Dividendencheck: So viel spucken die
Goldesel an der Börse tatsächlich für Sie aus

Die Dividendensaison steht vor der Tür. Zeit also, die Unternehmen genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer zahlt, wer hat ­erhöht, wer gekürzt, wer ist beständig: ­FORMAT zeigt lukrative Papiere.

Goldesel wie im Märchen „Tischlein deck dich“ sind feine Tiere, spenden sie doch auf Zuruf Gold und ermöglichen dadurch ein Dasein in Saus und Braus. Im wirklichen Leben sucht man nach einer solchen Spezies zwar vergeblich, es gibt aber durchaus Unternehmen, die sich mit der Beständigkeit des Esels der Brüder Grimm messen können. Sie zahlen ihren Anlegern jahraus, jahrein üppige Dividenden. Heuer gibt es sogar Unternehmen mit Dividendenrenditen von fast zehn Prozent. 2009 war zwar ein gutes Jahr für Aktien. Ein genauer Blick zeigt aber, dass gerade dividendenstarke Papiere von Telekom­-Unternehmen und Versorgern bei der Rally zum Zuschauen verdammt waren. Sonja Schemmann, Managerin des Dividendenaktienfonds Schroder Global Equity Yield: „Ausschüttungsreiche Titel sind im vergangenen Jahr ordentlich hinterhergehängt. An der Börse haben stattdessen vor allem Unternehmen profitiert, die Staatshilfe in Anspruch genommen haben. Da gibt es eine deutliche Kluft zwischen geringwertigen Titeln und Qualitätspapieren.“ Laut Schemmann ist heuer genug Spielraum für eine Aufholjagd der Dividendenaktien.

Willkommenes Zubrot
Letztlich ist die Dividende für den Anleger so etwas wie die Karotte für den Esel – ein zusätzlicher Leckerbissen. Sie ist sozusagen eine Prämie fürs Warten, bis die Kurse wieder in die Höhe klettern. Für den langfristigen Investor macht sie außerdem einen erheblichen Anteil der Gesamtrendite aus. Dass der Sparkurs bei den Unternehmen Wirkung zeigt und dass es genügend Luft nach oben gibt, beweisen die Dividendenerhöhungen einzelner Konzerne. Der Schweizer Versicherer Zurich Financial Services hat gleich um 45 Prozent auf­gestockt. Das bedeutet für Anleger heuer ausbezahlte 6,3 Prozent Dividende. Der ­norwegische Energieriese Statoil legt um 36 Prozent mehr auf die Waage und schüttet 4,5 Prozent aus, während der finnische Versicherer Sampo mit 5,6 Prozent die Dividende um 25 Prozent erhöht hat.

Spreu vom Weizen trennen
Europäische Unternehmen zahlen im Durchschnitt fünf Prozent Dividende, also weit mehr als Anleihen solider Staaten. Asiatische Unternehmen belohnen ihre Anleger mit durchschnittlich vier Prozent Dividende, bei amerikanischen Konzernen sind es zwei Prozent. Österreichs Konzerne sind übrigens im Europa-Vergleich mit 3,1 Prozent relativ knausrig. Katharina Seiler, Managerin des Weltaktienfonds DWS Top Dividende (ISIN DE0009848119): „Für Anleger ist es wichtig, sich beständige Dividendenzahler ins Depot zu holen. 30 Prozent der Titel im S&P-500-Index haben die Dividende gekürzt oder gestrichen. Hier muss man bei der Auswahl clever sein und die Spreu vom Weizen trennen.“
Verlässliche Zahler sind Telekom-Unternehmen, die beständig hohe Dividenden ausschütten. Regina Parhammer, Mana­gerin des Volksbank Dividend Invest: „Gerade im Telekom-Sektor sollte man nicht nur auf die Dividendenrendite schauen, sondern auch auf das Kursentwicklungspotenzial der Aktie. Mir gefallen neben der Deutschen Telekom auch die belgische Mobistar und die amerikanische AT&T, die 6,7 Prozent Dividendenrendite ausweist. Bei der Telekom Austria sehe ich noch gewisse Schwierigkeiten.“ Ebenfalls gern gesehener Gast in den Depots der Fondsmanager ist die France Télécom mit acht Prozent. An der Spitze liegt der US-Telekom-Wert Windstream mit 9,7 Prozent Dividendenrendite.

