Finanzplatz London zementiert seine Macht und wird zum Tor nach China

Die Großbank HSBC begab die erste Anleihe in chinesischer Währung in der britischen Finanzmetropole und nahm damit 2,0 Mrd. Yuan (241 Mio. Euro) ein. "Für uns ist das ein wichtiger Meilenstein", sagte der britische Finanzminister George Osborne. "Es ist das Ziel der britischen Regierung, dass London zum westlichen Drehkreuz in diesem Sektor wird."

Viele westliche Finanzmetropolen setzten große Hoffnungen auf den Handel mit den sogenannten Dim-Sum-Bonds - Anleihen in chinesischer Währung, die außerhalb der Volksrepublik begeben werden, etwa in der Sonderverwaltungszone Hongkong. Die Metropole an der Südküste Chinas hat sich seit dem Start des Dim-Sum-Handels vor knapp zwei Jahren zum größten Handelsplatz für diese Anleihe-Art entwickelt - die britische Großbank HSBC ist auch dort der führende Anbieter.

China treibt mit der Erlaubnis des Dim-Sum-Handels außerhalb seiner Grenzen die schrittweise Internationalisierung seiner Währung voran. Erst vor wenigen Tagen hat die Volksrepublik im Devisengeschäft die Handelsspanne seiner Währung zum Dollar auf einen Prozent verdoppelt. Bis 2015 will die Führung in Peking den Yuan - der auch Renminbi genannt wird - zu einer frei konvertiblen Währung machen. "Der weltweite Einsatz von Renminbi wird zweifellos steigen", sagte Finanzexperte Nigel Pridmore von der Anwaltskanzlei Linklaters. "Das wird nicht in ein oder zwei Jahren passieren, aber langfristig. Dann wird der Yuan neben dem Euro und dem Dollar zu einer weltweiten Reservewährung."

VW und Co. besorgen sich chinesisches Kapital

Westliche Unternehmen können sich durch die Ausgabe von Dim-Sum-Bonds Mittel besorgen, um ohne Wechselkursrisiken in China zu investieren. Zudem hoffen sie darauf, neue Investoren in Asien zu gewinnen. Als erste deutsche Konzerne haben sich im vergangen Jahr Volkswagen und das Gemeinschaftsunternehmen Bosch Siemens Hausgeräte auf den Markt in Hongkong gewagt. VW nahm dabei umgerechnet rund 170 Millionen Euro ein, der Hausgerätehersteller 230 Millionen. Für beide Konzerne spielt China als Absatzmarkt eine wichtige Rolle.

Auch die Banken verdienen prächtig an der Ausgabe von Anleihen - und wollen die Entwicklung des Dim-Sum-Bonds in London deshalb mit aller Kraft vorantreiben. Dazu riefen HSBC, die Deutsche Bank, Barclays, Standard Chartered und die Bank of China am Mittwoch eine Arbeitsgruppe in der britischen Metropole ins Leben. "Wir alle werden neue Emittenten auf diesen Markt bringen, Liquiditätsquellen anzapfen und es Investoren ermöglichen, sich zu diversifizieren", sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver.

Der HSBC-Bond mit einer Laufzeit von drei Jahren fiel doppelt so groß aus wie ursprünglich geplant. Die Bank hätte den Angaben zufolge sogar 4,25 Mrd. Yuan einsammeln können und zahlt den Investoren jährlich drei Prozent Zinsen. Experten gehen davon aus, dass etliche Institute und Unternehmen dem Beispiel von HSBC folgen werden. "Der Prozess ist jetzt am laufen. Den Geist wird man nicht mehr zurück in die Flasche bekommen", sagte Linklaters-Experte Pridmore.

Reuters/hahn