FORMAT-Versicherungs-Report: Wie Sie im Schadensfall Ihr Geld tatsächlich kassieren

Wer jahrelang brav die Versicherungsprämien zahlte, will im Fall der Fälle auch entschädigt werden. FORMAT zeigt, wie Sie an Ihr Geld kommen und wann Sie durch die Finger schauen.

Als das Telefon Samstag früh um 7.30 Uhr klingelt, ahnt Susanne G. noch nicht, dass ihr Geldbörsel am Abend zuvor in der Wiener U-Bahn gestohlen wurde. Die Dame am anderen Ende der Leitung ist von Diners Club: „Haben Sie Ihre Karte noch? Wir haben sie gesperrt, weil es unübliche Abbuchungen gab.“ Susanne G. wird jetzt erst auf den Diebstahl aufmerksam. Nicht genug, dass ihr mühsame Behördenwege bevorstehen, zahlt auch die Haushaltsversicherung für den entstandenen Schaden nicht. Werner Widauer, Winsurance-Versicherungsmakler: „Wer nicht unter Gewaltandrohung oder -anwendung beraubt wird, hat keinen Anspruch auf Leistung.“ Dieser Fall ist rechtlich eindeutig. Bei zahlreichen Schadensmeldungen entscheidet aber oft nur ein einziges Verb darüber, ob eine Versicherung die Zahlung leistet oder verweigert. FORMAT analysiert einzelne Fälle und zeigt, was Sie tun müssen, damit die Versicherungen sich nicht vor berechtigten Zahlungen drücken können.

Fahrlässigkeit und Ungeschick
Da wäre zum Beispiel die Brille am Sessel, auf die sich ein unaufmerksamer Gast setzt. Eine neue Brille muss her. Alles wäre halb so schlimm, wenn die Privathaftpflichtversicherung zahlen würde. Doch der Antrag wird abgelehnt. Begründung: Der Brillenträger hat fahrlässig gehandelt. Er muss damit rechnen, dass der Sessel benutzt wird und sich daher als Ablageplatz nicht eignet. Ganz anders wäre es ausgegangen, wenn die Brille auf der Nase durch den Stoß einer aufgehenden Tür zu Bruch gegangen wäre. Dann hätte die Versicherung den Betrag sang- und klanglos überwiesen. Ähnlich liegt der Fall beim Tischabräumen. Das Fest neigt sich dem Ende zu, das Geschirr wird von den Gästen in die Küche getragen. Dabei fällt das Meißner Porzellan zu Boden. Die Neuanschaffung wird teuer, denn die Assekuranz zahlt nicht. Makler Widauer: „Tätigkeitsschäden sind generell nur in den neueren Produkten inkludiert, man sollte also überlegen, auf einen aktuellen Tarif umzusteigen.“ Wenn der Gast ungeschickt das Tablett samt Porzellan vom Tisch stößt, kann hingegen die Versicherung zur Kasse gebeten werden. Übrigens: „Bearbeitungsschäden“ sind im privaten Bereich nicht versicherbar – wer also mit dem Bohrer eine Leitung in der Wand beschädigt, geht leer aus.

Geliehen statt gehalten
Auch bei Urlaubspannen gibt es feine Unterschiede. Wer die griffbereite Kamera des Freundes ausborgt, um am Meeresufer zu fotografieren, und das Gerät wird durch ein plötzliche Welle defekt, muss selbst zahlen. Wer nämlich angibt, das Gerät vom Freund ausgeliehen zu haben, hat bei der Versicherung keine Chance auf Leistung. Wurde die Kamera auf Wunsch des Freundes hingegen nur kurz gehalten und fällt dabei ins Wasser, dann ist auch die Urlaubslaune gerettet, denn in diesem Fall wird gezahlt. Vom Urlaub zurück, holt man den Hund von Freunden ab, die die nächste Hiobsbotschaft überbringen. Das Sofa wurde Opfer des Hundespieltriebs und ist zerfetzt. Leider zahlt auch hier die Versicherung keinen Cent, denn die Obhut lag bei den Freunden, die nur auf eine Kulanzlösung mit den Hundebesitzern hoffen können. Wäre man nur zu Besuch gewesen und der Hund sorgsam angeleint, dann hätte die oft übliche Hunde-Haftpflicht in der Haushaltsversicherung den Schaden berappt.

