Erntezeit an der Börse: Steigende Kurse auch für die nächsten Monate erwartet

Der Aktienboom wird von guten Quartalszahlen weiter angefeuert. FORMAT zeigt, wie sich wichtige Konzerne in der Berichtssaison schlagen und wo Chancen auf weitere Kursanstiege bestehen.

Der amerikanische Computerkonzern Apple kennt keine Krise. Das iPhone und die Mac-Computer des Technologieunternehmens gingen auch zwischen Juli und September weg wie die warmen Semmeln, was den Quartalsgewinn auf das Rekordniveau von 1,7 Milliarden Dollar hievte. Solch erfreuliche Nachrichten hören Börsianer gerne, der Aktienkurs des Konzerns stieg Anfang der Woche in einem Satz um fünf Prozent. Auf Jahressicht stehen damit, in Dollar gerechnet, bereits plus 117 Prozent zu Buche. Davon kann der weltgrößte Handyhersteller Nokia nur träumen. Das schwierige dritte Quartal brachte dem finnischen Konzern einen Verlust von 913 Millionen Euro, der Aktienkurs sackt weiter ab.

US-Unternehmen übertreffen Erwartungen
Solche herben Rückschläge wegen schlechter Quartalsergebnisberichte sind derzeit aber ganz zur Freude der Investoren eher die Ausnahme. Bob Doll, Chef für globale Aktien der Fondsgesellschaft BlackRock: „Die bisherige Berichtssaison in den USA verläuft generell gut. 72 Prozent der Unternehmen, die bereits Zahlen gelegt haben, konnten die Erwartungen übertreffen. Wirklich enttäuscht haben dagegen nur 16 Prozent der Konzerne.“ Gute Quartalszahlen konnte etwa der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer ebenso reportieren wie die Internet-Suchmaschinenbetreiber Yahoo! und Google, der Chip-Multi Intel oder der weltgrößte IT-Dienstleister IBM. Unter den Banken lief es für JPMorgan ausnehmend gut, auch Goldman Sachs konnte den Gewinn deutlich steigern.

"Es wird weiter aufwärts gehen"
Ganz im Gegensatz dazu rutschte die Bank of America mit einem Quartalsverlust von 2,2 Milliarden Dollar tief in die roten Zahlen, die Citigroup ringt wiederum mit Milliardenverlusten im Kreditgeschäft. Davon bleibt die Deutsche Bank zwar verschont, aber der im dritten Quartal erzielte Nettogewinn von 1,4 Milliarden Dollar basiert zum Teil auf Steuergutschriften. Das sorgte nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen Mitte der Woche an der Börse zunächst für lange Gesichter. Kurt Kotzegger, Aktienchef der Raiffeisen-Fondsgesellschaft: „In Europa verläuft die gerade angelaufene Berichtssaison aber in gewohnter Manier. In Summe werden rund 60 Prozent der Konzerne im 3. Quartal positiv überraschen.“ Damit ist das Pulver noch nicht verschossen. Markus Koch, Wall-Street-Experte beim deutschen Nachrichtensender n-tv: „Der Aktienboom ist jetzt von guten Ertragszahlen angefeuert. Angesichts der schwachen Ausgangslage muss man kein Wissenschaftler sein, um zu erkennen, dass es auch im nächsten halben Jahr weiter aufwärts gehen wird“.

Umsätze ziehen nach
Weltweit haben zahlreiche Unternehmen erfolgreich Sparmaßnahmen gesetzt und Kostensenkungsprogramme auf Schiene gebracht. Das ist für Raiffeisen-Experte Kotzegger aber nur die halbe Wahrheit: „Es wird noch immer übersehen, dass viele Konzerne wieder stark wachsende Umsätze machen. Deswegen sind die Kursanstiege an den Börsen gerechtfertigt.“ Und die fallen seit geraumer Zeit erfreulich aus. Der breit gefasste MSCI-Weltaktienindex brachte es trotz der Kursverluste von Jahresanfang bis März bislang immerhin auf plus 18 Prozent. Österreichische Dividendenwerte gewannen 51 Prozent. Noch besser lief es für asiatische Aktien, die, gemessen am MSCI-Index, heuer schon um 55 Prozent zulegten. Während LG Electronics, der weltweit drittgrößte Handyhersteller, seinen Gewinn im dritten Quartal um 49 Prozent steigern konnte, hält Ulrich Baumann, Manager des Fernost-Aktienfonds Volksbank Pazifik Invest, positive Überraschungen bei asiatischen Ölkonzernen und bei Unternehmen, die im Ölzulieferbereich tätig sind, für möglich. Baumann: „Konzerne wie Petrochina könnten bessere Zahlen als erwartet liefern, weil die Kalkulationen noch auf Basis eines tieferen Ölpreises erstellt wurden. Gemessen am Gewinnwachstum zählen für mich auch Technologieaktien aus der Hardware- und Halbleiterbranche zu den Favoriten.“

"Chancen für Kursanstiege"
Für österreichische Aktien fängt die Bilanzsaison erst am 27. Oktober mit den Verbund-Zahlen an. Bernd Maurer, Aktienanalayst der Raiffeisen Centrobank, rechnet damit, dass die Ergebnisse für das dritte Quartal überwiegend ähnlich positiv überraschen werden wie jene des zweiten Quartals, wo etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen besser und etwa 40 Prozent schlechter abschnitten, als die Experten erwartet hatten. Maurer: „Aktuell zeigt sich generell auf Seite der Umsätze eine leichte Besserung, zusätzlich könnten die Kostensenkungsmaßnahmen einen stärkeren positiven Effekt haben.“ Harald Egger, Veranlagungs-Chef der Erste-Bank-Fonds: „Österreichische Aktien waren nicht die ersten, die aus dem Schlamassel gekommen sind, deswegen bestehen immer noch Chancen für Kursanstiege. Ich orte auch noch weiteres Aufwärtspotenzial, weil heimische Aktien vom Sog der Erholung an den osteuropäischen Börsen mit nach oben gezogen werden.“ Dass in der nächsten Zeit weiter Geld mit Aktien zu verdienen ist, glaubt auch Raiffeisen-Aktienexperte Kotzegger: „Ich kann zwar nicht sagen, ob noch plus 15 oder plus 30 Prozent drinnen sind. Sicher ist jedoch, dass keine der Ampeln, die den Börsenaufschwung stoppen könnten, auf Rot steht.“

Liquidität wird knapper
Obwohl auch Erste-Sparinvest-Chefinvestor Egger glaubt, dass die wichtigsten Börsen zumindest bis Ende des ersten Quartals 2010 weiter zulegen, mahnt er zu Vorsicht: „Die Nachhaltigkeit des Aufschwungs ist fraglich, weil die weltweiten Konjunkturmaßnahmen auslaufen. Die Trendumkehr an den Börsen seit März war nicht von Unternehmensgewinnen getrieben, sondern von Liquidität.“ RZB-Chefvolkswirt Peter Brezinschek: „Die Liquidität wird 2010 wieder knapper, weil die EZB Hunderte Milliarden Euro vom Markt nehmen wird.“

Robert Winter

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