Goldrausch: 5 Gründe, warum der Preis des Edelmetalls weiter steigt

Warum der Preis des Edelmetalls weiter steigt. Wo die Käufer sitzen, weshalb die Minen immer weniger hergeben und was jetzt für Goldminen als die beste Anlage-Variante spricht.

Am 2. April 2012 steigt Griechenland aus dem Euro aus. Drei Tage später erfasst die Bankenkrise ganz Europa. Die EU verdoppelt den Rettungsschirm notgedrungen auf 1.500 Milliarden Euro. Am 20. Juni gibt auch Portugal auf. Die einzig verbliebene Möglichkeit zur Rettung der Eurozone, gemeinsame Staatsanleihen aller Mitglieder, scheitert im Juli am Veto Deutschlands. Am 5. August wird in den starken Eurostaaten der neue Nord-Euro als letzter Ausweg eingeführt. Die Realwirtschaft in Deutschland und Österreich rutscht anschließend in eine tiefe Rezession, weil die Exportmärkte in Südeuropa über Nacht wegbrechen. Die EZB ist hilflos, populistische Euroskeptiker bekommen überall politisches Oberwasser. Das Chaos, vor dem sich alle gefürchtet haben, ist zur Realität geworden.

Dieses Crash-Szenario malte Anfang dieser Woche das deutsche „Handelsblatt“ an die Wand – eine seriöse Wirtschaftszeitung, die normalerweise nicht zum Panikmachen tendiert. Ob nun tatsächlich ein Schuldendesaster droht oder nicht, weiß freilich niemand. Klar ist aber, dass ein solches Worst-Case-Szenario zwar unwahrscheinlich, aber nicht ganz auszuschließen ist. Klar ist auch, dass die tiefen Ängste vor einer solchen Eskalation schon heute den Goldpreis auf immer neue Kursrekorde treiben.

Wenn sich ATX, DAX und Dow ins Minus verabschieden, stört das Goldanleger wenig – ihre Gewinne steigen scheinbar unaufhaltsam weiter. Seit September 2008 schoss der Kurs pro Feinunze aus Sicht eines Euroanlegers um 145 Prozent in die Höhe. Roland Stöferle, Goldexperte der Erste Bank, sieht das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht: „Bis zum Jahr 2013 wird der Goldpreis auf mindestens 2.300 US-Dollar pro Feinunze ansteigen.“ So gesehen wäre jede Schwächephase eher ein Grund zum Einstieg als zum Ausstieg.

FORMAT analysiert die Chancen von Goldinvestments und liefert Argumente, warum der Rohstoffpreis langfristig weiter nach oben klettern wird.

Goldgräberstimmung einmal umgekehrt

Die Krisenangst in der Eurozone sorgt vor allem in Österreich und Deutschland für einen lebhaften Absatz von Goldmünzen und -barren. Für manche ist sogar eine neue Ära für Goldgräber angebrochen – allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Das Gold wird nicht mehr mühsam aus dem Boden geholt, sondern im Schweiße des Angesichts im eigenen Garten verbuddelt. Möglicher Hintergedanke: In der Wirtschaftskrise in den 30er-Jahren mussten die Amerikaner ihr privates Gold an den Staat abliefern, also könnte im schlimmsten Fall auch in Europa der Zugriff auf das Bankschließfach gesperrt werden. Während solche Gedanken eher unter die Rubrik Paranoia einzuordnen sind, raten auch seriöse Anlageexperten, einen Anteil von fünf bis zehn Prozent des Vermögens in Gold zu halten – gleich ob in Münzen oder über Fonds.

Deutlich höhere Quoten steigern das Risiko des Gesamtdepots zu stark. Wie die 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts zeigten, ist der Goldkurs keine Einbahnstraße. Der damals kurzfristig erzielte Preis wurde – zumindest wenn man die Teuerung einberechnet – bis heute nicht wieder erreicht. Auch in dieser Woche zeigte sich das Edelmetall von einer ziemlich launischen Seite: Nur zwei Tage nachdem ein neues Allzeithoch von über 1.920 Dollar pro Unze erreicht wurde, sackte der Preis wieder auf 1.800 Dollar ab.

Auch Goldfans wie der Schweizer Börsenguru Marc Faber raten deshalb nur zum Golderwerb in Etappen: „Ich kaufe selbst jeden Monat ein wenig Gold. Es ist wie eine Versicherung gegen Systemfehler der Finanzmärkte.“ Und solche sicheren Häfen sind derzeit rar. In soliden Staatsanleihen sind die Renditen auf ein Minimum zusammengeschrumpft, der Schweizer Franken bietet nach der Ankoppelung an den Euro keine Kursfantasie mehr (siehe Substory ).

Der wohl triftigste Grund für die spektakuläre Entwicklung des Goldpreises sind aber nicht besorgte Europäer, sondern die immense Nachfrage nach Schmuck, vor allem aus den Schwellenländern. Thorsten Pröttel, Rohstoffanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Die Goldrally wird anhalten. Alleine die weltweite Schmucknachfrage ist im ersten Quartal 2011 mit 566 Tonnen Gold um 56 Prozent gestiegen.“ In den Emerging Markets, in denen rund 50 Prozent der Weltbevölkerung leben, entwickelt sich eine immer größer werdende Mittelschicht, die sich nicht nur Schmuck leisten kann, sondern auch Investments sucht, um sich vor der allgegenwärtigen Inflation zu schützen.

