"Finanzielle Existenz schützen“

"Finanzielle Existenz schützen“

FORMAT: Autos sind oft gegen jeden kleinen Kratzer vollkaskoversichert, da-für werden wirklich teure Risiken meist ignoriert. So sind private Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit immer noch exotische Produkte. Warum ist das so?

Luciano Cirinà: Wir alle sind gewohnt, unser Auto bestmöglich abzusichern. Wenn es aber um uns selbst geht, dann fehlt häufig der Risikoschutz, etwa nach einem Freizeitunfall, bei Berufsunfähigkeit oder im Pflegefall. Oft mangelt es am Bewusstsein für die persönliche Gefährdung. Bisher haben viele auch das Gefühl, der Staat wird im Notfall schon irgendwie einspringen.

Tatsächlich gibt es ja in vielen Fällen staatliche Zahlungen.

Cirinà: Ja, es fragt sich nur: Reicht die Höhe aus? So ist die Lücke zwischen dem, was im Fall einer Invalidität als staatliche Rente gezahlt wird, und dem, was man benötigt, beachtlich. Im Schnitt bekommen Männer 1.118 Euro brutto im Monat, Frauen sogar nur 773 Euro. Besonders dramatisch ist die Lage bei einer Berufsunfähigkeit am Anfang der Karriere, weil dann das Einkommen noch niedrig ist und dementsprechend nur geringe Beiträge eingezahlt werden. Wenn man dann plötzlich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, steht die finanzielle Existenz auf dem Spiel. Die geplante Abschaffung der Berufsunfähigkeitspension für unter 50-Jährige wird das Problem weiter verschärfen.

Welche Berufsgruppen sind besonders von Invalidität gefährdet?

Cirinà: Bekanntlich ist das Risiko für körperlich schwer Arbeitende wie zum Beispiel Dachdecker besonders hoch. In den letzten Jahren nimmt aber auch die Häufigkeit von psychischen Krankheiten deutlich zu, die eher bei Personen mit Bürotätigkeiten auftreten. Hier sind durch die hohe Stressbelastung auffallend oft Führungskräfte betroffen.

Welche Leistungshöhe ist für eine zusätzliche Berufsunfähigkeitspension sinnvoll?

Cirinà: Das hängt ganz vom individuellen Einkommen und damit von der drohenden finanziellen Lücke ab. Typischerweise werden private Pensionen in Höhe von 500 bis 1.000 Euro im Monat gewählt.

Am Anfang der Berufslaufbahn ist das Geld oft knapp. Da bleibt wenig für zusätzliche Versicherungen, zumal ja auch oft Bedarf an weiteren Polizzen gegen Unfall oder Ableben besteht. Wie lässt sich der nötige finanzielle Spielraum gewinnen?

Cirinà: Viele Versicherungsverträge greifen schon bei Bagatellschäden, was natürlich relativ teuer ist. Durch die Vereinbarung von Selbstbehalten kann man die Prämien senken. Bei Unfallversicherungen kann man festlegen, dass die Leistungen nicht schon bei sehr geringen Invaliditätsgraden anfallen, sondern zum Beispiel erst ab 15 oder 25 Prozent.

Mit welchen Prämien kann man einen wirkungsvollen Basisschutz erwerben?

Cirinà: Wir haben unter dem Namen Generali Risk Care Plus neuartige Vorsorgepakete geschnürt, die eine Vollkaskoversicherung für den Menschen sind. Es gibt Varianten für Singles, die im Bedarfsfall den Lebensstandard absichern sollen, und Produkte für Paare und Familien, bei denen ein Hinterbliebenenschutz im Ablebensfall eingeschlossen ist. Eine 25-jährige Angestellte bekommt für 20,69 Euro im Monat bereits einen Ablebensschutz von 100.000 Euro und eine Berufsunfähigkeitspension in Höhe von 500 Euro im Monat bis zum 55. Lebensjahr. Durch die neuen Unisex-Tarife zahlen Männer das Gleiche.

Eine andere offene Baustelle ist die Absicherung gegen hohe Kosten im Pflegefall. Bisher haben öffentliche Stellen oft die Kosten von Pflegeheimen getragen, wenn die staatliche Pension und das Pflegegeld nicht ausreichten. Wird das so bleiben?

Cirinà: Die Pflege ist durch die wachsende Überalterung der Bevölkerung eine tickende Zeitbombe. Der Staat versucht, durch eine Neuordnung der Pflegestufen bewusst die Anzahl der Fälle mit teuren Zahlungen zu reduzieren. Außerdem werden in vielen Bundesländern die Angehörigen verstärkt in Regress genommen, wenn das Einkommen der zu betreuenden Person nicht ausreicht.

Gerade für junge Kunden dürfte dieses Problem aber gedanklich noch so weit weg sein, dass nur wenige bereit sind, selbst eine Pflegeversicherung abzuschließen.

Cirinà: Wir haben deshalb gerade für diese Zielgruppe die Möglichkeit einer günstigen Option auf eine spätere Pflegeversicherung geschaffen, die auch in Kombination mit einer Unfallversicherung abschließbar ist. Der Vorteil: Wenn der Pflegefall in Folge eines Unfalls in der Optionsphase eintritt, wird sofort die Pflegerente gezahlt und die Pflegeversicherung gleichzeitig prämienfrei gestellt.

Wie teuer sind solche Polizzen?

Cirinà: Wenn die bereits erwähnte 25-jährige Frau zum Beispiel ein Gesundheits-Vorsorgepaket mit Unfallversicherung samt Sonderklasse bei Unfall und eine Pflegeversicherungsoption abschließt, kostet das 58,66 Euro. Auch der Privatarzt ist da schon dabei.

Oft wird erst ab 40 oder 50 über eine Versicherung nachgedacht, wenn in der Familie schon ein Pflegefall auftrat. Ist dann nicht die Prämie schon sehr teuer? Und scheitert der Abschluss oft an Vorerkrankungen?

Cirinà: Natürlich sind die Prämien höher. Deshalb macht es Sinn, früh zu beginnen. Etwaige Vorerkrankungen sind aber nicht so problematisch wie beim Abschluss privater Krankenversicherungen, weil viele Krankheitsbilder für das Pflegerisiko keine so große Rolle spielen. Es ist also durchaus auch für Personen über 50 noch attraktiv, eine Pflegeversicherung abzuschließen.

Zur Person: Luciano Cirinà, 47, schloss das Betriebswirtschafts-studium in Triest 1988 mit der Promotion ab. Seit 1999 ist er im Generali-Konzern tätig, erst in München beim Deutschen Lloyd, später in Italien und Österreich. Seit 2006 ist Cirinà Vorstandschef der Generali Versicherung in Österreich und der Generali Holding Vienna, aktuell amtiert er auch als Präsident des Versicherungsverbands. Privat ist Cirinà begeisterter Taucher.

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