Frankenkredite: Worauf Sie beim Umstieg achten müssen

Frankenkredite: Worauf Sie beim Umstieg achten müssen

Bei Frankenkreditnehmern liegen die Nerven blank. Niemand kann garantieren, dass die Euro-Franken-Kursgrenze von 1,20 hält. Die Banken werben mit Umstiegsangeboten. Lesen Sie, worauf Sie achten müssen, wenn Sie Ihren Frankenkredit loswerden wollen.

Bricht der Damm? Oder wird es die Schweizerische Nationalbank (SNB) schaffen, den Franken konstant über 1,20 Euro zu halten? Erst kürzlich gab SNB-Präsident Thomas Jordan in einem Interview des Schweizer Fernsehens zu, dass der Mindestkurs "nicht für die Ewigkeit“ sei. Doch was passiert, wenn die Eidgenossen aufhören, den Kurs künstlich zu stützen? Währungsexperten sind sich einig: Legt die SNB ihr Projekt ad acta, würde der Franken in kurzer Zeit kräftig an Stärke gewinnen. Schließlich gilt der Rappen als Fluchtwährung Nummer eins. Solange die Eurokrise nicht gelöst ist, strömen Investoren weiter in den Franken. Nur die Interventionen verhindern, dass der Franken nicht Richtung Parität zum Euro marschiert.

Riskantes Fremdgehen

Frankenkreditnehmer haben doppelten Anlass, die Frankenentwicklung genau zu beobachten: Sie kämpfen nicht nur mit der extrem harten eidgenössischen Währung, sondern stehen zudem oft vor dem Problem, dass der Tilgungsträger, mit dem sie am Ende der Laufzeit den Kredit zurückzahlen wollten, massiv an Wert verloren hat. Jetzt wissen viele nicht, wie sie weiter vorgehen sollen. Ist es sinnvoll, die Verluste zu realisieren und in einen Eurokredit umzusteigen? Oder ist die bessere Alternative, im Franken zu bleiben und weiter zu hoffen? Eines steht fest: Die finanziellen Folgen einer falschen Entscheidung können sehr einschneidend sein und im schlimmsten Fall sogar das Haus kosten.

Christoph Kirchmair, Geschäftsführer des Tiroler Kreditmaklers Infina Credit Broker: "Am schlimmsten trifft die starke Frankenaufwertung jene Kreditnehmer, die zwischen 2005 und 2007 einen Frankenkredit abgeschlossen haben.“ Genau ein Jahr vor der Lehman-Pleite bekamen Euro-Anleger für einen Euro rund 1,67 Franken. Heute sind es hingegen nur noch 1,20. Laut Berechnungen der Infina hat zum Beispiel jemand, der im September 2007 einen Frankenkredit in Höhe von 200.000 Euro aufnahm, einen Währungsverlust von 73.996 Euro erlitten. Heute müssten also 273.996 Euro aufgewendet werden, um den Schuldenberg zu tilgen. Dem steht ein Zinsvorteil von 9.646 Euro gegenüber. Saldiert man Gewinn und Verlust, bleibt eine Mehrbelastung von 64.350 Euro übrig.

Peter Kolba, Leiter der Rechtsabteilung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI): "Von 2013 an werden jedes Jahr mehr der 300.000 Fremdwährungskredite endfällig. In diesem Bereich haben wir oft das Zusatzproblem, dass Anlageberater ihre Kunden in abenteuerliche Finanzierungskonstruktionen hineingetrieben haben. Das sind natürlich für die Betroffenen existenzielle Sorgen“ (das ausführliche Interview mit Peter Kolba lesen Sie auf www.format.at).

Franken - quo vadis?

Marcus Hettinger, Währungsexperte der Großbank Credit Suisse, geht davon aus, dass die Schweizer die Währung erfolgreich verteidigen können und der Franken in einem Jahr sogar bei 1,22 Euro pro Franken notieren wird. Hettinger: "Die SNB kann so viele Banknoten drucken, wie sie will, und deswegen auch den Kurs noch über einen relativ langen Zeitraum bei 1,20 Euro pro Franken halten (siehe Interview S. 68).“ Er ist damit in Übereinstimmung mit dem SNB-Präsidenten Jordan, der ankündigte, dass die Schweiz den Franken jedenfalls so lange verteidigen wird, solange es notwendig ist. Doch was kommt danach? Längerfristig ist es nicht sicher, dass der Franken wieder in den alten Bahnen verläuft. Jedenfalls geht Credit-Suisse-Experte Hettinger eher davon aus, dass der Franken weiter aufwertet. Fremdwährungsexperte Gerhard Massenbauer von Censeo glaubt sogar, dass der Franken bereits in einem Jahr die Marke von 1,20 durchbrechen könnte und langfristig sogar bei 0,80 liegen wird.

