Gebremstes Risiko: Wie Sie jetzt Ihr Depot sichern

Griechenland, Italien, weltweiter Konjunktur­einbruch: Derzeit werden Anleger von vielen Seiten bedroht. FORMAT zeigt, wie Sie Ihr Depot vor hohen Verlusten bewahren.

Gekonnt hantelt sich ein Bergsteiger die Wand entlang. Doch dann: Ein Stein bricht weg, der Kletterer stürzt in die Tiefe. Zum Glück hält das Seil und fängt den Fallenden rechtzeitig auf. Ein paar Schrammen bleiben, aber die große Katastrophe wird verhindert. Ähnlich wie ein Bergsteiger können auch Anleger ihr Depot vor dem großen Fall schützen. Die Varianten reichen von Stop-Loss-Limits über Hebelzertifikate und Optionsscheine bis zu Fonds mit eingebautem Sicherungsnetz. Diese Airbags helfen zwar nicht gegen kleine Kursrückgänge, vermeiden aber den Totalverlust.

Wolfgang Matejka, Chef von Matejka & Partner: „Anleger müssen wissen, was sie am meisten befürchten. Erst dann ist zu beurteilen, ob einzelne Aktien ab­gesichert werden sollen oder ob man sich zum Beispiel allgemein gegen einen Crash mit weltweiten Auswirkungen auf die Börsen schützen will.“ Realistische Krisenszenarien zu identifizieren ist deswegen wichtig, weil erst dann beurteilt werden kann, welche Gegenstrategie sinnvoll und kostengünstig ist.

Lieber ein Ende mit Schrecken … 

Am einfachsten kann man sich vor zu heftig fallenden Kursen schützen, wenn ein sogenanntes Stop-Loss-Limit gesetzt wird. Das funktioniert bei Aktien, Zertifikaten und auch bei Fonds, die über klassische Börsen gehandelt werden. Dieser Zusatz beim Verkauf verursacht zumindest bei Online-Brokern keine Extra-Verkaufsspesen und wird selbst im System eingegeben.

So funktioniert’s: Eine Aktie, die zum Beispiel bei 30 Euro notiert, soll keinesfalls unter 25 Euro rutschen. Dann legt man diesen Kurs als Limit fest. Falls die Aktie nie so weit fällt, passiert gar nichts. Wird ­irgendwann die Schwelle verletzt, fliegt das Papier automatisch aus dem ­Depot. Achtung: Der Zusatz „Market“ ist einer „Limit-Order“ deswegen vorzuziehen, weil das ­Papier auch dann verkauft wird, wenn eine Aktie plötzlich so stark fällt, dass der gewünschte Kurs im Nu übersprungen ­wurde. In diesem Fall führt das System den Verkauf zum nächsttiefe­ren Kurs aus. Wolfgang Siegl-Cachedenier, Vorstand von brokerjet.at: „Limits zählen zu den wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen. Wir raten Anlegern, nie darauf zu verzichten.“

Wie hoch das Limit angesetzt wird, hängt davon ab, für welchen Zeitraum sich Investoren gegen Kursrückschläge schützen wollen. Siegl-Cachedenier: „Anleger, die Papiere nur für einige Tage absichern, kommen mit einem Limit aus, das ein paar Prozent unter dem aktuellen Kurs liegt. Wer einen längerfristigen Horizont hat, wird den gewünschten Verkaufskurs entsprechend tiefer ansetzen.“ Um den richtigen Punkt zu finden, hilft ein Blick auf den jeweiligen Kurs-Chart. Wenn etwa der Kurs früher mehrmals an der gleichen Marke wieder nach oben gedreht hat, kann man das Limit knapp darunter setzen. Tipp: Nie ein Limit bei runden Zahlen wählen. Diese Faustregel gilt auch für Hebelzertifikate, mit denen Anleger von fallenden Kursen profitieren können. Beispiel: Wer ein Hebel-Short-Zertifikat auf den DAX kauft, das bei fallenden Kursen an Wert gewinnt, ist gut beraten, die K.-o.-Barriere statt bei 6.600 bei 6.593 zu setzen.

