Garantie allein ist noch kein Gütesiegel für die Altersvorsorge

Sicherheit gilt in der Pensionsvorsorge als Thema Nummer eins. Allerdings hält nicht jede Garantie, was sie verspricht. FORMAT zeigt, welche Versicherungslösungen sinnvoll sind.

Die Finanzkrise steckt den Kunden der Versicherungen immer noch tief in den Knochen. Produkte ohne Garantie, so heißt es in der Branche unisono, sind derzeit fast nicht zu verkaufen. Dementsprechend erlebte die schon als altmodisch abgetane klassische Lebensversicherung ein spektakuläres Comeback. Und wenn Fondspolizzen abgeschlossen werden, dann meistens mit Sicherheitsnetz.

Doch das Wort Garantie allein ist noch kein verlässliches Gütesiegel für die Altersvorsorge. Entscheidend ist, wann sie gilt und wie viele Ertragschancen bleiben. Schließlich ist eine lediglich nominelle Kapitalgarantie ohne Zusatzrenditen letztlich ein sicheres Verlustgeschäft. So haben 1.000 Euro, die heuer eingezahlt werden, in 20 Jahren selbst unter der Annahme einer eher moderaten Inflation von zwei Prozent nur noch eine Kaufkraft von 673 Euro (siehe www.zinsen-berechnen.de/inflationsrechner.php ). FORMAT analysiert, worauf man bei Garantiepolizzen achten sollte.

Zukunftsvorsorge in Not

Dass eine Kapitalgarantie Probleme verursachen kann, zeigt sich ganz besonders bei der Zukunftsvorsorge mit staatlicher Prämie. Hier führte der Börsenabsturz nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers dazu, dass eine ganze Reihe von Produkten ausgestoppt wurde. Um die Kapitalgarantie zu retten, wurde der Aktienanteil von einigen Assekuranzen und Fondsgesellschaften so weit abgesichert, dass im Extremfall bis zum Laufzeitende jeder Börsenertrag ausgeschlossen wurde.

Welche Produkte in welchem Ausmaß betroffen sind, ist immer noch nicht klar, weil viele Gesellschaften mit genauen Auskünften geizen. Deshalb ist es auch schwer möglich, konkrete Tipps zu geben. Wer bereits in eine Zukunftsvorsorge einzahlt, kann das Kapital ohnehin frühestens nach zehn Jahren entnehmen. Im Zweifelsfall lautet die Devise also abwarten, bis genauere Informationen vorliegen. Allenfalls kann man bis dahin mit weiteren Einzahlungen aussetzen.

Sinkende Gewinnbeteiligung

Um einiges transparenter sind klassische Lebensversicherungen konstruiert. Hier vermehrt sich der Sparanteil der Prämie, das sind rund 80 Prozent der Gesamteinzahlung, jährlich mit dem Garantiezins. Dazu kommt noch die variable Gewinnbeteiligung, sodass heuer je nach Institut mit einer Gesamtverzinsung von 3,25 bis 4,375 Prozent zu rechnen ist. Im kommenden Jahr dürften die meisten Gesellschaften die Gewinnbeteiligung wegen der extrem tiefen Zinsen für Staatsanleihen kürzen. Das genaue Ausmaß der Reduktion wird erst im Frühjahr 2011 feststehen. Wie hoch die Langfristrendite letztlich ausfallen wird, hängt ganz vom zukünftigen Zinsniveau ab. Allianz-Vorstand Manfred Baumgartl: „Als Faustregel lässt sich sagen, dass die Erträge ausreichen, langfristig die Inflation abzudecken, und darüber hinaus noch eine kleine reale Rendite übrig bleibt.“ Allerdings gilt dies nur, wenn der Vertrag wie vereinbart bis zum Ende läuft und nicht vorher gekündigt wird.

Kombi-Polizzen

Da reale Renditen von 0,5 bis 1 Prozent bei klassischen Tarifen nicht gerade üppig sind, bieten immer mehr Assekuranzen Produkte an, bei denen die Eigenschaften von herkömmlichen Lebensversicherungen und Fondspolizzen kombiniert werden. In einer Variante wird nur die Gewinnbeteiligung in Fonds investiert. Dadurch sind zwar höhere Erträge möglich, in der Anfangsphase ist aber der Fondsanteil noch zu gering, um nennenswerte Zusatzgewinne zu erwirtschaften.

Wesentlich besser sind Produkte der Uniqa und Wiener Städtischen, bei denen die Kunden ihr Geld jederzeit zwischen klassischer Veranlagung und Fondsinvestments umschichten können. Damit muss sich der Kunde am Anfang nicht auf eine Variante festlegen, sondern bleibt bis zum Ende der Laufzeit flexibel. Uniqa-Vorstand Werner Holzhauser: „Dabei ist es auch möglich, erzielte Gewinne in Sicherheit zu bringen und die laufenden Prämien in chancenreichere Fonds zu investieren.“

Fonds mit Garantie

Alle Anbieter von Fondspolizzen offerieren sowohl Fonds ohne als auch mit Garantie. Allerdings unterscheiden sich die Konstruktionen im Detail. Bis vor zwei Jahren gab es hauptsächlich starre Produkte, bei denen die Kunden auf Dauer in einer Garantiekonstruktion gebunden waren. Auch bei diesen Garantiefonds kam es in einigen Fällen zum unangenehmen Phänomen der Ausstoppung. Weiterer Haken: Die Kapitalgarantie gilt nur am vereinbarten Laufzeitende. Da erfahrungsgemäß jeder zweite Lebensversicherungsvertrag vor Ablauf storniert wird, zahlt ein beträchtlicher Anteil der Kunden Geld für ein Sicherungsnetz, das ihnen gar nicht zugute kommt. Tipp: Fragen Sie vor Vertragsabschluss genau, wann die Garantie gilt und welche Möglichkeiten zum Fondswechsel bestehen.

Neue Varianten der Fondspolizzen haben aus den Anfangsfehlern gelernt. Hier kann man zum Beispiel unter Fonds mit und ohne Kapitalschutz wählen. Dafür ist die Kapitalgarantie aber in der Regel begrenzt. Bernd Hartweger, Österreich-Chef von Clerical Medical: „Wir glauben, dass man mit 90 Prozent Garantieniveau letztlich besser fährt als mit 100 Prozent. Bei uns kann man die Fonds nämlich täglich wechseln“.

– Martin Kwauka

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