Exportschlager Deutschland: Wertpapiere sind wieder auf dem Weg nach oben

Deutsche Aktien haben die Folgen der Finanzkrise überwunden. FORMAT analysiert, bei welchen deutschen Werten sich der Einstieg trotz der starken Kursgewinne seit März 2009 noch lohnt.

Eigentlich wollte die im deutschen Rheinberg geborene Claudia Schiffer Anwältin werden. Daraus wurde nichts, weil Michael Levaton von der Modelagentur ­Metropolitan 1987 ihr Talent für den Laufsteg erkannte. Danach ging alles Schlag auf Schlag, Schiffer machte auf den wichtigsten Catwalks der Welt Karriere. Bis heute gilt das 40-jährige Topmodel als Exportschlager Deutschlands.

Auch deutsche Autokonzerne wie BMW, Volkswagen oder Daimler können sich über einen Mangel an internationaler Nachfrage nicht beschweren. Während die Auftragseingänge der deutschen Autoindustrie ab Ende 2008 wie ein Stein senkrecht abstürzten, kam im Vorjahr dank Abwrackprämie und dem Absatzboom in den Schwellenländern die Trendwende. Das florierende Geschäft der Autobauer sorgt prompt an der Frankfurter Börse für Furore.

BMW gibt Vollgas  

Anleger, die nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers Mitte September 2008 zur BMW-Aktie griffen, wurden reich belohnt. Das Papier legte als beste Aktie des Börsenindex DAX seither um 74 Prozent zu. Auch Daimler findet sich mit einem Plus von 16,8 Prozent unter den zehn Top-Performern des Barometers der deutschen Börsenschwergewichte. Dagegen liegen die Kurse von Finanz­konzernen wie der Commerzbank und der Deutschen Bank sowie der Energieriesen E.ON und RWE nach wie vor teils erheblich tiefer als vor der Finanzkrise.

In Summe kamen seit dem Tiefpunkt des Vorjahrs alle wichtigen deutschen Aktienindizes schnell in Fahrt. Seit der Wende am 9. März 2009 legte der MDAX, der Aktienindex für deutsche Mittelwerte, um 112 Prozent zu. Die Kurse der im TecDAX vereinten Technologieaktien stiegen im Schnitt um 91 Prozent. Die Papiere des DAX, der die 30 Schwergewichte unter Deutschlands Börsenkonzernen abbildet, um 70 Prozent. Durch die Aktienrally fällt auch die Bilanz seit dem Beginn der Finanzkrise im September 2008 wieder positiv aus.

Der deutsche Konjunkturmotor lief heuer bis zur Jahresmitte auf Hochtouren, seit Juli hat sich die Drehzahl verringert. In Summe geht die Deutsche Bank davon aus, dass das BIP-Plus heuer 3,5 Prozent erreichen wird. Zum Vergleich: Ein solcher Wert wurde zuletzt nach der deutschen Wiedervereinigung vor knapp 20 Jahren erzielt. Nächstes Jahr wird die deutsche Ökonomie laut der Bank aber weniger stark wachsen, der mögliche Anstieg wird auf 1,7 Prozent taxiert.

Geht es nach Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung ifo, könnte das Wirtschaftswachstum Deutschlands schon bald auf zwei starken Säulen ruhen. Der ifo-Chef glaubt, dass das Exporthoch nun durch einen Boom der Binnenkonjunktur ergänzt wird, der zehn bis 15 Jahre dauern kann.

Da stellt sich für Anleger die Frage, ob es jetzt noch Sinn macht, in die Frankfurter Börse einzusteigen. Tim Albrecht, Fondsmanager des bewährten Aktienfonds DWS Deutschland, der seit kurzem auch für österreichische Anleger als steuerlich blütenweißer Fonds erhältlich ist, sieht trotz der Kursgewinne seit März 2009 weiter Aufwärtspotenzial. Albrecht: „Die Aktien des DAX sind auf Basis der Gewinnschätzungen für die nächsten zwölf Monate mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,4 im historischen Vergleich extrem günstig.“

