Goldrichtig: Das Edelmetall könnte dieses Jahr noch die 1.200-Dollar-Marke erreichen

Das begehrte Edelmetall ist in Euro gerechnet so teuer wie noch nie. FORMAT analysiert, warum der Goldpreis weiter steigen kann und wie ein Anleger von der Wertentwicklung profitiert.

Dass Gold bei Anlegern extrem hoch im Kurs steht, zeigt der reißende Absatz der Wiener-Philharmoniker-Goldmünze. 2007 verkaufte die Münze Österreich noch 245.000 Stück. Im Vorjahr liefen die Münzpressen dann so richtig heiß: Sage und schreibe 1,063 Millionen Stück wanderten 2008 über den Ladentisch. Der Griff zu Gold war keine schlechte Wahl. Und das wird laut Expertenmeinungen auch so bleiben. Der 75-jährige Byron Wien, ehemals Investmentstratege bei Morgan Stanley, erwartet, dass Gold in diesem Jahr noch die 1.200-Dollar-Marke je Unze knacken wird.

1.000 Dollar im Schnitt
Dass der Goldpreis noch Luft nach oben hat, schätzt auch die Schweizer Großbank UBS. Die Notierung des gelben Metalls soll laut ­einer jüngsten Analyse im Jahresverlauf durchschnittlich 1.000 Dollar je Feinunze betragen. Roland Öhler, Goldexperte der Sparkasse Oberösterreich: „Ein Plus von zehn Prozent ist heuer sicher noch drin. Die Rekordmarke von 1.034 Dollar im März 2008 wird 2009 getestet werden.“ In Euro hat Gold den historischen Höchststand bereits erreicht. Denn nicht nur der Preis des begehrten Edelmetalls kletterte in den vergangenen Wochen nach oben, auch der US-Dollar hat gegenüber dem Euro seit Mitte Dezember Boden gutgemacht (normalerweise entwickeln sich diese beiden Werte gegensätzlich). Zur Freude der Euro-Anleger greift dadurch eine doppelte Hebelwirkung. Die Folge: Gold notiert bei 772 Euro je Feinunze, so hoch wie noch nie zuvor ( Stand 18. 2. 2009 ).

Nachfrage kaum zu decken
Der anhaltend hohen Nachfrage werden die Goldproduzenten nicht mehr gerecht. Laut dem World Gold Council kauften Privatanleger zwischen­ Herbst 2007 und Herbst 2008 um 69 Prozent mehr Goldbarren. Der Run auf Goldmünzen führte dort zu einem um 60 Prozent höheren Absatz. Evy Hambro, Fondsmanager des BlackRock World Gold Fund: „Der Goldpreis steigt, weil immer mehr Anleger ein sicheres Investment wollen. Die Goldproduktion ist hingegen gefallen. Dieser Trend wird sich heuer fortsetzen.“ In Zahlen: Weltweit haben die Goldschürfer im Vorjahr 15 Millionen Unzen an neuen Vorkommen entdeckt – zur Goldproduktion, die bei 80 Millionen Unzen liegt, klafft eine große Lücke. Allerdings ist auch der oftmals propagierte sichere Hafen nicht vor Stürmen gefeit. Goldexperte Öhler: „Die Gefahr ist, dass sich Anleger jetzt von Aktien Hals über Kopf in Gold stürzen. Ganz so unproblematisch präsentiert sich das Edelmetall aber nicht. 2008 gab es immerhin Preisschwankungen von 25 Prozent.“

Barren und Münzen
Wer nicht nur ein Faible für Gold hat, sondern ernsthaft investieren will, kann zum 1-Kilo-Goldbarren greifen, der aktuell 24.810 Euro kostet. Allein seit Jahresbeginn hat sich der Wert eines Stücks um 3.985 Euro erhöht, seit Anfang 2008 ist es sogar ein Plus von 6.225 Euro. Zusätzlicher Vorteil für jene, die gleich in die Superliga des Goldinvestments einsteigen: Der Aufpreis auf den reinen Metallwert beträgt beim Ankauf nur 1,7 Prozent. Ein wenig teurer wird es bereits beim Griff zum 500-Gramm-Barren, bei dem zwei Prozent Spesen anfallen, bei 100 Gramm sind dann schon 3,6 Prozent zu berappen. Liebhaber von Münzen steigen zwar aufgrund der geringeren Goldmenge güns­tiger ein, zahlen mit 5,2 Prozent jedoch einen höheren Aufpreis. Die Spesen haben sich jedoch allemal ausgezahlt. So stieg etwa der Wert der weltweit begehrten Wiener-Philharmoniker-Münze seit der Erstausgabe im Oktober 1989 von 371 auf 773 Euro (siehe Grafik ).

Zehn Tonnen Gold zum Anfassen  
Anleger, die in den Aureus Fund der deutschen Landesbank Baden-Württemberg investieren, schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits profitieren sie vom Wertgewinn des derzeit zehn Tonnen schweren Goldlagers, andererseits kommen Auserwählte in den Genuss, einmal jährlich die glänzenden Barren im Tresorraum in ­Zürich angreifen zu dürfen. Obwohl der Fonds, der zu 95 Prozent in Goldbarren inves­tiert, in Österreich noch nicht zum Vertrieb zugelassen ist, ist der Einstieg ab 1.000 Euro möglich. Allein in den vergangenen drei Jahren legte der Aureus um 55 Prozent zu (siehe Grafik ). Goldaktien hingegen kamen im Vorjahr wie fast alle anderen Dividendenpapiere unter die Räder. Seit November haben sich die Kurse der großen Goldkonzerne aber erholt, die Notierung von Barrick Gold, der weltweiten Nummer eins, stieg seither um 67 Prozent (siehe Grafik ).

Wertvolle Geldstücke
Wer Gold nicht nur als Wert­anlage schätzt, sondern auch der Sammelleidenschaft frönt, kann sich jetzt mit der Theodor-Billroth-Goldmünze eindecken. Die auf dem Geldstück aufgeprägten 50 Euro spielen in der Praxis keine Rolle. Während die Münze am 11. Februar am Ausgabetag noch für 258 Euro zu haben war, berappen Sammler wegen des seither gestiegenen Goldpreises bereits 286 Euro. Öhler: „Wer heute diese Münze kauft, zahlt 21 Prozent mehr, als der Goldanteil wert ist.“ Dafür bleibt der Glanz erhalten, auch wenn der Goldpreis zwischenzeitlich wieder fallen sollte.

Von Ingrid Krawarik, Robert Winter

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