Erstmals nach der Krise: Über 1 Mio. neue Bausparverträge

Auf der Sparseite wird immer öfter das Jahreslimit von 1.200 Euro ausgeschöpft. Trotzdem steigen die Ausleihungen der Bausparkassen noch schneller als ihre Spareinlagen.

Fast jeder hat einen. Fünf Millionen Österreicher zahlen in einen Bausparvertrag ein. 2010 wird eine Million Verträge neu abgeschlossen. Das Jahresende zählt für die Kassen traditionell zu den abschlussstärksten Zeiten. Josef Schmidinger, Chef der s Bausparkasse: „In einem normalen Monat machen wir etwa acht Prozent der Jahresabschlüsse, aber im Dezember verdoppelt sich die Anzahl der neuen Verträge.“

Das hat nicht nur damit zu tun, dass Bausparverträge ein beliebtes Weihnachtsgeschenk sind, sondern auch damit, dass sich viele Österreicher noch in diesem Jahr die staatliche Prämie von 3,5 Prozent sichern wollen. 2011 wird die Prämie allerdings wegen des generell niedrigen Zinsniveaus auf drei Prozent sinken. FORMAT zeigt, welche neuen Entwicklungen bei den Bausparkassen ins Haus stehen und was das für die Kunden bedeutet.

Doch zuerst zu den bekannten Fakten: Maximal 1.200 Euro können pro Jahr prämienbegünstigt gespart werden. Zu den Zinsen, die die Bausparkasse springen lässt, kommt noch die staatliche Prämie. Es gibt zwei Bausparvarianten mit fixem beziehungsweise variablem Zinssatz. Welche künftig die bessere sein wird, darüber streiten selbst Experten. Erich Hackl, Boss der ABV: „Ich würde derzeit nur einen Bausparvertrag mit variablem Zinssatz wählen. Wir sind auf dem niedrigsten Zinsstand seit Jahren, es kann nur besser werden.“ Peter Weiss, Betreiber der Bausparvermittlung BausparKlick.at , schlägt in dieselbe Kerbe: „Die 2,5 Prozent Fixzinsen, die derzeit an Bausparer gezahlt werden, locken niemanden hinter dem Ofen hervor. Ich präferiere derzeit Bausparverträge mit variablen Zinsen, weil der 12-Monats-Euribor bereits wieder leicht steigt.“

s-Bauspar-Chef Schmidiger hat eine andere Lösung: „In meiner Familie machen wir zwei Bausparverträge, und dann schließen wir eine Wette ab. Meine Frau macht einen mit variablen Zinsen und ich einen mit fixen. Bis jetzt hab immer ich gewonnen.“ Generell gilt: Bei variablen Verträgen werden die Kunden in der Startphase mit einem Bonuszins gelockt, der höchste Einstiegszinssatz für variable Verträge beträgt derzeit 3,5 Prozent.

Ein angenehmer Nebeneffekt bei dieser Art des Sparens: Man erwirbt sich dadurch Ansprüche auf ein günstiges Bauspardarlehen. Die variablen Zinsen, die derzeit bei rund drei Prozent liegen, können maximal auf sechs Prozent ansteigen. Ist die Nachfrage nach den Darlehen groß, haben jene Bausparer bei der Zuteilung einen Vorteil, die nicht erst anlässlich der Kreditaufnahme mit dem Bausparen beginnen.

Derzeit fällt dieser Vorteil allerdings kaum ins Gewicht, weil die Kassen noch ausreichend Sparmittel zur Verfügung haben. Allerdings geht die Überschussliquidität zurück: Zwischen 2003 und dem dritten Quartal 2010 ist das gesamte Ausleihvolumen der Bausparkassen um 22 Prozent angestiegen. Sollten die Kreditzinsen der Banken stark steigen, könnten die Zuteilungsfristen zu den Bauspardarlehen wieder länger werden.

Mehr Geld pro Bauherr

Bei den Finanzierungen gibt es einen Trend zu größeren Volumen. Johann Ertl, Geschäftsführer der Raiffeisen Bausparkassen: „Während sich die Leute vor zehn Jahren im Schnitt zwischen 15.000 und 20.000 Euro ausgeborgt haben, liegt die Summe heute bei 60.000 Euro“. Tendenz: weiter steigend. Die Ursache für diese Entwicklung liegt darin, dass kleinere Beträge immer häufiger via Überziehungsrahmen des Girokontos ausgeborgt werden.

Dass es wegen der Bankensteuer und Basel III ab 2011 zu Kreditengpässen kommen wird, schließen alle Chefs der Bausparkassen aus. Schmidinger: „Wegen Basel-III-Vorschriften müssen wir drei Prozent der Bilanzsumme als Eigenkapital halten, das sind bei uns 210 Millionen Euro. Derzeit haben wir 140 Millionen Euro. Die fehlenden 70 Millionen werden in den kommenden Jahren aus jährlichen Erträgen dazukommen.“ Die Kapitalvorschriften sollten auch der ABV keine Sorgen bereiten. Hackl: „Wir haben kein Problem. Selbst wenn die Fristen zur Aufstockung kürzer ausfallen würden, könnten wir die Quoten schon jetzt erfüllen.“ Dass sich die Bankensteuer und Basel III auf Neuverträge auswirken, schließt Wüstenrot-Vorstand Franz Meingast aus: „Wir sind gut gerüstet. Kein Kunde muss fürchten, dass deshalb die Angebote teurer werden.“

Als Trostpflaster für die Bausparkassen bleibt, dass die Bankensteuer die Kassen wohl nicht so hart treffen wird wie die übrigen Banken, weil das Risiko überschaubarer ist. Manfred Url, ab Jänner Generaldirektor der Raiffeisen Bausparkassen: „Wir werden ein paar Hunderttausend Euro, jedenfalls aber weniger als eine Million zahlen.“

Glücklich sind die Bausparkassen über die Bankensteuer trotzdem nicht. ABV-Chef Hackl: „Es ist paradox, wenn der Staat auf der einen Seite fördert und auf der anderen Seite kassiert.“

– Carolina Burger

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