Das billige Bewertungsniveau reicht aber allein für stark steigende Börsenkurse nicht aus. Vielmehr sind Großanleger wie Versicherungen das Zünglein an der ­Waage. Oliver Maslowski, der als Aktienfondsmanager für die Deutschland-Depots Julius Baer German Value Stock sowie Santander Deutsche Aktien zuständig ist: „Vor zehn Jahren haben Versicherungen 20 Prozent ihrer Veranlagungen in Aktien gehalten. Jetzt haben die zehn größten Assekuranzen der Welt weniger als fünf Prozent Dividendenwerte in ihren Depots.“

Impuls von Großanlegern  

Der Fondsmanager schließt jedoch nicht aus, dass die Großanleger wieder auf den Geschmack kommen könnten und ihre Aktienquote aufstocken. Einen großen Aktienboom sieht Maslowski trotzdem nicht: „Wenn die Versicherungen tatsächlich zukaufen, ist beim deutschen Leitindex noch ein Plus von zehn bis 15 Prozent möglich.“ In der Zwischenzeit lohnt sich ein Blick auf deutsche Aktien, die, gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis, besonders günstig bewertet sind.

Dazu zählt laut Maslowski die Vorzugsaktie von Volkswagen. Maslowski: „Vor geraumer Zeit war Volkswagen verhasst, aber mit einem Kurs-Buchwert-­Verhältnis von 0,9 ist die Aktie des Auto­bauers, der schon bald Toyota als größten ­Autokonzern der Welt beerben wird, klar zu billig.“ Zusätzliches Plus: Der Autobauer aus Wolfsburg, dessen Börsenwert aktuell 15,6 Milliarden Euro erreicht, erzielt bereits 16 Prozent seiner Umsätze in China. Beim Geschäft in Japan kommt Volks­wagen zugute, dass der Euro gegenüber dem japanischen Yen seit Jahresbeginn um rund 16 Prozent nachgegeben hat.

Auch beim Technikmulti Siemens, dem mit einem Börsenwert von 71,9 Milliarden Euro größten Börsenkonzern Deutschlands, können Investoren nicht viel falsch machen. Sowohl bei DWS-Fondsmanager Albrecht als auch im Santander Deutsche Aktien ist Siemens die größte Position. Maslowski streut dem Siemens-Lenker Peter Löscher Rosen: „Siemens war vor drei Jahren sogar noch unbeliebter als Volkswagen. Unter Löschers Führung hat das Unternehmen eine Wandlung erfahren. Jetzt ist man in vielen Bereichen Technologieführer und bei allen Kennzahlen top. Angesichts der Bewertung und des Gewinns je Aktie ist ein Anstieg des Börsenkurses auf 88 Euro möglich.“ Das entspricht gegenüber dem derzeitigen Niveau einem Kurspotenzial von zehn Prozent.

Zu den weiteren Hoffnungsträgern des Fondsmanagers zählt der Chemiekonzern BASF. Nicht zuletzt deswegen, weil der Chemieriese 15 Prozent seines Umsatzes mit der Autoindustrie macht. Unter den deutschen Technologiewerten sollten Investoren wiederum die Aktie von Drillisch im Auge behalten. Während derzeit nur ­jeder zehnte Deutsche ein Smartphone nutzt, soll der Anteil in zwei bis drei Jahren auf 25 Prozent steigen, wovon der Mobilfunk-Provider Drillisch profitiert.

Peter Conzatti, Manager des Nebenwertefonds Lupus Alpha German Champs: „Obwohl der MDAX diese Woche auf ein Jahreshoch geklettert ist, ist bei deutschen Nebenwerten die Luft noch nicht draußen.“ Zu den Favoriten Conzattis zählen derzeit Aktien des Baukonzerns Bilfinger Berger. „Durch den Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist das Unternehmen in Verruf gekommen. Aber an den Gerüchten ist nur wenig dran. Die Bilanz von Bilfinger Berger ist solide, und man verfügt über hohe Liquidität.“ Auch bei Heidelberg­cement ortet der Fondsmanager Kurspotenzial. Conzatti: „Die Zahlen stimmen wieder, und die Nachfrage etwa in Indonesien oder Afrika ist hoch.“ Unter den Technologieaktien hat der Fondsmanager das Papier von Nanotech, einem Spezialisten für den Bereich Oberflächenveredelung, auf seiner Liste. Conzatti: „Nanotech hat für den neuen Opel Insignia eine neuartige Beschichtung der Sitzbezüge entwickelt. Opel gibt nun zehn Jahre Garantie, dass alle Flecken entfernt werden können.“

Robert Winter

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