finanzierungsexperte Johann Massenbauer: „Seitdem Fremdwährungskredite für private Kunden von der Bildfläche verschwunden sind, sind höhere Zinsspannen und intransparente Spesen wieder allgegenwärtig.“ Gab es vor Ausbruch der Bankenkrise noch an den Euribor gebundene Hypothekardarlehen mit einem Aufschlag von nur einem Prozent, verlangen Geldinstitute jetzt oft zwei Prozent und mehr Spanne. Konsumkredite sind noch teurer. FORMAT zeigt, worauf Kreditnehmer jetzt achten müssen, um teure Zinsklauseln zu vermeiden.

Im Ausland noch teurer  
Schwacher Trost: In anderen Eurostaaten verlangen die Banken noch mehr. Andreas Ittner, Direktor der Oesterreichischen Nationalbank: „Im Vergleich zum Euroraum, wo für einen Konsumkredit ein Zinssatz von 7,93 Prozent verrechnet wird, ist Österreich mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 6,05 Prozent trotzdem sehr günstig.“ Bei neuen Wohnbaudarlehen liegt Österreich mit 4,92 Prozent hingegen knapp über dem europäischen Durchschnitt. Das ist zwar auf den ersten Blick durchaus günstig, angesichts der extrem tiefen Indikatorzinsen aber eine Zeitbombe. Sollte sich das allgemeine Zinsniveau in den nächsten Jahren wieder deutlich erhöhen, zahlen Häuslbauer rasch Zinsen von sieben Prozent und mehr. Das Problem: Kaum ein Kreditnehmer hat sich mit Fixkonditionen gegen steigende Zinsen abgesichert. Ittner: „94 Prozent der Kredite privater Haushalte sind variabel.“

Kreditinstitute wehren sich
Die Banken begründen die noch immer teuren Kredite mit höheren Refinanzierungskosten und beteuern, Senkungen bereits vorgenommen zu haben. Georg Kraft-Kinz, Vorstand der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien: „Die Konditionen für Neukunden wurden 2009 bereits zweimal angepasst. Im Jänner haben wir etwa für Kunden mit guter Bonität den Konsumkredit von sechs auf 4,75 Prozent heruntergesetzt. Für Altkredite senken wir am
1. April die Zinsen um 1,25 Prozent.“ Es geht allerdings noch deutlich tiefer. Peter Wageneder, Geschäftsführer der AAA Group: „Bei mir bekommen Kunden mit sehr guter Bonität einen Hypothekarkredit mit variabler Euribor-Zinsbindung mit einem Aufschlag von einem Prozent.“

Ahnungslose Berater  
Kunden, die derzeit eine Kreditaufnahme überlegen, sollten bestehende Angebote genau unter die Lupe nehmen und hartnäckig nachfragen. Ein FORMAT-Lokalaugenschein in mehreren Bankfilialen brachte nämlich wenig Licht ins Dunkel. Bei der Frage nach dem zugrunde liegenden Zinsindikator waren einige Berater bereits am Ende ihres Lateins angelangt. Ein Kundenbetreuer tippte auf den „Leitzins“ – tatsächlich orientiert sich sein Institut am Euribor (siehe hierzu auch Tipps zur Kreditverhandlung ). Derzeit sind auch wieder vermehrt Angebote am Markt, die mit einem niedrigen Einstiegszinssatz für ein Jahr werben. Nach Ablauf drohen dann hohe variable Zinsen. Georg Kraft-Kinz: „Ich halte nichts von diesen Lockangeboten.“ Obwohl der derzeitige Tiefststand des Euribor trotz der Aufschläge noch immer niedrige Zinssätze garantiert, warnen Experten jetzt schon vor steigenden Zinsen in den nächsten Jahren. Ein Zinscap könnte die Zinsen nach oben absichern.

Fixzinsen sichern
Gerade bei der Wohnbaufinanzierung macht eine kurzfristige Zinsbindung keinen Sinn, erklärt Peter Bosek, Privatkundenvorstand der Erste Bank Österreich: „Das ist eine Investition fürs Leben, die würde ich nicht dem Glück des Kapitalmarkts überlassen. Ich rate zu einer fixen Zinsbindung auf drei oder fünf Jahre. Auch ein Bauspardarlehen ist zu überlegen.“ Für einen Hypothekarkredit zahlen Kunden der Erste Bank bei einer Laufzeit von 20 Jahren derzeit 5,375 Prozent Zinsen auf fünf Jahre fix. Bei einem Bauspardarlehen, bei dem die Zinsobergrenze bei sechs Prozent liegt, sollten Kunden besonders auf den Aufschlag auf den jeweiligen Zinsindikator achten. Der schwankt derzeit bei den Anbietern zwischen einem und 1,6 Prozent.

Von Carolina Burger und Ingrid Krawarik

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