Fremdwährungskredite: Häuselbauern droht Nachschuss wegen Börsenkrise

Kreditnehmer sparten für die Rückzahlung Wertpapiere an – was nun für manche zum Problem wird.

Die fallenden Aktienkurse bereiten derzeit auch Häuselbauern Kopfzerbrechen. Der Grund: Österreichische Banken vergaben in den vergangenen Jahren enorm hohe Summen an privaten Fremdwährungskrediten – so viel wie in keinem anderen Land im Euro-Raum. Ende Juni 2008 beliefen sich diese Kredite, die fast ausschließlich in Schweizer Franken ausgeliehen wurden, auf 34,8 Milliarden Euro und machten damit fast 30 Prozent der gesamten Privatkredite aus. Siebzig Prozent davon werden für den Hausbau verwendet.

Immer mehr Tilgungslücken
Das Problem ist aber weniger das Wiedererstarken des Frankens, sondern die Schwäche der Aktienmärkte: Drei Viertel der Fremdwährungskredite sind endfällig und mit einem sogenannten Tilgungsträger ausgestattet. Die Kreditnehmer zahlen nur die Zinsen. Das Kapital für die Rückzahlung wird via Fonds, Immoaktien oder Lebensversicherungen angespart. Laut Schätzungen der Nationalbank (OeNB) sind ein Viertel der verwendeten Tilgungsträger Investmentfonds mit Aktienanteil, was OeNB-Direktor Andreas Ittner (im Bild) mit Sorge betrachtet. Angesichts der fallenden Aktienkurse könnten manche Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden. Auch die Banken sind alarmiert. „Es haben immer mehr Kreditnehmer eine Tilgungslücke“, bestätigt Erste-Bank-Experte Manfred Katzenschlager.

Nachschuss nicht ausgeschlossen
Auch die Bank Austria, die gut 60.000 Kunden einen Fremdwährungskredit gewährte, hat in den letzten Monaten 3.000 Kunden angeschrieben, dass die aktuelle Performance des Tilgungsträgers unter den Erwartungen liegt. „Es ist nicht auszuschließen, dass demnächst weitere Kunden über die ungünstige Entwicklung ihres Tilgungsträgers zu informieren sind“, sagt Bank-Austria-Bereichsleiter Wolfgang Schilk. „Aber nur ein kleiner Teil davon wird aus heutiger Sicht seinen Kredit am Ende der Laufzeit aus dem Tilgungsträger nicht vollständig abdecken können. Für die meisten ist der Saldo positiv, da in den vergangenen Jahren hohe Zins- und Währungsgewinne gemacht wurden“, betont Schilk. Die meisten Geldinstitute kalkulierten mit drei bis sechs Prozent jährlicher Wertsteigerung der Tilgungsträger. Kunden, deren Depot hinter diese Werte zurückfällt, bleibt die Möglichkeit, die Raten für den Tilgungsträger zu erhöhen. Gängige Summe bei einem Nachschuss sind 70 bis 80 Euro pro Monat – pro Jahr also fast 1.000 Euro.

Von Barbara Nothegger

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