FORMAT-Interview: Der Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank über Anlagechancen

FORMAT: In Konjunkturprognosen wurden die Wachstumszahlen der Wirtschaft nach oben revidiert. Trotzdem fürchten viele Anleger einen neuen Abschwung. Ist die Angst begründet?

Walter: Ich halte etwas, das man einen weltweiten „Double Dip“, also einen zweiten Konjunkturrückschlag, nennt, für nicht wahrscheinlich. Aber ich halte es für möglich, dass die US-Bürger das, was ihnen in den nächsten zwei oder drei Quartalen ins Haus steht, als einen US-Double-Dip interpretieren werden, mit allen Folgen für ihre eigene Wirtschaftspolitik, ihre Forderungen an Überschussländer und die Wirkungen auf die Wechselkurse.

FORMAT: Wie geht es in Europa weiter?

Walter: Deutschland ist im Gegensatz zu Südeuropa gut unterwegs. Einige europäische Länder haben den großen Schlag schon bekommen. Die Anpassung nach unten ist in einigen Staaten schon passiert. Ich sehe deshalb nicht das Ende der Welt.

FORMAT: Auch das Inflationsgespenst geht noch um. Zu Recht?

Walter: Ich glaube nicht, dass eine galoppierende Inflation droht.

FORMAT: Staatsanleihen galten lange Zeit als Bollwerk der Geldanlage. Gilt das noch immer?

Walter: Es macht jetzt wenig Sinn, in Staatsanleihen zu investieren. Derzeit zahlen etwa die USA sehr wenig Zinsen für länger laufende Anleihen. Das ist bei einer Staatsverschuldung, die von 50 auf 100 Prozent gestiegen ist, nicht plausibel. Mein Urteil lautet, dass man bei den langfristigen Zinsen am unteren Widerstand angekommen ist. Billiger wird es nicht mehr, es besteht bei den Zinsen nur Luft nach oben, was bei Anleihen Kursverluste bringt. Das sieht nicht lustig aus.

FORMAT: Norwegen ist reich an Rohstoffen und gehört nicht zum Euroraum. Deshalb werden Norwegen-Anleihen als Alternative für Euro-Papiere genannt. Was halten Sie davon?

Walter: Da kommen mir die Tränen. Das ist unintelligent und so, als wenn alle in Schweizer Franken investieren. Die großen Investitionen der Welt finden weiter im Dollar- und Euroraum statt.

FORMAT: Die Börsen haben sich seit März 2009 erholt. Die aktuelle Gewinnsaison verläuft generell gut. Halten Sie es für möglich, dass die Börsenkurse wieder rasch steigen?

Walter: Nein. Für Aktien spricht aber, dass Investoren derzeit in Geld schwimmen und dass die Alternativen nicht rosig sind.

FORMAT: Welcher Taktik folgen Sie bei der Geldanlage?

Walter: Ich sorge für meine Enkel vor. Dabei ist die Gewichtung von Aktien hoch. Trotzdem glaube ich nicht, dass man sich mit einer Sparquote von sechs oder sieben Prozent mit 55 Jahren in Rente begeben kann. Das ist absoluter Quatsch. Die Renditen werden in Zukunft wahrscheinlich kleiner sein. Um das gleiche Alterseinkommen zu erreichen, wird man mehr sparen und länger arbeiten müssen.

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Steuern

Zehn Tipps für den Steuerausgleich

Service

Die Suche nach dem besten Konto

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik

Geld & Service

Was man als Passagier wissen muss: 5 Fakten zum Lufthansa-Streik