"Europa bietet die besten Kaufgelegenheiten der ganzen Welt"

Indien, China, Brasilien - Schwellenländer sind bei internationalen Finanzinvestoren stark in Mode. Vergleichsweise billige Unternehmen und satte Wachstumsraten locken Firmenjäger aus der ganzen Welt - allen Risiken zum Trotz. Geht es nach dem Mitgründer des US-Private-Equity-Hauses Carlyle, David Rubenstein, muss diese Liste um eine weitere Region erweitert werden.

"Europa bietet derzeit die besten Kaufgelegenheiten auf der ganzen Welt", sagt er am Dienstag auf der Branchenmesse "SuperReturn" in Berlin. "Europa könnte man durchaus als das interessanteste Schwellenland ansehen." Viele Firmen seien wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone billig zu haben, betonte der Branchenveteran, dessen Firma mehr als zwölf Milliarden Dollar für Übernahmen zur Verfügung hat.

Rubensteins Äußerungen überraschen, da Carlyle zuletzt zumindest in Deutschland wenig aktiv war. Seit der Pleite des Autozulieferers Edscha, der dem US-Investor gehörte, zum Höhepunkt der Finanzkrise ist es hierzulande ruhig geworden. Hinzukommt, dass die Banken in Europa noch immer knausern mit Krediten, was Milliardendeals selten macht. In den USA sind sie dagegen schon wieder auf der Tagesordnung. Carlyle, Blackstone, KKR und andere große Investoren mischen dabei kräftig mit. Weltweit verfügen die Firmenjäger über 370 Milliarden Dollar an Kapital, davon ist etwas mehr als die Hälfte für Nordamerika bestimmt, ein Drittel für Europa und der Rest für die übrigen Regionen.

Europa als heiße Kartoffel

In Europa stark aktive Finanzinvestoren haben Zweifel, dass sich daran kurzfristig viel ändert. "In Europa zu investieren, ist aktuell sehr herausfordernd", betont Rob Lucas, Managing Partner des Beteiligungshauses CVC Partners, das unter anderem an dem Chemiekonzern Evonik beteiligt ist. Speziell in hoch verschuldeten Ländern wie Italien und Spanien sei die Unsicherheit sehr hoch. "Niemand weiß, wie es weitergeht, daher muss man sehr vorsichtig sein", warnte der Manager des europäischen Finanzinvestors. Auch Jeremy Golding, Gründer des deutschen Private-Equity-Dachfonds Golding Capital Partners, erwartet keinen "Goldrausch" in Europa: Die Aufmerksamkeit der Investoren richte sich auf die Firmen etwa in Spanien oder Italien, die international verzweigt und nicht so stark auf den Heimatmarkt ausgerichtet seien.

Doch nicht nur einzelne Unternehmen rücken ins Visier der Finanzinvestoren, die der damalige SPD-Chef Franz Müntefering 2005 als Heuschrecken gebrandmarkt hatte, die über Firmen herfielen und diese aussaugten. Viele kaufen am Markt auch faule Kredite auf und machen Druck auf das Management des angeschlagenen Unternehmens, das Ruder herumzureißen. Einer der größten Spieler hier ist der US-Investor Apollo Global Management, dessen Gründer Leon Black in Europa ebenfalls sehr gute Kaufgelegenheiten sieht. "Wir investieren derzeit viel Zeit darauf, faule und gesunde Kredite in Europa zu erwerben", sagt er in Berlin. Ähnlich wie Rubenstein geht er in seinem Kurzvortrag auf die traditionellen Schwellenländer kaum ein. Der Carlyle-Mitgründer erklärt warum: "Europa liefert für uns aktuell einfach die besten Jagdgründe."

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