Glanzlichter im ATX: FORMAT verrät, welche Austro-Aktien Aufschwungspotenzial haben

Der dosierte Einstieg in Wiener Aktien dürfte sich weiter lohnen. FORMAT analysiert, welche Konzerne gute Zahlen lieferten, und zeigt, welche Österreich-Aktien das größte Kurspotenzial haben.

Im Vorjahr gab es für die Top-Aktien der Wiener Börse fast nur eine Richtung – nach oben. An der Spitze stand der Wettanbieter bwin, dessen Aktie gleich um 213,8 Prozent in die Höhe raste. Anleger hatten aber auch mit dem Papier von Zumtobel, das um 145,5 Prozent zulegte, ihre Freude. Ähnlich gut lief es für Semperit: Die Aktie ist seit Anfang dieser Woche im Wiener Leitindex ATX zu finden und wies plus 128,6 Prozent auf. Seit Jahresbeginn werden ­jedoch abgesehen vom Feuerfestkonzern RHI (plus 60 Prozent seit Jänner 2010) wieder kleinere Brötchen gebacken (siehe Tabelle ) .

Positive Überraschungen
Das spiegelt auch der moderate Anstieg des ATX wider, der 2010 in einem Wechselspiel von Auf und Ab bislang nur magere 3,6 Prozent nach oben kletterte. Durchwachsen fällt auch die Berichtssaison aus. Positiv überraschten Industriekonzerne wie RHI, Andritz und voestalpine. Gute Zahlen reportierte auch ATX-Neuling Semperit. Alois Wögerbauer, Fondschef der 3 Banken Generali: „Bei Semperit macht die Produk­tion von medizinischen Handschuhen 40 Prozent des Umsatzes aus. Ich habe die Aktie gerne im Fonds, weil es wichtig ist, konjunkturunabhängige Papiere, deren Geschäftsmodelle überzeugen, zu besitzen.“ Nicht alle guten Nachrichten sind jedoch für bare Münze zu nehmen. Stefan Maxian, Analyst der Raiffeisen Centrobank: „Andritz hat sehr gute Zahlen präsentiert, weil im letzten Quartal mehrere Projekte abgerechnet wurden. Das verzerrt das Ergebnis natürlich ein wenig. Aber der Konzern ist auf einem guten Weg.“

RHI profitiert von Schwellenland-Präsenz
Ein wahrer Liebling der Experten ist RHI. Der Feuerfestkonzern konnte den Gewinn vor Zinsen und Steuern im vierten Quartal um 27 Prozent steigern. Günther Artner, Erste-Bank-Analyst: „Das Ergebnis war über den Erwartungen. RHI profitiert ungemein von seiner globalen Präsenz, vor allem vom Aufschwung in den Schwellenländern.“ Auch das Stahlgeschäft kommt wieder in Schwung. Börsenexperte Wolfgang Matejka: „Bei Stahl haben sich alle Worst-case-Szenarien als zu übertrieben herausgestellt. Die Unternehmen brummen wieder, aber die Margen sind wegen dem gesunkenen Stahlpreis sehr tief. Deswegen wird sich für Stahlwerte 2010 nicht der Himmel aufsperren.“ Bei bwin gibt es gleich drei große Themen, die der Aktie weiter auf die Sprünge helfen könnten. Alfred Reisenberger, Cheuvreux-Aktienexperte: „Zum Ersten kommt die Fußball-WM. Das ist für die Nummer eins im Sportwettengeschäft eine gute Nachricht. Weiters ist die Liberalisierung am französischen Wettmarkt nicht mehr aufzuhalten, ich rechne damit im Juni. Außerdem gehen nach wie vor Übernahmegerüchte um.“

Immo-Papiere im Aufschwung
Eine rasante Aufholjagd haben die österreichischen Immobilienpapiere hinter sich. Fondsmanager Wögerbauer hat die Quote der Aktien wie Immofinanz und conwert in seinem Österreich-Fonds auf 13 Prozent deutlich angehoben. Wögerbauer: „Bei der Immofinanz sehe ich ­heuer ein Potenzial von 20 bis 30 Prozent.“ Während sich bei internationalen Immobilienaktien die Differenz vom Kurs zum inneren Wert klar verringert hat, notieren die österreichischen Papiere noch immer 50 Prozent darunter. RCB-Immoexperte Reinhard Ebenauer: „Mir gefällt conwert ausnehmend gut, das Unternehmen will heuer erstmals eine Dividende zahlen.“ Günther Artner ist davon überzeugt, dass neben Immoaktien, bei denen die Abwertungen wegfallen sollten, 2010 vor allem Industrieunternehmen die Wachstumstreiber des ATX sein werden. Für 2011 sieht er eine Rückkehr der Banken-Titel.

Problemkinder an der Wiener Börse
Bei einigen Unternehmen lief es allerdings nicht nach Wunsch. Zu den Enttäuschungen zählen unter anderem Intercell, OMV und Verbund. RCB-Experte Maxian: „Intercell ist mit dem ersten Impfstoff gegen die Japanische Enzephalitis hinter den Umsatz­erwartungen zurückgeblieben, weil die Grippe beherrschendes Thema war. Langfristig gesehen hat Intercell aber hoch­interessante Projekte in der Pipeline.“ Bei der OMV fehlt es hingegen an Euphorie. Wögerbauer: „OMV ist eine der billigsten europäischen Ölaktien, aber irgendwie geht dort nichts weiter, es mangelt an einem Treiber, der das Kursniveau wieder in die Höhe schraubt. Es bräuchte einen Expansionsschritt, der zu Ende geführt wird.“

Keine Börsengänge absehbar
Frischer Wind weht gerade an der deutschen Börse, wo sich noch im März gleich mehrere Unternehmen neu aufs Parkett wagen. In Österreich herrscht beim Thema Börsengang noch Funkstille. Cheuvreux-Analyst Reisenberger: „Bei uns wird es ganz sicher keinen Börsengang geben, weil die Attraktivität der bereits notierenden Unternehmen zu groß ist.“ Bewegung könnte allenfalls in die Kursentwicklung der EVN-Aktie kommen, weil der deutsche Versorger EnBW Energie Baden-Württemberg plant, seine EVN-Beteiligung, die aktuell rund 36 Prozent beträgt, abzustoßen. So sicher ist das Ganze aber nicht. Erste-Bank-Analyst Artner: „Die brauchen noch einen Zweiten, der die EVN-Anteile haben will.“

ATX bei 3.000 Punkten
Ein alter Börsen­spruch lautet: „Sell in May and go away“. Der muss sich allerdings nicht immer bewahrheiten. Denn wer Wiener Aktien im Mai 2009 auf den Markt geworfen hat, ist um die Früchte des weiteren Booms umgefallen. Die Experten sehen auch heuer keinen Grund, der Börse in ein paar Wochen den Rücken zu kehren. Börseprofi Matejka: „Dieser Spruch ist nicht mehr als Romantik.“ Reisenberger gibt Anlegern noch eine weitere Weisheit mit auf den Weg: „Hin und her macht Taschen leer.“ Keinen Grund, die Reißleine zu ziehen, sieht auch Raiffeisen-Fondsmanager Günther Schmitt: „Ich rechne damit, dass der ATX mit 3.000 Punkten aus dem Jahr gehen wird, was gegenüber jetzt einem Plus von 20 Prozent entspricht.“ Vorsicht ist geboten, weil die Schätzungen für die weitere Konjunkturentwicklung keine Euphorie auslösen.

Ingrid Krawarik, Robert Winter, Carolina Burger

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