Giganten der Börse: Welche Aktien aus Schwellenländern die Welt erobern

Immer mehr Schwellenländerkonzerne werden Weltklasse. FORMAT analysiert, wie Aktionäre davon profitieren und welche Unternehmen der Industriestaaten den Boom nutzen.

Geldmanager Antoine van Agtmael leistete 1981 Pionier­arbeit. Um das Interesse von Anlegern für exotische Börsen zu schüren, benutzte er einen Kunstgriff. Anstelle der bis dahin für Schwellenländer gebräuchlichen Bezeichnung „Dritte Welt“ führte er den positiv besetzten Begriff „aufstrebende Staaten“ ein. In der Zwischenzeit führt kaum noch ein Weg an Schwellenländeraktien vorbei.Die Vision des in Holland geborenen Experten wurde Realität. Van Agtmael, der als Chef des Investment-Unternehmens Emerging Markets Management rund zehn Milliarden Dollar in Schwellenländer­aktien verwaltet, im FORMAT-Gespräch: „Vor der Finanzkrise haben die Schwellenländer 25 Prozent zur weltweiten Wirtschaftsleistung beigetragen. Mittlerweile ist der Anteil auf ein Drittel weiter gestiegen. Beim privaten Konsum haben die aufstrebenden Staaten die USA schon überholt“.

Wie stark sich der Aufschwung der Exotenstaaten auch in der Welt der Börsen niederschlägt, belegen Zahlen von Morgan Stanley, nach denen bereits rund ein Siebentel des weltweit in Aktien investierten Geldes in Schwellenländerpapieren liegt. FORMAT analysiert, welche Konzerne aus den Schwellenländern in die weltweite Top-Liga der Börsen aufsteigen können und welche westlichen Unternehmen ­besonders von den stark wachsenden ­Regionen der Weltwirtschaft profitieren.

Am Weg nach oben  

Unter den Auto­bauern hat Hyundai Motor das Zeug dazu, Toyota in fünf bis sechs Jahren zu überholen. Die Vorzeichen dafür stehen günstig. Der koreanische Konzern hat es recht­zeitig geschafft, Produktionsstätten nach Indien, China, Tschechien und die USA zu verlagern, was das Risiko von Währungsschwankungen erheblich verringert. Ein gutes Händchen hat das Hyundai-Management auch beim Einstieg in neue Märkte bewiesen. Experte van Agtmael: „Hyundai gewinnt in so gut wie allen Schwellenländern Marktanteile. Einzig der Umstand, dass der koreanische Autobauer die Entwicklung bei Hybrid- und Elektroautos verschlafen hat, könnte sich noch als Bumerang erweisen.“ Ähnlich ist die Lage bei Samsung. Ulrich Baumann, Fondsmanager des Fernostaktienfonds Volksbank Pacific Invest: „Vor zehn Jahren war der Konzern noch nahezu unbekannt. Jetzt ist Samsung eine Welt­marke der Elektronikbranche. Im Gegensatz zu Mitbewerber Sony entwickelt sich Samsung aber dynamischer.“ Diese Dynamik schlägt sich in der Aktieneinstufung nieder. 41 der 43 Analysten, die das Papier bewerten, raten derzeit zum Kauf.

Stetes Wachstum ist das Kennzeichen des an der Börse Hongkong gelisteten weltweit größten Telekomkonzerns China Mobile. Monat für Monat kommen rund fünf Millionen neue Kunden dazu. Ende Juni hatte China Mobile 554 Millionen ­Telefonierer unter Vertrag. Die steigende Masse der Kunden alleine reicht aber nicht aus, um den Aktienkurs, der auf Jahressicht um 12,2 Prozent zulegte, zu beflügeln. Volksbank-Experte Baumann: „Obwohl China Mobile das beste Telekom-Unternehmen der Welt ist, das über ein sehr gutes Glasfibernetz verfügt, müssen die Umsätze pro Benutzer steigen. Das neue 4G-Mobilfunknetz könnte den entscheidenden Impuls dafür schaffen.“

In der Ölindustrie wiederum hat Petrobras aus Brasilien in den vergangenen Jahren zum Kreis der weltgrößten Förderer aufgeschlossen. Damit die Aktie, die auf Jahressicht in Euro gerechnet nur um 0,6 Prozent zulegte, wieder in Schwung kommt, sind aber mehrere Probleme zu bewältigen. Einerseits kämpft der von der Politik dominierte Konzern damit, dass der brasilianische Staat 40 Milliarden Dollar Abgeltung für Ölreserven kassieren will. Andererseits droht nach der BP-­Katastrophe eine empfindliche Erhöhung der Versicherungsprämien.

Wache in Afrika
 
Rund läuft es dagegen bei der britischen Sicherheitsgesellschaft G4S. Die an der Londoner Börse notierte Aktie gewann in Euro auf Jahressicht 24,2 Prozent an Wert, neben lukrativen Auf­trägen für die britische Regierung wird das Engagement in den Schwellenländern weiter forciert. Graham French, Fondsmanager des Weltaktienfonds M&G Global Basics: „Vergangenen Herbst habe ich 15 Minengesellschaften im Kongo, in Moçambique und in Sambia besucht. Jede der Minen wird von G4S bewacht. Der Grund dafür ist, dass lokale Sicherheitsunternehmen gegen Korruption nicht gerade immun sind. Da vertrauen die Minenbetreiber lieber auf ein Unternehmen mit weltweit etwa 150.000 Mitarbeitern.“

Von den veränderten Essgewohnheiten in den Schwellenländern profitiert der weltgrößte Nahrungsmittel-Multi Nestlé. 2009 wurde bereits ein Drittel des Gesamtumsatzes von 72 Milliarden Euro in China, Brasilien, Russland oder Indien erzielt. Das reicht Nestlé-Chef Paul ­Bulcke noch nicht, peilt er doch weiter steigende Absätze an, die über dem Wirtschaftswachstum des jeweiligen Landes liegen sollen. Auch für die Fastfood-­Kette McDonald’s macht es sich bezahlt, dass Asiaten immer häufiger zu Burgern und Pommes greifen als zu Reis oder Maniok. Der Vorteil für Investoren: Die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Schätzungen für 2010 mit einem Wert von 15,8 noch nicht zu teuer, die Dividendenrendite von 3,1 Prozent gibt zusätzlichen Halt.

Robert Winter

Das Interview mit Antoine van Agtmael, dem Erfinder des Begriffs "Emerging Markets" lesen Sie im aktuellen FORMAT Nr. 29, Seite 63

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