Absichern mit Hebel

Heike Arbter, Zertifikate-Chefin der Raiffeisen Centrobank (RCB): „Short-Zertifikate eignen sich gut zur Depot­absicherung. Außerdem sind sie wesentlich einfacher an der Börse zu handeln als Optionen.“ Je höher der Hebel des Zertifikats ist, umso weniger Geld benötigen Anleger für die Absicherung. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass auch das Risiko mit dem Hebel ansteigt, weil der Abstand zur Knock-out-Barriere umso kleiner wird. Arbter: „Der Hebel von Turbozertifikaten sollte unter zehn liegen.“

Auf der Homepage www.ariva.de können Knock-out-Zertifikate nach der Aktie oder dem Index, dem Emittenten und der Knock-out-Schwelle übersichtlich sortiert werden. Um ein Depot mit Aktien des deutschen Leitindex DAX im Wert von 10.000 Euro abzusichern, könnten etwa 150 Stück Unlimited Short auf den DAX (DE000BP0A1V4) der BNP Paribas mit einem Knock-out-Level von 6.819 Punkten und einem Hebel von sieben gekauft werden. Bei einem aktuellen Kurs von 8,84 Euro kostet die Absicherung 1.320 Euro. Für den Fall, dass der DAX auf 4.000 Punkte fällt, würde das Knock-out-Zertifikat auf einen Wert von 4.228 Euro ansteigen. Damit könnten Verluste deutscher Aktien von 29 Prozent im Depot ausgeglichen werden. Steigt der DAX, verliert dafür das Short-Zertifikat an Wert. Bei einem DAX über 6.819 wäre das Papier verfallen. Das heißt: Investoren können mit Short-Zertifikaten sowohl Gewinne als auch Verluste in einem breiten Kursband neutralisieren. Das macht natürlich nur für eine gewisse Zeitspanne Sinn. Achtung: Zertifikate sind nur so sicher wie die Bank, die hinter dem Zertifikat steht.

Wesentlich schwieriger ist die Absicherung des Depots mit Optionen. Erstens haben Optionen ein Ablaufdatum und können am Ende einen Zeitwertverlust erleiden. Außerdem sind sie bei hohen Kursschwankungen teurer. Der Volatilitäts-Index (VIX), der Schwankungen des amerikanischen S&P 500 widerspiegelt, zeigt, dass die Börsianer derzeit extrem nervös und Optionen damit relativ teuer sind. Mit 30 Prozent liegt der VIX-Index derzeit deutlich über dem langjährigen Schnitt von 15 und 20 Prozent.

Illiquide Aktien sind meist nicht ab­sicherbar. Börsenprofi Matejka: „Oft ist es sinnvoller und kostengünstiger, anstelle von Einzelaktien gleich einen Index mittels einer Option zu schützen.“ Wenn die Kosten für die Absicherung mehr als einen einstelligen Prozentsatz des Depotwerts ausmachen, ist es sinnvoller, die Positio­nen zu verkaufen und sich Alternativinvestments wie Mischfonds, Fondssparpläne oder Bonzuszertifikate zu überlegen.

Karl Freidl, Leiter des Portfoliomanagements des Bankhauses Krentschker: „Ich empfehle Kunden, etwa ein Drittel ihres gesamten Aktienvolumens in Bonuszertifikate zu investieren.“ Bonuszertifikate bewahren allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt vor Verlusten. Wird irgendwann während der Laufzeit die Barriere eingerissen, stehen Anleger danach ohne Schutz da. Freidl rät deshalb nur zu Papieren, die mindestens 50 Prozent von der Barriere des Indexes entfernt sind. Wegen des Restrisikos empfiehlt der Krentschker-Banker, die Bonuszertifikate zur Aktienquote zu zählen.

Carolina Burger, Robert Winter

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