Bereits 2010 waren die Schwellenländer für 60 Prozent der weltweiten Nachfrage verantwortlich. Und der Boom geht weiter: In China verdoppelte sich der Goldabsatz in den ersten drei Monaten 2011 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Gefragt ist das chemische Element mit der Ordnungszahl 79 auch bei den Indern. Goldschmuck zählt als Brautgeschenk für Hochzeiten praktisch zum Standard. Schließlich dienen den indischen Frauen die goldenen Präsente nicht nur als Zierde, sondern auch als Absicherung für den Fall, dass sich der Ehemann irgendwann wieder verabschiedet. Das Geld dafür ist durchaus vorhanden: 2010 kauften die Inder mit 0,8 Gramm Gold pro Kopf bereits um 40 Prozent mehr Goldschmuck als noch im Jahr davor.

Zentralbanken kommen auf den Geschmack

Zwecks Absicherung greifen zunehmend auch Nationalbanken zum Edelmetall. Während in vielen westlichen Ländern die Devisenreserven zu mehr als 70 Prozent in Gold angelegt sind, hat Chinas Zentralbank gerade erst begonnen, Goldbarren in großem Stil einzulagern. Pedram Payami, Rohstoffexperte der Schweizer EFG: „Chinas Zentralbank verfügt über Devisenreserven in Höhe von rund zwei Billionen US-Dollar. Wenn China nur einen Bruchteil davon zusätzlich in Gold investiert, hat das eine enorme Wirkung auf den Goldkurs.“

Genau das machen die Chinesen seit 2010. Davor kauften sie mit ihren Devisenreserven nämlich hauptsächlich US-Staatsanleihen. Payami: „Chinas Zentralbank verfügte 1990 über knapp 13 Millionen Unzen Goldreserven, heute sind es mit 34 Millionen Unzen schon dreimal so viel.“ Um eine Vorstellung zu bekommen, wohin die Reise gehen könnte: Die Zentralbank in Peking hat erst knapp zwei Prozent ihrer gesamten Reserven in Goldbarren investiert. Neben China verdoppelte die russische Nationalbank seit 2007 ihre Goldbestände auf aktuell 840 Tonnen. Im Frühjahr 2011 überraschte die mexikanische Notenbank mit Goldbarrenzukäufen von über 90 Tonnen den Markt. Sie hat so auf einen Schlag ihre Goldreserven auf 106 Tonnen angehoben.

Explodierende Förderkosten

Gold ist in der Erdkruste nur in Spuren vorhanden. Das ist auch der Grund, warum der Abbau des Edelmetalls extrem aufwendig ist. Um etwa vier Gramm des golden schimmernden Rohstoffes zu gewinnen, müssen 1.000 Tonnen Gestein aus dem Erdreich befördert werden. Dass dieser Vorgang sehr kostenintensiv ist, versteht sich von selbst.

Christoph von Bonin, Vermögensverwaltungs-Chef bei der Liechtensteinischen Landesbank in Österreich: „Die Goldförderung hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verteuert. 2010 lag der Aufwand für die Förderung bei rund 925 US-Dollar pro Feinunze Gold.“ Heuer dürfte bereits die 1.000-Dollar-Marke durchbrochen werden. Einerseits nimmt der Goldgehalt immer weiter ab, andererseits explodieren die Kosten für Diesel, Personal und das Förderequipment. Ein einziger großer Reifen für ein Abraumfahrzeug kann leicht 60.000 Dollar verschlingen, und man kann schon froh sein, wenn man nicht monatelange Wartezeiten in Kauf nehmen muss.

Diese ausufernden Kosten sind auch eine Absicherung gegen einen stark fallenden Goldpreis. Falls die Minen nicht mehr Gewinn bringend produzieren können, werden weniger ertragreiche Stollen und Gruben stillgelegt. Wie beim Rosinenpicken konzentriert sich die Branche dann auf besonders gehaltvolle Abbauplätze. Der Effekt ist jedem Kuchenesser bekannt. Am Ende bleiben nur noch die Reste übrig. Und das heißt, übersetzt in die Kostenrechnung der Goldbranche: die besonders teuer zu fördernden Lagerstätten. Damit, so Joachim Berlenbach, Manager des Earth-Gold-Minenfonds, wäre dann der nächste Preisschub nur eine Frage der Zeit.

Berlenbachs Anleger hätten durchaus ein gutes Polster für eine vorübergehende Durststrecke. Mit einem durchschnittlichen Jahresertrag von 46,9 Prozent in den vergangenen 36 Monaten ist der Earth Gold nicht nur der ertragreichste Minenfonds, sondern der beste Fonds aller in Österreich erhältlichen Anlagekategorien. Es spricht aber einiges dafür, dass die Anleger nicht lange auf Gewinne warten müssen. Erstens sind die Kurse der Goldminen heuer weit hinter dem Anstieg des physischen Goldes zurückgeblieben. Zweitens liegen die Gewinne der Minen im ersten Halbjahr 2011 im Schnitt um 35 Prozent höher als im Startsemester 2010. Und drittens zeigen die Aktien und damit auch die Fonds in den vergangenen Wochen wieder deutliche Anzeichen von Stärke. Offensichtlich fällt die Auseinanderbewegung zwischen Goldpreis und Aktienkursen immer mehr Anlegern auf.

Hochsaison im Herbst

Was für ein österreichisches Hochzeitspaar der Mai, ist für Inder der Herbst. Deswegen füllen Juweliere ab dem dritten Quartal ihre Lager auf. In den vergangenen Jahren schlug dieser Effekt augenscheinlich auf den Weltmarktpreis durch. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Goldpreis im September zulegt, liegt bei 65 Prozent.

– Carolina Burger, Martin Kwauka

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