FORMAT-Serie "Der Kompass für Anleger"
Teil 4: Hochprozentige Anleihen

Solide Staatsanleihen liefern bescheidene Erträge, Unternehmenspapiere hohe Renditen. Der vierte Teil der FORMAT-Serie Anlegerkompass zeigt Chancen für Anleihenkäufer.

Unverhofft kommt oft. Kaum ein Experte hat im Vorjahr damit gerechnet, dass sich die Flucht in den sicheren Hafen für Anleihenbesitzer so richtig rechnen würde. Tatsächlich erzielten Anleger, die einen soliden Staatsanleihenfonds im Depot hatten, unterm Strich für 2008 einen Gewinn von bis zu 8 Prozent. Mit solch hohen Renditen dürfte es aber fürs Erste vorbei sein. Aktuell bringt eine zehnjährige österreichi­sche Staatsanleihe nur 3,83 Prozent Rendite. Deutsche Papiere werfen mit 3,19 Prozent noch weniger ab. Wer sich langfristig bindet und auf österreichische Schuldverschreibungen mit dreißigjähriger Laufzeit vertraut, kann momentan mit 4,61 Prozent Rendite rechnen. Martin Bohn, Fondsmanager der Bawag PSK Invest: „Im Vergleich zu deutschen Staatspapieren sind Österreich-Anleihen auch in nächster Zeit das bessere Geschäft. Im Februar betrug der Risikoaufschlag von Österreich-Anleihen gegenüber deutschen Papieren sogar bis zu 1,3 Prozent.“ In der Zwischenzeit ist der Aufruhr um das vermeintlich hohe Risiko, das Österreichs Wirtschaft wegen der zahlreichen Aktivitäten in Osteuropa hat, bereits ein wenig abgeflaut, weshalb der Risikoaufschlag zurückging.

Fonds mit Staats- und Bankanleihen
„Der Zinsabstand wird nur langsam weiter sinken“, betont Uli Krämer, Anleihenexperte der Fondsgesellschaft Kepler. Er glaubt außerdem, dass die Zinssenkungen der Notenbanken die Kurse von langfris­tigen Staatsanleihen kaum beeinflussen. Der Kepler-Experte wird am 16. April im Rahmen einer fünfteiligen kostenfreien Veranstaltungsserie von FORMAT und bankdirekt.at im Wiener Hotel Marriott weitere Einblicke in das aktuelle Anleihenumfeld geben (Anmeldung unter www.bankdirekt.at ). Wer trotz der niedrigen Zinsen nicht zuletzt aus Gründen der Sicherheit weiterhin auf solide Anleihen setzen will, ist mit dem Espa Bond Combirent (ISIN AT0000858022) gut bedient. Der Fonds, der zu Staatsanleihen auch Bankanleihen beimischt, erzielte auf Jahressicht einen Ertrag von 7,8 Prozent. Ähnlich gut lief es für den siemens/european.bonds (ISIN AT0000818059) mit plus 6,4 Prozent und den Kepler Vorsorge Rentenfonds (ISIN AT0000799861) mit plus 5,2 Prozent seit Ende März 2008.

Angst vor dem Inflationsgespenst
Weltweit versuchen Notenbanken, das Bankensystem und die Konjunktur mittels Mil­liardenspritzen zu stabilisieren. Wenn es nach dem nächsten Wirtschaftsaufschwung nicht gelingt, die Liquidität wieder auf ein normales Maß zu reduzieren, droht ein rasanter Anstieg der Inflation. Während Kepler-Fondsmanager Krämer überzeugt ist, dass die Inflation „in den nächsten zwei Jahren nicht stark ansteigen wird“, glaubt Martin Huber, Vorstand der Wiener Euram Bank, dass das Gegenteil der Fall sein kann. Huber: „Staatsanleihen dienen jetzt noch als sicherer Hafen. Mittelfristig ist es aber möglich, dass die Inflation höher ist als die mit Staatsanleihen erzielbaren Renditen. Ich kann deswegen aktuell niemandem empfehlen, in Staatspapiere zu investieren.“ Eine teils extrem lukrative Alternative sieht Huber bei Unternehmensanleihen, deren Kurse in der Krise querbeet stark gefallen sind. Dabei sollte man sich aber nicht von hohen Zinsen blenden lassen, mindestens ebenso wichtig sind das eingegangene Risiko und die Laufzeit. Euram-Bank-Vorstand Huber: „Wenn die Qualität des Emittenten stimmt, ist das ­Risiko begrenzt, weil die Papiere am Ende der Laufzeit ohnehin mit einem Kurs von 100 getilgt werden. Je nach Bonitätseinstufung sind 4 bis 12 Prozent Rendite möglich.“ Bei der Laufzeit zieht der ­Experte derzeit Papiere vor, die spätestens 2012 oder 2013 getilgt werden. Längere Laufzeiten kommen für ihn wegen der Inflationsgefahr nicht infrage.

29 Prozent Rendite in Kasachstan
Unter österreichischen Unternehmenspapieren ist die 3,875-Prozent-Anleihe von Wienerberger einen Blick wert. Beim derzeitigen Kurs von 83,07 winkt bis Laufzeitende im April 2012 eine Rendite von 10,63 Prozent (s. Tabelle). Bereits im Herbst des nächsten Jahres wird eine mit 8,125 Prozent verzinste Unternehmensanleihe der kasachi­schen AFT Bank fällig, die sich allerdings nur für hartgesottene Anleger eignet. So hat Kasachstan ein hohes Länderrisiko. Dafür weist diese Anleihe den Vorteil auf, dass die AFT Bank zu 98 Prozent im ­Besitz der italienischen UniCredit steht. Euram-Vorstand Huber: „Die Rendite der Anleihe beträgt bis Ende der Laufzeit 29 Prozent. Das Papier ist eigentlich so bepreist, als würde der Mutterkonzern UniCredit vor dem Konkurs stehen. Davon ist jetzt aber sicher nicht die Rede.“
Solch exotische Papiere sind allerdings meist schwer zu kaufen, außerdem kann es bei Einzelpapieren naturgemäß immer unliebsame Überraschungen geben. Wem der Direktkauf von Unternehmenspapiereb doch zu riskant erscheint, der sollte das Kapital lieber in Fonds anlegen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Unternehmensanleihenfonds mit Papieren einer gewissen Mindestbonität und High-Yield-Fonds mit höherem Risiko. Eine neue Entwicklung sind Fonds mit fixer Laufzeit wie der Zielrendite-2014-Fonds der Bawag. Hintergedanke: Der fixe Tilgungszeitpunkt der enthaltenen Papiere erhöht die Planbarkeit. Der Bawag-Fonds (ISIN AT0000AA0D5F9) investiert zu Beginn in 25 Unternehmensanleihen aus dem euro­päischen Raum, die zumindest ein A-Rating aufweisen. Im Startportfolio des Fonds, der fünf Jahre Laufzeit hat, finden sich Papiere großer Konzerne wie Danone, Heineken und Vodafone.

Von Robert Winter

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