"Griechenland, Spanien und Portugal müssen raus"

FORMAT: Durch die Wahl Hollandes wird der europäische Fiskalpakt wieder in Frage gestellt...

Otte: Zu Recht. Der Fiskalpakt ist wie eine Talfahrt mit Vollgas und angezogener Handbremse. Aber auch die geplanten Diskussionen über einen Wachstumspakt sind doch nicht mehr als Augenauswischerei.

FORMAT: Aber die Südstaaten haben zweifellos über ihre Verhältnisse gelebt. Ist Sparen da falsch?

Otte: Sie wurden dabei aber auch tatkräftig von der Finanzbranche unterstützt, die kräftig an letztlich unseriösen und unhaltbaren Krediten an diese Länder verdient hat. Kaufmännischer Sachverstand? Fehlanzeige! Dass nun die Bürger dieser Staaten die ganze Last tragen sollen, ist ungerecht. Derzeit sparen wir diese Länder kaputt, um die Banken zu bedienen.

FORMAT: Was schlagen Sie vor?

Otte: Griechenland etwa benötigt einen viel umfassenderen Schuldenerlass als den jetzigen: Der Forderungsverzicht der Finanzbranche von 100 Milliarden Euro müsste verdoppelt werden. Auch Italien wird wahrscheinlich um einen Teilschuldenerlass nicht herumkommen. Denn dort jetzt radikal zu sparen, würgt die Wirtschaft vollkommen ab.

FORMAT: Und Portugal und Spanien?

Otte: Diese benötigen keine Staatsschuldenerlasse, sie müssen aber - wie Griechenland - auf jeden Fall so schnell wie möglich aus der Eurozone aussteigen. Nur so können sie ihre Währung abwerten und wieder konkurrenzfähig werden.

FORMAT: Und dann? Woher soll dann das Wachstum kommen?

Otte: Da sie über wenig Industrie oder gar Spitzentechnologie verfügen, sollen sie Nischen besetzen, von denen sie etwas verstehen. Was ist so schlecht daran, wenn sie sich etwa auf den Agrarexport konzentrieren? Vor allem in Spanien muss zudem der Immobiliensektor reorganisiert und bereinigt werden, etwa in dem dieser zum Teil durch den Staat zwangsverwaltet wird, wie das in den USA der Fall ist.

FORMAT: Ein Austritt dieser Länder könnte aber katastrophale Folgen haben – für sie selbst und das europäische Bankensystem...

Otte: ...Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) müsste vorher in die Lage versetzt werden, Hilfskredite an Staaten zu vergeben, welche die Eurozone verlassen, damit diese nicht komplett von den Finanzmärken abgeschitten sind. Außerdem müsste er in der Lage sein, Banken direkt zu stützen, was im jetzigen ESM-Vertrag schon ansatzweise vorgesehen ist. Alternativ könnten das auch die starken Länder bilateral stemmen. Erst dann können die betreffenden Staaten die Eurozone verlassen.

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