Geldanlage 2011: Was Sie noch tun können, um der neuen Aktien-KESt zu entkommen

Seit Jahresanfang ist die neue Aktien-KESt in Kraft. FORMAT zeigt, wie Sie Steuerfallen umgehen und verbleibende Spielräume nutzen.

Eigentlich müsste der Finanzminister ab sofort Weiterbildungskurse für Anleger fördern. Schließlich schneidet der Fiskus künftig bei Kurs­gewinnen mit. Von der neuen Vermögenszuwachssteuer in Höhe von 25 Prozent sind alle Wertpapiere von Aktien über Anleihen bis zu Zertifikaten und Optionen einschließlich Fonds betroffen. In der ­Regel gilt die neue Steuer für alle Wert­papierkäufe, die ab 1. Jänner 2011 getätigt werden. Das heißt: Wer jetzt Aktien um 5.000 Euro kauft und zum Beispiel nach fünf Jahren mit 2.000 Euro Gewinn verkauft, erhält nur 6.500 Euro gutgeschrieben, weil die Bank ein Viertel des Profits, also 500 Euro, ans Finanzamt überweist. Grundsätzlich bleiben Wertpapiere, die bereits Ende 2010 am Depot lagen, auf Dauer von der neuen KESt verschont. Allerdings gibt es auch für Altfonds eine teilweise Besteuerung der innerhalb des Fonds erzielten Kursgewinne.

FORMAT analysiert die Fallstricke des zum Jahresanfang in Kraft getretenen Gesetzes und zeigt, welche Spielräume bestehen, um der neuen Abgabe so weit wie möglich zu entkommen.

1.Trennen Sie Neukäufe und Altbestände gleicher Wertpapiere

Aufpassen sollte man bei Teilverkäufen von gleichen Wertpapieren, die sowohl vor als auch nach dem Stichtag 1. Jänner 2011 erworben wurden. Steuerlich bucht nämlich die Bank üblicherweise zuerst die frühesten Anschaffungen aus, es gilt also das sogenannte First-in-first-out-Prinzip. Das Problem: Es werden unerwünschterweise ausgerechnet die noch KESt-frei erworbenen Papiere eliminiert und nicht die KESt-pflichtigen. Um das zu verhindern, kann man bei der Bank ein zweites Depot für Neuanschaffungen einrichten. Gegebenenfalls könnte man auch die Sparpläne für einen Fonds stoppen und künftig in einen anderen Fonds einzahlen, um Alt und Neu zu trennen. Manche Banken bieten bereits Lösungen an, die ab heuer erworbenen Anteile in einer zusätzlichen Buchungszeile am Depot aufzuführen. Wer zum Beispiel beim Diskontbroker bankdirekt.at monatlich Geld in einen Fondssparplan investiert, bekommt für die neuen Raten automatisch eine Extra-Buchungszeile. Man kann dann bei Teilverkäufen entscheiden, welche Anteile veräußert werden. Die direktanlage.at programmiert bis Ende Februar ein der­artiges System. Bis dahin werden im Zweifelsfall zuerst die heuer angeschafften Papiere abgestoßen. brokerjet empfiehlt die Eröffnung eines Zweitdepots, weil dies ­ohnehin gratis sei. Tipp: Erkundigen Sie sich bei Ihrer Bank, wie diese vorgeht.

2.Fondssparpläne als Tilgungsträger bei der Wertpapier-KESt begünstigt

Wer im Zusammenhang mit einem endfälligen Immobiliendarlehen bis Ende Oktober 2010 bei einer Bank einen Fondssparplan als Tilgungsträger abgeschlossen hat, braucht auch für künftige Raten keine KESt für die beim Anteilsverkauf erzielten Gewinne zahlen. Das Gleiche gilt auch für Erträge aus Devisensicherungsgeschäften für Fremdwährungsdarlehen. BDO-Steuerberater Karl Bruckner: „Die Befreiung gilt für Darlehen bis zur Höhe von 200.000 Euro. Wenn das Darlehen 300.000 Euro ausmacht, wären nur zwei Drittel der Fonds­gewinne steuerbegünstigt.“

3.Fondspolizzen als Alternative für Fondssparpläne

Lebensversicherungen sind von der neuen Wertpapier-KESt nicht betroffen, das gilt auch für die Zukunftsvorsorge und fondsgebundene Varianten. Es ist eine Über­legung wert, künftig Fonds in einem Ver­sicherungsmantel zu erwerben. Dann fallen nur vier Prozent Versicherungssteuer an. Generell gilt: Je höher die künftigen Gewinne, desto eher lohnt sich eine Fonds­polizze. Allerdings sollte man vor dem ­Abschluss die Kosten und die Breite des Einzelfonds-Angebots bei verschiedenen Versicherungen vergleichen. Tipp: Man kann sich die teuren Abschlussprovisionen sparen, wenn man sogenannte Direktionspolizzen abschließt und dafür auf die Be­ratung verzichtet. Die Kontaktaufnahme ­erfolgt am einfachsten über eine E-Mail
an die Zentrale der Assekuranz.

4.Alte Versicherungs-Einmalerläge bis zu 100 Prozent aufstocken

Für Abschlüsse ab 1. Jänner wurde die Mindestlaufzeit von Einmalpolizzen von zehn auf fünfzehn Jahre verlängert. Man kann aber einen früheren Einmalerlag bis zum Doppelten der ursprünglichen Ein­zahlung aufstocken, ohne dass sich dessen ursprüngliche Laufzeit verlängert. Das ist jetzt aus steuerlichen Gründen bei Fondspolizzen besonders interessant. Außerdem ist es bei Einmalpolizzen generell ohne Nachversteuerung erlaubt, 25 Prozent der eingezahlten Prämie vorzeitig zu entnehmen. Uniqa-Vorstand Werner Holzhauser: „Bei Versicherungen mit laufender Prämie gibt es keine steuerliche Mindestfrist. Hier wären also zum Beispiel weiterhin zehnjährige Verträge möglich.“ Kürzere Fristen als zehn Jahre sind aber in der Regel aus Kostengründen nicht sinnvoll. Wichtig ist, dass im Vertrag steht, dass die Raten bis zum Ende der Laufzeit entrichtet werden. Es ist aber trotzdem unbedenklich, die Einzahlungen vorzeitig zu stoppen.

5.Steuergünstiger Kauf von Optionen und bestimmter Zertifikate bis 30. 9.

Ein generelles Schlupfloch gilt beim Kauf von Derivaten wie etwa Optionsscheinen, von Einzelanleihen und von einigen Zertifikaten, die bisher KESt-frei waren. Das betrifft zum Beispiel Turbozertifikate mit einem Hebel, der bei der Emission größer als fünf war. All diese Papiere können noch bis zum 30. September 2011 ge­ordert und beliebig lange behalten werden, ohne dass für die Kursgewinne Wertpapier-KESt anfällt (die KESt auf An­leihenzinsen wird natürlich trotzdem abgezogen). Anbieter wie RCB, Erste Bank oder Royal Bank of Scotland zeigen auf ihrer Homepage, ob ein Zertifikat KESt-frei ist oder nicht.

Martin Kwauka, Carolina Burger

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