Ex-Porr Chef Horst Pöchhacker: „Je mehr Feinde, desto besser“

Der ehemalige Porr-Chef Horst Pöchhacker ist im Zusammenhang mit Zahlungen an Walter Meischberger ins Zwielicht geraten. Auch als ÖBB-Aufsichtsrat steht der 72-Jährige häufig im Kreuzfeuer der Kritik.

FORMAT: Haben Sie die Kabarett-Lesung der Meischberger-Protokolle gesehen?
Pöchhacker: Ja, im Fernsehen. Ist ganz lustig.

FORMAT: Ihr Name fiel bei den Gesprächen auch. Wie unangenehm ist es, mit dubiosen Provisionen in Verbindung gebracht zu werden?
Pöchhacker: Unangenehm ist die Art und Weise, wie es kolportiert wird. Dass Protokolle bestimmten Journalisten zugespielt werden, man sie aufmascherlt, aus dem Zusammenhang reißt und mit Kommentaren versieht. Man kann alles auf­klären, das ist Aufgabe der Justiz. Ich werde aber keine inhaltliche Stellungnahme abgeben. Für uns bei der Porr waren Herr Plech (Immobilienmakler, Anm.) und Herr Hochegger (PR-Berater, Anm.) die Ansprechpartner, beide anerkannte Fachleute. Ob und wie die dann ihre Honorare weiterverwendet haben, ist nicht unser Bier.

FORMAT: Können Sie Walter Meischberger helfen und sagen, was denn jetzt seine Leistung war, warum er mehr als 700.000 Euro Vermittlungsprovision für ein Gebäude in der Nordbergstraße bekommen hat?
Pöchhacker: Das steht gar nicht zur ­Debatte. Unsere Partner waren Leute wie Plech oder Hochegger.

FORMAT: Wie oft hatten Sie Kontakt mit Meischberger, was war Ihr Eindruck?
Pöchhacker: Ich habe ihn vielleicht dreimal gesehen und möchte niemanden ausrichten. Die Beurteilung steht anderen zu.

FORMAT: Haben Sie oft mit Lobbyisten zusammengearbeitet?
Pöchhacker: Der Ausdruck ist irreführend, Berater ist besser. Man verschafft sich Informationen, wie etwas funktioniert. Bei uns wird verkürzt: Lobbyismus ist gleich Schmiergeld. Das ist ja irre.

FORMAT: Was ist der Unterschied zwischen Lobbying und Schmiergeld?
Pöchhacker: Lobbying ist, wenn jemand etwa Bescheid weiß, wie wir unser Angebot abgeben und ausgestalten müssen. Je nachdem, wie gut unser Angebot im Vergleich zu den anderen ist, wird es dann zum Zug kommen oder nicht. Schmiergeld ist eine völlig andere Welt und heißt, dass ich ein schlechtes Angebot über solche Wege zum besten Angebot mache und andere schädige. Schmiergeld hat es weder beim Kauf der ungarischen Güterbahn durch die ÖBB noch in der Bauwirtschaft gegeben.

FORMAT: Wie gut kennen Sie Ernst Karl Plech, einen engen Vertrauten von Karl-Heinz Grasser und Meischberger?
Pöchhacker: Er ist ein anerkannter Immobilienmakler, der bei Schwarz-Blau gut vernetzt ist. Ich kenne ihn seit 20 Jahren. Den Herrn Hochegger, der sowohl von der Porr als auch von den ÖBB Aufträge erhielt, kenne ich gar nicht. Aber wir machen hier ja nicht Gesellschaftsjournalismus, sondern Wirtschaftsjournalismus.

FORMAT: Uns liegen Protokolle vor, dass Herr Plech gegenüber der Justiz von Deals mit dem Bauunternehmer Kallinger, Ex-ÖBB-Chef Martin Huber und Ihnen spricht. Was sagen Sie dazu?
Pöchhacker: Das prüft die Justiz.

FORMAT: Themenwechsel zu den ÖBB. Sie haben als Aufsichtsratspräsident immer betont, dass die Bahn nicht so schlecht sei, wie in den Medien oft dargestellt. Der jetzige Chef Christian Kern spricht hingegen oft von der Gefahr einer Pleite. Übertreibt er, oder waren Sie zu optimistisch?
Pöchhacker: Die Bahn hat in jüngster Zeit drei Phasen durchlebt: Von 2000 bis 2007 wurde eine Struktur gemacht, die sehr betriebsfremd war. Ein Beispiel: Für die Durchsagen im Zug, für die am Bahnhof, für den Auftritt im Internet und das Call Center waren vier verschiedene Firmen ­zuständig. Klar, dass es Probleme gibt. Von 2007 bis 2010 haben wir gebraucht, um ein besseres ÖBB-Gesetz zu machen.

FORMAT: Also eine Reparaturphase?
Pöchhacker: Ja. Die war sehr mühselig, weil es für jede Änderung die Zustimmung des Parlaments gebraucht hat. Jetzt haben wir die Voraussetzungen, auch mit dem neuen Management, dass eine wettbewerbsfähige Bahn entsteht. Wäre Kern 2007 angetreten, wäre es wesentlich schwieriger gewesen. Jetzt kann man Dinge ändern, Kern hat mein vollstes Vertrauen.

FORMAT: Sehen Sie auch die Gefahr ­einer ÖBB-Pleite?
Pöchhacker: Operativ wird das Unternehmen jeden Tag besser, wir werden nicht pleitegehen. Aber es ist noch viel zu tun.

FORMAT: Viele der Manager, die zu Ihrer Zeit als Aufsichtsrat bei den ÖBB-Töchtern bestellt wurden, werden derzeit gerade von Kern abgelöst. Haben Sie falsche Personalentscheidungen getroffen?
Pöchhacker: Das hängt mit den drei ­Phasen zusammen. Nach der großen Beunruhigung 2007 war Beruhigung notwendig, daher waren Manager, die aus der Bahn kamen, notwendig. Auch den Herrn Kern haben wir uns selbst ausgesucht. Es ist völlig logisch, dass ein neues Management vieles hinterfragt. Ich bin da nicht empfindlich.

FORMAT: Was ist denn aus Ihrer Sicht zur Sanierung nun notwendig?
Pöchhacker: Die ÖBB tragen einen Riesen-Rucksack: Erst 2040 geht der letzte Beamte. Wettbewerbsfähigkeit braucht Zeit.

FORMAT: Die Bilanz 2010 der ÖBB wird aufgrund von zahlreichen Abschreibungen ein Gemetzel werden. In welcher Höhe erwarten Sie das Minus?
Pöchhacker: Ich will dem Vorstand da nicht vorgreifen.

FORMAT: Der Verlust soll 400 Millionen Euro und mehr ausmachen?
Pöchhacker: Sie werden mir keine Zahl entlocken, aber ich bin mir sicher, dass es nicht in dieser Höhe sein wird.

FORMAT: Wird da nicht auf jeden Fall die Eigenkapitaldecke zu dünn?
Pöchhacker: Natürlich. Aber die Kapitalausstattung ist Eigentümerfrage, dazu gibt es keinen Konsens in der Koalition.

FORMAT: Brauchen Sie Geld vom Staat?
Pöchhacker: Die ÖBB bewältigen eine Sanierung auch aus eigener Kraft. Frisches Geld wäre nicht zur Verlustabdeckung nötig, sondern für Investitionen.

FORMAT: Macht Ihr Job noch Spaß?
Pöchhacker: Je mehr Feinde ich habe, desto mehr wissen wir, dass wir am richtigen Weg sind.

Interview: Miriam Koch

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