Finanzkrise: In der Bärenfalle der Börse gilt die Devise "Abwarten und Tee trinken"

Weltweit rutschen die Aktienkurse ins Nirwana, die Anleger reagieren panisch. FORMAT analysiert die globale Finanzkrise und zeigt, dass Abwarten und Teetrinken jetzt das beste Rezept ist.

Die Zahl sprengt alle Dimensionen: Schon Ende September summierten sich die Verluste an den internationalen Aktienmärkten auf 10.800 Milliarden Dollar, seitdem gehen täglich zig Milliarden den Bach hinunter. Der globale Flächenbrand hat an manchen Börsen bereits mehr als die Hälfte des Börsenwertes vernichtet, der Anfang des Jahres in den Büchern stand.

Zweite Reihe wurde getroffen
Selbst Profis ringen nach Worten. „Wir sind durch die globale Vernetzung mit einer Krise konfrontiert, die es in diesem Ausmaß noch nie gegeben hat. Da wir keine Vergleichswerte haben, fällt es jetzt extrem schwer, richtige Entscheidungen zu treffen“, so Michael Sieghart, der als Fondsmanager bei der Deutsche-Bank-Tochter DWS für seine Anleger ein Milliarden-Vermögen verwaltet. Die Ratlosigkeit und Panik an den Finanzmärkten setzte eine Abwärtsspirale in Gang, die sich tagelang nicht aufhalten ließ. Besonders stark getroffen werden Börsen aus der zweiten Reihe. Fondsmanager Sieghart: „Die österreichische und die norwegische Börse haben sich atomisiert. Quer durch Europa werden vor allem Nebenwerte regelrecht exekutiert.“

Zinsentscheidung reicht nicht
Die Lehren aus vorangegangenen Krisen wie der Weltwirtschaftskrise 1929 oder dem Börsencrash vom 19. Oktober 1987, als der S&P 500 an einem Tag 20,5 Prozent verlor, sind nicht eindeutig. Während 1929 die Aktien in den folgenden fünf Jahren in der Talsohle verharrten, gewannen sie von 1987 bis 1991 – wohl auch wegen kräftiger Zinssenkungen – mehr als 50 Prozent an Wert. So gesehen wäre die konzertierte Aktion zur Reduktion der Zinsen ein positives Signal. Selbst die EZB, die noch im Sommer die Zinsen zur Inflationsbekämpfung um ein Viertel Prozent erhöht hatte, zog die Notbremse und senkte die Leitzinsen um 0,5 auf 3,75 Prozent. Ulrich Baumann, Asien-Experte der Fondsgesellschaft Volksbank Invest, bleibt aber vorsichtig: „Eine Zinsentscheidung allein wird uns aus diesem Fiasko nicht herausholen. Wenn es so einfach gehen würde, dann wäre Japan, das seit Jahren eine Null-Prozent-Zinspolitik betreibt, schon lange aus der Rezession.“

Auf keinen Fall verkaufen
Mit jedem gravierenden Kurssturz wächst die Unsicherheit unter Investoren, deren Renditen in Windeseile wegschmelzen. DWS-Fondsmanager Sieghart rät jedoch, „auf keinen Fall zu verkaufen“. Dem kann sich Anthony Bolton, Fondsmanagerlegende bei Fidelity, nur anschließen: „In stark schwankenden Märkten ist man immer gut beraten, seine Anlagestrategie unbeirrt weiterzuverfolgen. Die Nerven zu behalten ist angesichts der schlechten Nachrichten aber alles andere als leicht.“ Auch Schnäppchenjäger sollten noch zuwarten, und das, obwohl der Wiener ATX, dessen Börsenwert sich seit Jahresanfang halbiert hat, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,9 extrem billig ist. So ist Sieghart überzeugt, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis die im internationalen Vergleich von Small und Mid Caps geprägte Wiener Börse wieder Käufer findet. Alfred Reisenberger, Aktienchef für Österreich und Osteuropa bei der Crédit-Agricole-Tochter Cheuvreux: „Solange das Vertrauen nicht da ist, werden vor allem Unternehmen, die hoch verschuldet sind, abgestraft.“

China als Wachstumsmotor
Wer einen langfristigen Investmenthorizont hat und auch mögliche weitere Kursverluste verschmerzen kann, kann die niedrigen Kurse jetzt nutzen, um in den kommenden Wochen billig Positionen aufzubauen. DWS-Europa-Experte Sieghart sieht selbst im Falle einer Rezession durchaus Investmentchancen: „In Europa sind Papiere aus den Sektoren Energie, Versorger und Gesundheitswesen nicht zu verachten. Mein Motto lautet aber: Weiterhin Finger weg von Konsum- und Finanzwerten.“ Weltweit bleibe vor allem China selbst mit einem etwas abgeschwächten Wachstum von acht bis neun Prozent der Wachstumsmotor schlechthin. Volksbank-Asien-Experte Baumann sieht die Stärke des Lands des Lächelns in den hohen Fremdwährungsreserven von 1.400 Milliarden Dollar: „Mitte Oktober ist wieder der chinesische Nationalkongress angesetzt, da erwarte ich mir Anreize für die Wirtschaft.“

Von Ingrid Krawarik

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