Frédéric Leroux: 'Börsen der Schwellenländer als Fixstarter'

Der oberste Anlagestratege der Fondsgesellschaft Carmignac Gestion gibt im FORMAT-Gespräch die Eckpfeiler seiner Anlagetaktik preis.

Format: Seit Jahresbeginn sind die Börsenkurse im Eiltempo gestiegen. Wo stehen die Vorzeichen günstig dafür, dass der Boom weitergeht?

Leroux: Meine klare Botschaft lautet: In nächster Zeit bergen die Schwellenländer die besten Anlagechancen. Die Börsen der aufstrebenden Staaten sind sehr günstig bewertet. Chinesische Aktien sind um 35 Prozent unterbewertet.

Format: Viele Investoren halten sich aber noch zurück, weil sie Angst vor der Inflation in den Schwellenländern haben. Zu Recht?

Leroux: Nein, die Inflationsbekämpfung zeigt bereits Wirkung. In den vier BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China wurden die Leitzinsen im Schnitt auf rund sieben Prozent gesenkt – Tendenz weiter fallend. Speziell in China trägt die Geldpolitik Früchte: Die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft verläuft nach Plan, ohne dass der Konsum abgewürgt wurde. Die jüngsten Prognosen weisen darauf hin, dass sich die Industrieproduktion stabilisiert und dass das Wirtschaftswachstum bereits im 1. Quartal wieder auf 8,4 Prozent anziehen wird.

Format: Auch europäische Aktien haben jüngst ein starkes Lebenszeichen von sich gegeben. Ist es für einen Einstieg nun schon zu spät?

Leroux: Kurzfristig haben die sehr günstig bewerteten Börsen Europas und besonders europäische Bankaktien Kurspotenzial. Papiere des Finanzsektors weisen mit einem Wert von acht ein extrem tiefes Kurs-Gewinn-Verhältnis auf. Jetzt kann man bei Bankaktien noch einsteigen. Anleger müssen aber auf der Hut sein. Sobald Papiere des Finanzsektors auf den Titelseiten der Zeitungen als Schnäppchen propagiert werden, ist es für den Ausstieg schon zu spät. Für Aktien sprechen auch die tiefen Zinsen in Europa. Noch dazu hat EZB-Chef Mario Draghi die richtigen Schritte gesetzt. Wenn sich die Meinung verstärkt, dass sich die Lage der USA verbessert und die Inflation in China sinkt, ist das Gesamtbild deutlich freundlicher.

Format: Stichwort USA – planen Sie, Ihr Engagement bei Aktien der Wall Street zu erhöhen?

Leroux: Die wirtschaftliche Lage ist in den USA besser als in anderen Industrie¬nationen. Gegen ein stärkeres Engagement spricht, dass die Bewertung der Börsen nicht besonders attraktiv ist.

Format: Welche Börsen sind im Aktienfonds Carmignac Investissement hoch gewichtet?

Leroux: Rund ein Fünftel des Aktienanteils ist in Papiere aus China inves¬tiert, auf brasilianische Aktien entfallen knapp neun Prozent. Die New Yorker Wall Street stellt mit rund 45 Prozent den größten Anteil, Europas Börsen sind mit 15 Prozent vertreten.

Format: Welche Einzelaktien zählen zu Ihren Favoriten?

Leroux: US-Aktien von Anadarko Petroleum aus dem Energiesektor sowie vom IT-Konzern Apple befinden sich ebenso unter den größten Posi¬tionen des Carmignac Investissement wie die kanadische Minenaktie von Goldcorp und das Papier der China Construction Bank. In Europa ist die Aktie des Luftfahrtkonzerns EADS im direkten Vergleich zu Boeing aus den USA attraktiv. Unter defensiven europäischen Aktien stechen der Luxusgüterkonzern LVHM und Richemont aus der Schweiz mit Fokus auf Schmuck und Markenuhren hervor. Kurspoten¬zial hat auch die Aktie des kanadischen Düngemittelherstellers Potash.

Format: Was sollten Investoren angesichts der Unsicherheiten mit Argusaugen verfolgen?

Leroux: Die prekäre Lage in Spanien, die in den nächsten zwei Monaten sehr unerfreuliche Überraschungen bringen kann.

Format: Wie reagieren Sie darauf?

Leroux: Ich lasse mich nicht irritieren und schöpfe im Moment beim Aktienfonds Carmignac Investissement die maximale Aktienquote aus. Das bringt keine Probleme, weil ich sehr rasch auf Veränderungen reagieren und Absicherungen vornehmen kann.

Robert Winter

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Service

Die Suche nach dem besten Konto

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik

Geld & Service

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik