Eine Frage der Prozente: Pensionskassen und Abfertigung neu im FORMAT-Check

FORMAT zeigt, wie die einzelnen Pensionskassen 2010 abschnitten, wie sich die „Abfertigung neu“ entwickelte und wie weit die Pläne zur Pensionskassenreform gediehen sind.

Knapp daneben ist auch vorbei. Seit nunmehr rund zwei Jahren gab es mehrere Anläufe zu einer Reform der österreichischen Pensionskassen. Bislang blieb es aber beim Wunschdenken. Harald Waiglein, Sprecher des Finanzministeriums, schürt neue Hoffnung: „Die Eckpunkte der Reform sind unstrittig, sie sind mit den Sozialpartnern bereits ausverhandelt. Nun sind noch zwei oder drei Details zu klären. Ich glaube, dass sich bis zum Sommer 2011 eine Initiative zur Novelle des Pensionskassengesetzes ausgehen wird.“

Valida-Chef Andreas Zakostelsky: „Eigentlich steht der Reform schon seit rund einem Jahr nichts mehr im Wege. Wenn die Diskussion tatsächlich bald in Ergebnisse mündet, hisse ich die weiße Fahne.“

Deutliche Erholung

Bis es aber tatsächlich so weit ist, müssen sich die rund 770.000 Österreicher, die eine Firmenpension beziehen oder einen Anspruch auf die Zusatzrente vom Chef haben, in Geduld üben. Sie können weiter nur hoffen, dass ihre Pensionskasse bei der Veranlagung Erfolg hat und nicht wie im Jahr 2008 in die Miesen gerät. Bei der APK Pensionskasse ist die Rechnung im vergangenen Jahr jedenfalls aufgegangen. Es finden sich gleich mehrere Veranlagungs-Risikogemeinschaften (VRG) der APK in der Leistungsschau der heimischen Pensionskassen auf den vorderen Plätzen. Dabei war, wie bei der VRG 19 der APK, trotz des turbulenten Jahres an den Finanzmärkten ein Ertrag von 12,0 Prozent möglich.

APK-Chef Christian Böhm: „Extrem breite Streuung war 2010 das oberste Gebot. Es hat sich gelohnt, dass wir den Aktienanteil im letzten Quartal des Vorjahres auf rund 40 Prozent angehoben haben.“ Ganz generell liefen im Vorjahr der aktive Anlagestil (mit einer Aktienquote zwischen 32 und 40 Prozent) sowie die dynamischen Varianten (mit mehr als 40 Prozent Aktien) am besten und kamen beide über acht Prozent. Zu große Vorsicht war dagegen fehl am Platze. Michaela Plank, Pensionskassenexpertin des Beratungshauses Mercer: „Pensionskassen, die skeptisch waren und von einem schwierigen Jahr an den Finanzmärkten ausgingen, erzielten im Vorjahr wegen des verstärkten Einsatzes von Absicherungsinstrumenten vergleichsweise schwache Renditen. Pensionskassen, die dagegen mehr Risiko in Kauf nahmen, lagen 2010 vorne.“ Das traf neben der APK auf Victoria Volksbanken und zum Teil auch auf die VBV-Pensionskasse zu.

Abfertigung neu

Bei betrieblichen Vorsorgekassen, die das Geld der „Abfertigung neu“ verwalten, fallen die Erträge konstruktionsbedingt geringer aus als bei den Pensionskassen. Einerseits hat die Veranlagung besonders konservativen Regeln zu folgen. Andererseits sind die Einzahlungen mit einer Garantie versehen, was naturgemäß den Risikoappetit der Veranlagungsmanager bremst. Im Vorjahr hatte bei der Abfertigung neu Siemens mit 4,7 Prozent Ertrag die Nase vorn. Michael Lucan, Chef der Siemens Vorsorgekasse: „Der relativ hohe Anteil amerikanischer und europäischer Aktien hat für gute Erträge gesorgt. Wegen der unsicheren Datenlage in Japan wurde der Aktienanteil auf 15 Prozent reduziert.“ Ein respektables Ergebnis konnte auch die erst Mitte des Vorjahres gestartete Vorsorgekasse Fair Finance erzielen.

Knackpunkte der Reform

Trotz der teils zweistelligen Wertentwicklung der Pensionskassen bleibt der Wermutstropfen, dass die erzielten Renditen nicht automatisch zu deutlichen Pensionserhöhungen führen. Ursache dafür sind speziell zwischen 1998 und 2003 abgeschlossene Altverträge, die mit einem hohen Rechnungszins von teilweise über sieben Prozent ausgestattet sind. Erst wenn dieser Schwellenwert überschritten wird, steigt auch die Rente an. Valida-Chef Zakostelsky: „Die Novelle zum Pensionskassengesetz sollte den Eintritt in solche Altverträge unterbinden. Ich halte auch die Einführung einer Variante mit Kapitalgarantie für sinnvoll.“

Mercer-Expertin Plank kann der Veranlagung mit Garantie nur wenig abgewinnen: „Ich halte die Schaffung von Veranlagungs-Risikogemeinschaften mit Kapitalgarantie für wenig sinnvoll, gibt es doch bei der Betrieblichen Kollektivversicherung, einem klassischen Versicherungsprodukt, ohnehin eine garantierte Pension.“ Breiten Konsens gibt es dagegen bezüglich der Einführung eines Lebensphasenmodells, das innerhalb einer VRG unterschiedliche Aktienanteile zulässt.

APK-Chef Böhm nimmt die Diskussion um die Pensionskassenreform gelassen: „Ich glaube nicht, dass die Welt durch eine Novelle besser wird. Entscheidend ist, dass unterm Strich gute Erträge erzielt werden.“ Die Bezieher einer Rente vom Chef werden diese Meinung sicher goutieren.

- Robert Winter

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