Akribisch formuliert
Zwischen Zahlung und Ablehnung liegt oft nur eine ungeschickte Formulierung. Makler Widauer: „Eine Schadensmeldung, die von der Haftpflicht gedeckt werden soll, ist immer sehr heikel. Es ist wichtig, den Fall in seiner Gesamtheit zu beurteilen. Bei der Formulierung ist Vorsicht geboten.“ Achtung: In der Haftpflichtversicherung werden alle Schäden grundsätzlich nur mit dem Zeitwert abgegolten. Das kann bei Elektrogeräten unangenehm werden. Auch bei der Elektro-Zusatzversicherung sollte aufs Kleingedruckte geachtet werden, damit es im Schadensfall klappt. Das zeigt folgender Fall: Beim Transport der neuen Stereoanlage in die Wohnung fällt das Gerät zu Boden. Totalschaden. Alles kein Thema, wurde doch extra dafür eine Elektro-Zusatzversicherung abgeschlossen. Die soll eigentlich den Schaden übernehmen. Doch weit gefehlt: Transporte sind ausgeschlossen. Inkludiert sind Bedienungsfehler, Ungeschicklichkeit und Fahrlässigkeit, solange alles in den eigenen vier Wänden passiert. Hätte der Käufer die Stereoanlage auf ihren Platz gestellt und versehentlich hinuntergestoßen, hätte die Versicherung die Kosten problemlos übernommen.

Mehrfach gesichert
Gefinkelt wird es auch dann, wenn sich ein unerwünschter Besucher unerlaubt Zutritt ins eigene Heim verschafft, was zunehmend zum Problem wird. Die Anzahl der Einbrüche in Wiener Einfamilienhäuser hat im 1. Halbjahr um 65 Prozent zugenommen, in Wohnungen um 14 Prozent. Aus Angst vor Dieben werden deshalb häufig zusätzliche Schlösser eingebaut. Doch im Alltag erweist sich das Zusperren von zwei oder gar drei Schlössern schnell als lästig. Also wird dann doch nur eines verriegelt. Was aber, wenn genau jetzt der Einbrecher einsteigt? Winsurance-Makler Widauer: „Dann muss erst einmal in den Versicherungsbedingungen nachgelesen werden. In manchen Fällen wird die ausbezahlte Schadenssumme um zehn Prozent geringer ausfallen oder die Leistung komplett abgelehnt.“ Auch das gekippte Fenster war schon oft Einladung für Diebe. Wer es den Einbrechern zu einfach macht, der bekommt weniger oder kein Geld von der Assekuranz, wenn die Versicherung das Delikt statt als Einbruch nur als einfachen Diebstahl wertet.

Bis zu zehn Jahre im Häfen
Bei all den Möglichkeiten, Geld von der Assekuranz im Schadensfall zu bekommen, sollte eins nicht vergesseen werden: Versicherungsbetrug zahlt sich nicht aus. Rechtsanwalt Alfred Boran: „Schon bei Delikten, die eine Schadenssumme von 3.000 Euro nicht überschreiten, muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder einer Geldstrafe gerechnet werden. Ist der Schaden höher als 3.000 Euro, kann die Freiheitsstrafe auf bis zu drei Jahre ansteigen.“ Großbetrüger die mehr als 50.000 Euro Schäden einreichen, müssen sogar mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Auch wenn solche Höchststrafen kaum verhängt werden, werden die Prüfmethoden der Versicherungen immer findiger. Susanne G. hat gut daran getan, bei der Wahrheit zu bleiben und nicht nachträglich einen Raub anzugeben. Die neue Diners-Club-Karte fand sie übrigens schon am Montag im Postfach. Ihre Chancen auf Kulanz stehen auch gar nicht schlecht. Winsurance-Makler Widauer: „Ein paar Hundert Euro sind in einigen Fällen drin.“

Von Carolina Burger und Ingrid Krawarik

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