Familiensinn im Aktiendepot

Familiensinn im Aktiendepot

Familienbetrieben haftet oft etwas Altmodisches an. Man denkt an Patriarchen, die das Unternehmen herrisch im Alleingang führen. Und das oft noch von einem dunklen, holzgetäfelten Büro aus. Doch Familienbetriebe wie Kapsch, Do & Co oder der deutsche Autobauer BMW sind anders - sie notieren an der Börse und sind für Investoren durchaus reizvoll.

"Familienbetriebe haben strukturelle Vorteile“, sagt Peter Kraus, Fondsmanager bei Allianz Global Investors. Sie seien oft flexibler und innovativer als reine Kapitalgesellschaften. Und speziell in wirtschaftlich unruhigen Zeiten haben sie ihre Meriten. "Das Management kann sich auf langfristige Strategien konzentrieren, weil das Unternehmen bei einem Kursrückgang nicht sofort zu einem Übernahmeziel wird“, betont Fondsmanager Tim Albrecht von der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS.

Diese Vorteile schlagen sich auch für Anleger in Familienbetrieben in einer entsprechenden Rendite nieder. Das Family-Business-Barometer des Bankhauses Spängler (siehe Familien-Akienfonds ) liegt deutlich über dem Stoxx-600-Index, der die Entwicklung mittelgroßer Unternehmen in Europa widerspiegelt.

Verdienen am Family Business

Erst seit kurzem können diese Vorteile auch private Kleinanleger nutzen, ohne sich mühsam mit einzelnen Unternehmen auseinandersetzen zu müssen. Eine Hand voll Kapitalanlagegesellschaften hat eigene Fonds aufgelegt, die nur in börsennotierte Unternehmen investieren, bei denen Familien einen Mindestanteil von 30 Prozent am Grundkapital halten.

Vor zwei Jahren hat beispielsweise das Bankhaus Spängler den Spängler Family Business Trust begeben. Der Fonds investiert in rund vierzig europäische börsennotierte Familienunternehmen. Dazu zählen u. a. Geox, H. Lundbeck, Gerry Weber, aber auch der österreichische Anlagenbauer Andritz. Dessen Boss Wolfgang Leitner hält über die Certus BeteiligungsgmbH selbst 30 Prozent am Unternehmen. Ronald Zilavec von der Spängler-Wertpapierabteilung: "Der Fonds investiert in zwei Gruppen: Small- bzw. Mid-Cap-Familien-Aktien sowie Large Caps. Kleinunternehmen unter 200 Millionen Marktkapitalisierung bleiben unberücksichtigt.“ Allein im heurigen Jahr konnte der Fonds um 14 Prozent zulegen.

Natürlich birgt ein Investment in Familienunternehmen auch so manches Risiko in sich. Eines der größten Probleme solcher Unternehmen ist die Nachfolgefrage. Beim deutschen Damenmoden-Konzern Gerry Weber steht diese gerade an. Das wachstumsstarke Unternehmen mit 4.300 Mitarbeitern ist im MDAX (mittelgroße Konzerne) gelistet, scheint aber auch im Portfolio der meisten Familien-Aktienfonds auf. Der heute 71-jährige Gründer Gerhard Weber treibt den Parade-Textilkonzern in großen Wachstumsschritten voran. Für seinen 21-jährigen Sohn, der bald in den Vorstand einziehen soll, eine große Herausforderung - und möglicherweise auch für die Stabilität der Aktie.

Bei den meisten österreichischen Familien-AGs, die im Portfolio der Fonds stecken oder auf dem Radarschirm der Fondsmanager sind, stellen sich diese Fragen nicht. Die Mayr-Melnhof Karton AG, die der L. K. Family Business Fonds in seinem Portfolio führt, steht zu 60 Prozent im Besitz der Familien Mayr-Melnhof und Goess Saurau. Das Unternehmen wird aber von einem eigenen Vorstand um Wilhelm Hörmanseder geführt. Franz VI. Mayr-Melnhof hat den Vorsitz im Familiensyndikat in der MM Karton AG über.

Keine Generalisierung

In wissenschaftlichen Studien wird gerne erklärt, dass Familienunternehmen auf längere Sicht erfolgreicher sind und für den Anleger höhere Renditen erwirtschaften als solche, die von Managern geführt werden, die nicht am Unternehmen beteiligt sind. Familienunternehmen verfolgen meist eine langfristige Strategie und unterscheiden sich vom kurzfristigen Quartalsdenken kapitalmarktorientierter Publikumsgesellschaften. Darüber hinaus zeichnen sich diese Unternehmen durch geringere Verschuldungsgrade und eine hohe Eigenkapitalquote aus, so der Tenor. Diese Studien stimmen großteils, aber natürlich nicht für jedes Unternehmen. Vorsicht ist schon geboten.

Dass Familienunternehmen nicht immer besser sind als Kapitalgesellschaften, zeigt der Vergleich der entsprechenden Börsenindizes. Der DAX 30 Family-Index vereint die 30 größten deutschen Familien-AGs. Stellt man seine Entwicklung dem DAX gegenüber, hatte der Family-Index zwar über lange Zeit die Nase vorne, aber nicht immer. Das liegt zum einen daran, dass er keine Unternehmen aus der Finanzbranche enthält. Die haben für die Entwicklung des DAX aber eine starke Bedeutung. Zum anderen gibt es auch in der Führung von börsennotierten Familienunternehmen unterschiedliche Qualitäten. Deshalb empfiehlt sich ein Investment über gemanagte Family Fonds, auch wenn diese mit Ausgabezuschlägen von bis zu fünf Prozent relativ teuer sind.

Dafür müssen die Fondsmanager auch einiges leisten, um die besten Unternehmen zu finden. Der L. K. Family Business Fonds des Vermögensberatungsunternehmens Grossbötz, Schmitz & Partner (GS&P) ist mit acht Jahren der am längsten am Markt befindliche Fonds dieser Art. Und bis vor einem halben Jahr hat er den DAX auch ständig outperformt. Fondsmanager Rainer Lemm erklärt, warum sein Fonds zuletzt ein wenig hinterherhinkte: "Wir haben größtenteils Konsumgüterhersteller, Industrie- und Pharmaunternehmen sowie einige Technologiefirmen im Fonds. Aber keine Bank- und Versicherungsaktien. Das hat uns lange geholfen. Aber zuletzt haben diese Titel wieder zugelegt.“

Intensiver Kontakt

Um ihre Performance zu erzielen, stehen die Fondsmanager in intensivem Kontakt mit dem Vorstand und den Eigentümerfamilien. Volker Riehm, Manager des H & A Unternehmerfonds: "Es ist für uns besonders wichtig, zu verstehen, was die Familien antreibt, um unsere Investmententscheidung zu treffen. Da kann man sich oft nicht an reinen Kennzahlen festhalten, sondern muss verstehen, wie die Familie tickt.“

Das ist auch der Grund, warum die in den Fonds gelisteten Unternehmen zumeist in Westeuropa angesiedelt sind. Solide Familien-AGs in Spanien, Portugal oder auch Italien zu finden ist eine große Herausforderung. Erst vor zwei Monaten hat GS&P nun aber einen Fonds begeben, der speziell in amerikanische Familien-Aktiengesellschaften investiert. Und die Schweizer Großbank Credit Suisse hat für einen potenziellen Fonds asiatische Familien-AGs unter die Lupe genommen. Das Ergebnis des Asian Family Business : in zehn Jahren ein Wertzuwachs von 260 Prozent.

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