Auf starke Bilanz und Cashflow achten
Achtung: Bevor Anleger jetzt aufs Geratewohl drauflos­kaufen, sollten die Unternehmen schon gründlich unter die Lupe genommen werden. Die Dividendenrendite orientiert sich nämlich am Aktienkurs und wird mathematisch ­höher, je tiefer der Kurs sinkt. Fonds­managerin Parhammer: „Wichtige Kriterien sind für mich eine starke Bilanz, ein ausreichender Cashflow, der mir zeigt, ob die Dividende gedeckt ist, sowie stabile Dividendenzahlungen über Jahre hinweg. Dann schlage ich zu.“ Parhammer hat erst kürzlich größere Umschichtungen in ihrem Fonds vorgenommen, der die Krise nur mit einigen Blessuren überstanden hat. Ab jetzt sind auch asiatisch-pazifische Unternehmen mit einer Gewichtung von zwölf Prozent dabei, wie Australiens Bierbrauer Fosters und das Aussi-Telekom-Unternehmen Telstra. Parhammer: „Ich habe mit Hongkong Electronic auch eine chinesische Aktie im Depot, die heuer 4,8 Prozent Dividendenrendite verspricht.“

Guter Mix sinnvoll
Geht es nach DWS-Fondsmanagerin Seiler, so darf ein guter Mix an Papieren mit hoher Dividende und Wachstumsstärke aus unterschiedlichen Sektoren nicht fehlen. Seiler: „Telekom-Konzerne wachsen kaum noch, zahlen aber gut. Ich finde Versorger wie E.ON mit 5,6 Prozent Rendite interessant, aber auch eine Pepsi Cola, die 2,8 Prozent ausschüttet. Die Allianz Versicherung ist dank fünf Prozent bei mir ebenfalls dabei.“ Zur guten Mischung zählt auch die Österreichische Post, eines der wenigen heimischen Unternehmen, die bisher konstant hohe Dividenden ausgeschüttet haben. Analysten rechnen auch heuer wieder mit einer Rendite von 7,7 Prozent, der genaue Wert wird Mitte März verlautbart. Schroder-Managerin Schemmann hat noch einen weiteren Sektor im Auge: „Tabakwaren sind ein solides Geschäftsmodell und krisenresistent. Ich habe mit Korea Tobacco & Ginseng ein Unternehmen im Depot, das seit 20 Jahren stetig Dividenden zahlt. Heuer wird die Rendite 4,7 Prozent betragen.“

Schwierige Wahl
Wer die Aktienauswahl lieber einem Fondsmanager überlässt, hat die Wahl zwischen mehreren Dividendenaktienfonds. Einige hat es aber 2008 deutlich erwischt. Hauptgrund dafür waren einst ausschüttungsfreudige Finanz- und Ölaktien, die in der Krise stark unter Druck gerieten. Die Verluste hängen den meisten Fonds noch immer nach. Jan Ehrhardt, Manager des erfolgreichen DJE Dividende & Substanz (ISIN LU0159550150), ist mit einem Plus von 37,4 Prozent Gesamtrendite auf Fünf-Jahres-Sicht am besten im Rennen. Zu seinen größten Positionen im Fonds gehören der Energiekonzern RWE, der heuer sechs Prozent ausschütten wird, sowie das Bauunternehmen Bilfinger Berger, beides Garanten für beständige Dividendenzahlungen à la Goldesel.

Ingrid Krawarik

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