Was passiert, wenn der Frankendamm tatsächlich bricht, darüber kann nur spekuliert werden. Rechtsanwältin Barbara Auzinger: "Die Banken könnten dann Kunden aufgrund des gestiegenen Risikos dazu zwingen, in einen Eurokredit umzusteigen, wenn eine Regelung im Kreditvertrag das vorsieht. Besonders gefährdet sind finanzschwache Kreditnehmer, die ihre Raten nicht mehr ordnungsgemäß bedienen, oder Fälle, in denen die erforderlichen Sicherheiten nicht mehr bestehen. Ob das allerdings auch vor Gericht halten würde, ist fraglich.“

Prickelnder Umstieg?

Eine Zwangskonvertierung ist immer die schlechteste Lösung. Besser ist es, die Entscheidung selbst zu treffen. Massenbauer rät allen, die das Problem nicht mehr aussitzen können, zur Reißleine: "Kreditnehmer, die nur noch zwei Jahre Laufzeit haben, sollten nicht länger zuwarten, sondern in einen Eurokredit umsteigen.“ Damit sich auch jene, die noch längere Kreditlaufzeiten vor sich haben, rasch für den Euro entscheiden, locken viele Banken mit Sonderkonditionen.

Das liegt einerseits daran, dass die Kreditinstitute nahezu alle gerichtlichen Entscheidungen, bei denen es um Zwangskonvertierungen ging, verloren haben. Andererseits aber auch daran, dass sich die Eurozinsen auf einem Allzeittief befinden. So bieten etwa Erste Bank und Bank Austria bei einer Umschuldung in Euro 2,9 Prozent Fixzinsen auf zehn Jahre, sofern auf monatliche Pauschalraten mit Tilgungskomponente umgestellt wird. Die Raiffeisenbank NÖ-Wien, die generell weniger Fremdwährungskredite in der Bilanz stehen hat, bietet bei einem Umstieg 3,5 Prozent Fixzinsen auf zehn Jahre und für 20 Jahre vier Prozent. Die Hypo Vorarlberg bietet bei Konvertierung in den Euro sogenannte Generationenkredite mit unbegrenzter Laufzeit an, um die Belastung zu strecken.

Spesen und Kurs

Wechselwillige Kunden sollten prüfen, ob tatsächlich spesenfrei gewechselt wird und welcher Kurs zur Anwendung kommt. Manfred Aschauer, Raiffeisen-Leiter Privat- und Gewerbekunden Wien: "Konvertierungen von Fremdwährungen in Euro werden spesenfrei durchgeführt. Als Konvertierungskurs kommt der gültige Devisenkurs zur Anwendung. Dieser kann jedoch während des Tages variieren, wird aber mit dem Kunden vorweg fixiert. Der von der Schweizer Nationalbank festgelegte Mindestkurs von 1,20 ist allerdings nicht garantiert und kann jederzeit unterschritten werden.“ Fremdwährungsexperte Massenbauer hat schon unangenehme Erfahrungen gemacht: "Obwohl der Wechselkurs bei 1,20 lag, hätte ich bei der Konvertierung eines Erste-Bank-Kredits nur einen Wechselkurs von 1,193 bekommen.“

Raten statt endfällig

Wer keine Radikalmaßnahmen treffen will, kann das Frankenrisiko auch Schritt für Schritt reduzieren, etwa über Sondertilgungen oder die Umstellung auf reguläre Ratenzahlung. Außerdem kann der Spielraum durch die extrem tiefen Zinsen genutzt werden, um den Tilgungsträger außertourlich zu bestücken. Ganz wichtig ist auch die laufende Überprüfung des Tilgungsträgers. Wenn dieser zum Beispiel nur aus einer Einzelaktie besteht, sollte man unbedingt breiter streuen.

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