Hedgefonds-Manager Hendry: "Ich sage
Ihnen eins: Lasst uns wieder gierig sein"

Der britische Spekulant Hugh Hendry erklärt, wie er sein Geld macht, warum Pensions- und Staatsfonds Bösewichte sind und wieso Griechenland pleitegehen soll.

FORMAT: Herr Hendry, Sie sind Hedgefonds-Manager, gelten als Enfant terrible der Finanzwelt und bezeichnen sich als Wachhund des Kapitalismus. Fühlen Sie sich jetzt wohl in Ihrer Haut?
Hendry: Ich bin leidenschaftlich, aber nicht streitlustig. Was derzeit passiert, geht mir wirklich zu Herzen, weil wir gerade Geschichte schreiben.
FORMAT: Hedgefonds, die aktuell große Wetten auf den fallenden Euro laufen haben, werden als die Bösewichte schlechthin bezeichnet. Korrekt?
Hendry: Ich würde niemanden zu Shortverkäufen des Euro raten, das ist zu gefährlich. Fakt ist: Hedgefonds sind wegen der großen Volumina, die sie verwalten, korrumpiert. Sie sind nicht mehr die Piraten der Finanzmärkte, sondern schiffen bedächtig herum wie die Royal Navy. Wenn ich zwei Milliarden Dollar lenke und dafür jährlich zwei Prozent Verwaltungsgebühr absahne, dann bekomme ich 40 Millionen Dollar nur dafür, dass ich in der Früh aufstehe.

"Ich sage Ihnen eins: Lasst uns gierig sein."
FORMAT: Und Sie bedauern diese Bequemlichkeit?
Hendry: Ich sage Ihnen eins: Lasst uns gierig sein. Ich verrate Ihnen, wie das funktioniert. Ich habe in meinem Hedgefonds Positionen, die fünf Jahre laufen und die mich im Jahr 1,8 Prozent Gebühren kosten. Ich bin förmlich gezwungen, diesen Preis zu zahlen. Erraten, es dreht sich dabei um Credit Default Swaps. Ich verliere maximal die Gebühren. Wenn ich jedoch richtig liege, verdiene ich das Fünffache meines Einsatzes.
FORMAT: Was halten Sie von der Diskussion, den Handel von Credit Default Swaps zu verbieten?
Hendry: Ich fürchte, dass zu viel Einmischung dramatische Folgen haben könnte. Das erinnert mich an September 2008, als in Amerika der Leerverkauf von Finanzaktien untersagt wurde. Einen Monat später sind die Börsen zusammengebrochen. Die eigentlichen Schurken sind die großen Staats- und Pensionsfonds, die Staaten unter Druck bringen. In Griechenland steht die Ampel auf rot, weil die Großinvestoren jetzt kalte Füße bekommen.
FORMAT: Wie lange können sich die Hellenen noch über Wasser halten?
Hendry: Höchstens zwei Jahre. Der Schuldenberg ist einfach zu hoch, die Staatspleite der einzige Ausweg.

"Die Griechen müssten den Bankrott erklären"
FORMAT: Kann sich die Eurozone den Ausfall Griechenlands leisten?
Hendry: Ich stelle Ihnen die Gegenfrage: Können es sich die deutschen und französischen Banken erlauben, den Griechen weiter Geld zu geben? Egal wie viel Geld für Griechenland noch ausgegeben wird, das macht die Schulden nur noch höher. Aus eigener Kraft wird das die griechische Regierung nicht mehr schaffen.
FORMAT: Was ist zu tun?
Hendry: Die Griechen müssten aus der Eurozone ausscheren und den Bankrott erklären. Das ist die einzige Chance, die Schulden loszuwerden und einen Neustart hinzulegen. In zehn Jahren sind sie wieder zurück.
FORMAT: Warum sind Sie da so sicher?
Hendry: Die Situation ähnelt frappant der Lage Argentiniens. Ab 1999 hatte der Internationale Währungsfonds den Geldhahn geöffnet. Das nutzte nichts, denn 2001 schlitterte der südamerikanische Staat mit einer noch viel größeren Schuldenlast trotzdem in die Pleite.

"Spanien sollte dem Beispiel Irlands folgen"
FORMAT: Halten Sie, ausgehend von Griechenland, einen Dominoeffekt auf andere Länder der Eurozone für möglich?
Hendry: Spanien, Portugal und Italien sind mit den gleichen Risiken konfrontiert. Wenn diese Staaten weiterhin Mitglied der Eurozone bleiben wollen, dann müssen sie dem Beispiel Irlands folgen. Der wichtigste Preisfaktor einer Volkswirtschaft ist das Lohnniveau. Auf der Grünen Insel wurde dies bereits drastisch gesenkt. Die Verbraucherpreise sind seit Mitte 2009 stark gesunken. Die Inflation steht aktuell bei minus vier Prozent. Es herrscht also Deflation. Das ist das einzige Heilmittel. Logischerweise muss man daran glauben, dass der Euro überleben wird.
FORMAT: Das Heilmittel, das Sie ansprechen, ist in Japan seit Jahrzehnten wirkungslos.
Hendry: Die Japaner haben 1991 nicht den Mut gehabt, den Staatsbankrott zu erklären. Nippons Wirtschaft hätte zwar fünf Jahre gelitten, heute wäre Japan aber schuldenfrei, und jeder würde gerne investieren. Umso mutiger ist der Schritt, die nationale Fluglinie, Japan Airlines, pleitegehen zu lassen. Das ist die Lösung. Die Flugzeuge heben immer noch ab, die Mitarbeiter haben weiter ihren Job, aber 80 Prozent der Schulden sind weg. Die Fluglinie hat die Chance, sich neu zu erfinden.

"Begreife die Affenliebe für China nicht"
FORMAT: Speziell in China läuft der Wirtschaftsmotor rund. Droht eine Überhitzung?
Hendry: Ich begreife die Affenliebe der Investoren für China nicht. China ist heute Gläubigernation wie Amerika vor der Weltwirtschaftskrise von 1929 und wie Japan vor 1981 und erzielt ebenso einen großen Handelsbilanzüberschuss. Die Geschichte lehrt uns, auf der Hut zu sein, wenn ein Land zu sehr boomt. Die Wahrscheinlichkeit, dass China vom Retter der Weltkonjunktur in spätestens zehn Jahren ins Bodenlose stürzt, ist hoch. Ein Grund dafür ist der Dollar, der über die nächsten Jahre stärker werden wird.
FORMAT: Ihr Tipp für Anleger?
Hendry: Öl crashte in den 70ern, die Tech-Blase platzte Ende der 90er-Jahre, Immobilien im Jahr 2007. Diese Investments sind für die Generationen unserer Kinder wieder gut geeignet. Kurzfristig sollte man aber lieber danach suchen, wo gerade eine neue Blase entsteht.

Interview: Ingrid Krawarik, Robert Winter

Zur Person: Hugh Hendry, 40, ist Partner und Anlagechef von Eclectica Asset Management. Der Brite scheut in seinen zahlreichen Auftritten bei Fernsehstationen wie BBC oder CNBC nicht davor zurück, zu polarisieren. Mit seinem Hedgefonds „Eclectica Fund“ erzielte der Manager, der sich selbst als „Wachhund der Finanzmärkte“ bezeichnet, seit Jahresbeginn einen Ertrag von neun Prozent.

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