Fünf-Prozent-Sparbücher laufen aus, wegen Null-Inflation bleibt aber trotzdem mehr

Die Fünf-Prozent-Sparbücher laufen aus. FORMAT analysiert, warum sich Sparen trotzdem weiterhin lohnt und welche Alternativen Zinsjägern offenstehen.

Die niedrigen Zinsen sind ein echtes Ärgernis. Noch vor einem Jahr lockten die Banken bei Sparbüchern mit Jahresbindung mit bis zu fünf Prozent Zinsen. Aktuell bonieren die In­stitute jenen, die ihr Geld zwölf Monate arbeiten lassen, am Geldparkplatz gerade einmal rund zwei Prozent. Wegen der gesunkenen Inflation bleibt aber jetzt unterm Strich sogar mehr übrig als im Vorjahr. FORMAT zeigt, welche Banken die höchs­ten Zinsen zahlen und welche Sparalter­nativen offenstehen.

Rekordtief und Nullinflation  
Der Drei­monats-Euribor, an dem sich Sparzinsen orientieren, ist seit Oktober 2008 von 5,4 Prozent auf derzeit 0,95 Prozent abgesackt (siehe Grafik ) . Das freut zwar jene, die einen Kredit mit variablen Zinsen zurück­zahlen, Sparer hingegen bekommen immer weniger Zinsen. Und ein Zinsanstieg ist wahrscheinlich noch länger nicht in Sicht. Zinsexperten der Raiffeisen Zentralbank sehen bis 2010 keine Veränderung der kurzfristigen Zinsen und des Leitzinssatzes, weil die Konjunktur schlicht und einfach zu schwach ist. Gudrun Egger, Zinsexpertin der Erste Bank, schlägt in dieselbe Kerbe: „In der Eurozone durchschreiten wir gerade die Talsohle des Wirtschaftsabschwungs. Der Leitzinssatz wird bis ins zweite Quartal 2010 bei einem Prozent bleiben.“ Am besten kommen Sparer im Moment bei der türkischen Denizbank weg, die bei der Einjahresbindung 2,125 Prozent Fixzinsen zusichert. Die AutoBank, die noch vor einem Jahr 5,07 Prozent Zinsen bei Zwölfmonatsbindung per annum garantier­te, zahlt heute gerade einmal 1,77 Prozent für die gleiche Laufzeit aus. Bei den Großinstituten fallen die Zinsen auf Erspartes nur geringfügig niedriger aus (siehe Tabelle ) . Sparkunden bekommen aktuell bei der Erste Bank oder der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien 1,75 Prozent Zinsen per annum gutgeschrieben.

Inflation als Rettungsanker  
Sparern bleibt allerdings unterm Strich mehr übrig als noch vor einem Jahr. Das wird durch den zuletzt stark gesunkenen Verbraucherpreisindex möglich. Ein Beispiel: Im Juni 2008 erhielten Sparer einen durchschnittlichen Zinssatz für ein bis zwei Jahre gebundenes Kapital von 4,07 Prozent. Abzüglich der 25 Prozent KESt entsprach das einem Effektivzinssatz von 3,05 Prozent. Wird von diesem Betrag nun auch die durchschnittliche Inflation der vergangenen zwölf Monate von 2,18 Prozent abgezogen, hat sich das Angesparte nur um 0,88 Prozent vermehrt. Das trotz der nominell enorm hohen Zinsen. Nur ein Jahr später hat sich das Bild gewandelt. Der von der Oesterreichischen Nationalbank ermittelte durchschnittliche Sparzinssatz für ein- bis zweijährige Bindung lag im Mai bei 2,28 Prozent. Ab­züglich KESt blieb ein Effektivzinssatz von 1,71 Prozent. Allerdings betrug die Inflation im Mai nur magere 0,3 Prozent. Somit blieben Sparern am Ende 1,41 Prozent Realverzinsung. ING-DiBa-Öster­reich-Chefin Katharina Herrmann: „Im Juni sank die Inflation weiter und erreichte sogar null Prozent. Das bedeutet für Sparer, dass der Anlagezins nun exakt dem Realzinssatz entspricht.“

Kurze Bindung oder Garantie
Wie lange die Inflation im Keller bleibt, lässt sich nicht einmal durch einen Blick in die ­Glaskugel feststellen. Deswegen raten Experten, Erspartes nicht länger als ein Jahr auf Sparbüchern und Onlinekonten zu binden. Valentin Hofstätter, Zinsexperte der Raiffeisen Zentralbank: „Konten mit einem Fixzinssatz machen nur dann Sinn, wenn der Zinssatz höher ist als jener, der auf täglich fälliges Geld bezahlt wird.“ Wer etwa bei der Porsche Bank bis Ende Juli ein ­Online-Sparkonto eröffnet, bekommt auf täglich fälliges Geld bis 31. Jänner 2010 drei Prozent garantiert. Sparer, die ihr Geld doch länger binden möchten, bekommen auf dem Online-Sparkonto der Denizbank für drei Jahre 3,375 Prozent Fixzinsen gutgeschrieben. Zusätzlich gibt es Produkte, die als Sparbuchersatz fungieren können und mit Fixzinsen und einer Kapitalgarantie am Laufzeitende ausgestattet sind. So offeriert etwa die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich mit dem TopZins-Sparplan (ISIN AT0000A0DZ01) ein Ansparvehikel, das Anlegern bei regelmäßigen Sparraten von mindestens 100 Euro monatlich nach sieben Jahren fünf Prozent per annum garantiert. Die Sparrate wird dabei in eine Nullkuponanleihe mit drei Prozent Verzinsung investiert. Am Laufzeitende kommt ein Bonus von zwei Prozent pro Jahr hinzu. Wer insgesamt 8.400 Euro anspart, bekommt im Jahr 2016 nach Abzug der KESt 9.640 Euro ausgezahlt. Die Inflation ist in dieser Musterrechnung aber noch nicht berücksichtigt.

Sparbuch-Alternativen
Der Best Garant Pharma & Biotech II (ISIN AT000B003132) der Erste Bank bietet Anlegern einen jährlichen Fixzinssatz von mindestens 3,6 Prozent. Inves­toren haben aber die Chance auf mehr ­Ertrag. Denn die zusätzliche Kupon-Ausschüttung orientiert sich an der Wertentwicklung von 20 Aktien aus dem Gesundheitsbereich wie Bayer, BASF, Roche oder Sanofi-Aventis. Der Aktienkorb wird monatlich bewertet. Fällt keines der Papiere um mehr als 30 Prozent, werden für das betreffende Jahr 6,6 Prozent gutgeschrieben. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, zum Einstieg müssen aber zumindest 3.000 Euro auf den Tisch geblättert werden. Sparer, die doch an einen Anstieg der Inflation glauben, können sich mit der Morgan-Stanley-Zinsfloater-Anleihe (DE000MS0J253) schadlos halten. Dieses Papier garantiert jährliche 3,25 Prozent Fixzinsen über eine Laufzeit von fünf Jahren hinweg. Im ersten Jahr bekommen Sparer jedenfalls die 3,25 Prozent Zinsen. Danach wird der Kupon halbjährlich ausgezahlt und orientiert sich am Sechs­monats-Euribor. Steigt dieser über 3,25 Prozent, wird der höhere Zinssatz gut­geschrieben. Die mit Kapitalgarantie versehene Anleihe kann börsentäglich zur ­aktuellen Notierung verkauft werden.

Carolina Burger

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