FORMAT zeigt, welche Polizzen zum Grundstock eines Studentenlebens gehören

Wer als Student das erste Mal auf eigenen Beinen steht, sollte seine Unabhängigkeit absichern. FORMAT zeigt, welche Polizzen wichtig sind, um im Ernstfall nicht draufzuzahlen.

Endlich frei! Die neue Studentenbude ist zwar klein. Aber was soll’s, schließlich reden keine Eltern mehr drein. Bett, Kasten, Laptop, Handy – vielleicht sogar ein Geschirrspüler – gehören zum Inventar. So lässt es sich leben. Wer denkt da schon gleich an Versicherungen? Das Fehlen eines Schutzes kann aber finanziell ins Auge gehen. FORMAT zeigt, welche Polizzen zum Grundstock eines Studentenlebens gehören.

Eines gleich vorweg: Wer den ÖH-Beitrag zahlt, ist automatisch unfall- und haftpflichtversichert. Das ist beruhigend, schließlich radeln viele Studenten zur Uni, die Unfall- und Verletzungsgefahr ist dementsprechend hoch. Allerdings gilt der Schutz immer nur auf dem Weg zur Uni und zurück sowie bei Exkursionen und Auslandssemestern. Zu allen anderen Zeiten steht man ohne Unfall- und Haftpflichtschutz da, wenn nicht privat vorgesorgt wurde. Unter gewissen Bedingungen gilt die Haftpflichtversicherung der Eltern auch für Studenten – wenn man nicht über 25 ist (bei manchen Versicherungen 27) und über kein geregeltes Einkommen verfügt. Die Haushaltsversicherung gilt aber nur, wenn man noch zuhause wohnt. Ein Blick in den Versicherungsvertrag der Eltern genügt, um zu sehen, ob man mitversichert ist oder nicht.

Eine private Haftpflichtversicherung ist deshalb so wichtig, weil man für selbst verursachte Personen- und Sachschäden mit dem Privatvermögen haftet. Und das kann existenzbedrohend sein, etwa wenn man jemanden mit dem Fahrrad umstößt und so schwer verletzt, dass dieser lebenslange Betreuung braucht.

Vorsicht bei Wohngemeinschaften

Die Haftpflichtversicherung ist grundsätzlich in der Haushaltsversicherung inkludiert. Wer eine neue Wohnung sein Eigen nennt oder in einer Wohngemeinschaft ein Zimmer ergattert hat, tut gut daran, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Bei einem auslaufenden Geschirrspüler, der die Wohnung unter Wasser setzt, zahlt die Haushaltsversicherung den eigenen Schaden, die Haftpflicht kommt für die Renovierung beim unten wohnenden Nachbarn auf. Franz Starritz vom Wiener Versicherungsmakler Nanke & Partner: „Vorsicht! Bei Wohngemeinschaften sind nicht automatisch alle mitversichert, das wird von Vertretern oft falsch kommuniziert. Das ist Vereinbarungssache. Derjenige, auf den die Versicherung läuft, sollte seine Mitbewohner als weitere Versicherungsnehmer in den Vertrag aufnehmen.“

Bei Haushaltsversicherungen gibt es spezielle Tarife für Studenten. Es zahlt sich ein Vergleich der Angebote vor allem in puncto Versicherungssumme aus. Wer fünf Minuten investiert und den Wert seines Hab und Guts berechnet, kann sich so eine günstigere Prämie sichern. Wohnungen bis 60 Quadratmeter werden für Studenten etwa bei der Donau Versicherung mit 45 Euro pro Jahr bei einer Versicherungssumme von 20.000 Euro versichert, die Wiener Städtische buhlt um die junge Kundschaft mit der easy living für 59 Euro und einer Versicherungssumme von 25.000 Euro.

Wohngemeinschaften haben es schwerer, weil Versicherungen meist nach dem Quadratmeterpreis die Versicherungssumme bestimmen und die Prämie berechnen. Starritz: „Für eine 100-Quadratmeter-Wohnung mit einer Versicherungssumme von 130.000 Euro steigt die Prämie gleich auf etwa 250 Euro pro Jahr. Der Wert der Ausstattung ist jedoch meist viel geringer.“

Mobiler Haushalt

Für spartanischere Studenten bietet der Onlineversicherer Zurich Connect die „Sack & Pack“-Versicherung, die nicht an den Ort, sondern an die Person gebunden ist. Karin Eichhorn-Thanhoffer, Chefin der Zurich Connect: „Studenten ziehen oft um, haben nicht viel außer Laptop, Handy, ein paar Klamotten und wenigen Möbeln oder machen ein Auslandssemester. Die Sack & Pack ist sozusagen eine Haushaltsversicherung inklusive privater Haftpflicht zum Mitnehmen, bei der man sich nicht ständig ummelden muss.“ Die möbelfreie Variante ist mit 42 Euro pro Jahr und einer Versicherungssumme von 10.000 ausgestattet, mit Möbeln kostet die Jahresprämie 52 Euro, die Versicherungssumme beträgt 15.000 Euro.

Wichtig: Bei Vertragsabschluss sollte die Assekuranz unbedingt auf den Einwand der Unterversicherung verzichten. Sonst kann es passieren, dass im Schadensfall nur prozentual entschädigt wird und man so auf einem Teil der Kosten sitzen bleibt.

Nach dem Unfall gut versorgt

So sorgenfrei das Studentenleben oft ist, an die eigene Verletzungsgefahr wird selten gedacht, dabei passieren 80 Prozent der Unfälle in der Freizeit. Makler Starritz: „Eine Unfallversicherung ist ein Muss, leider denken viel zu wenige daran. Ich würde als Student auf Kinkerlitzchen wie Taggeld, Spitalsgeld und Leistung bei Knochenbruch verzichten. Die Absicherung im Invaliditätsfall sollte jedoch hoch sein und bei etwa 500.000 Euro bei 100 Prozent Invalidität liegen.“ Die Kosten liegen bei etwa 150 Euro bis 200 Euro im Jahr.

Eine private Unfallvorsorge ist deshalb essenziell, weil die gesetzliche Unfallversicherung bei Freizeitunfällen keine Zahlungen leistet und die gesetzliche Krankenversicherung nur die Behandlungskosten übernimmt. Übrigens: Krankenversicherungen wie Merkur, Uniqa und Wiener Städtische offerieren für rund zehn Euro Sonderklasse-Unfall-Tarife, bei denen man sich Arzt und Krankenhaus aussuchen kann.

Wer noch ein paar Euro pro Monat lockermachen kann, sollte eine Rechtsschutzversicherung ins Auge fassen. Allfällige Prozesskosten, etwa in Schadenersatzfällen nach Fahrrad- oder Autounfällen, können sehr teuer werden. Ohne Anwalt haben Studenten schlechte Karten, Recht zu bekommen. Tipp: Bei manchen Versicherungen ist der Rechtsschutz mittels Zusatzbaustein in die Haushaltsversicherung inkludierbar.

– Ingrid Krawarik

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